Mein Roadrunner hat seine letzte Reise angetreten… … …

… … …es gibt keine Worte für das, was passiert ist…sein Tod ist so sinnlos… … …

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Bis ans Ende der Welt – Vol.3

Da wir letzten Winter mal keine Reise unternommen haben – am Haus lagen einige Renovierungsarbeiten an – wird es dieses Jahr wieder Zeit die Koffer zu packen und dem Winter die kalte Schulter zu zeigen. Lange haben wir überlegt, wo es diesmal hingehen soll. Da wir noch nicht in Australien waren, war das eigentlich mein Favorit. Aber leider konnte ich Gina nicht davon begeistern. Da das Motorrad aber dieses mal wieder das Transportmittel der Wahl sein sollte, war diese Entscheidung vielleicht gar nicht so schlecht. Die Entfernungen dort sind ja nicht gerade die kürzesten. Da wären wieder endlose Tagesetappen angesagt gewesen. Wohin also sonst? Warum also nicht auf Altbewährtes zurückgreifen? Was eigentlich erst für 2017 geplant war, ziehen wir jetzt schon im Winter 2016 vor – Neuseeland. Unser Besuch in 2012 dort war ja ein recht spezieller, und so wollen wir unseren vierten Hochzeitstag nach Möglichkeit wieder am Karekare Wasserfall verbringen. Als wir diese Idee mit unserem Kumpel Bernt besprachen, war seine Antwort nur „…da wollte ich auch schon immer mal hin!“ Na gut, bauen wir eben eine zweite Kiste und bringen zwei KTM’s ans Ende der Welt. 😉

doppelt geschraubt hält besser 😉

Gesagt, getan! Also schnell die fehlenden Bretter bestellt und dann konnte es Mitte Oktober losgehen. Da wir ja schon eine Kiste hatten, war das „kopieren“ recht zügig erledigt. Damit allein war es aber noch nicht getan. Neben ein paar Kleinigkeiten, wie neuem Kettenkit aufziehen oder Reifen wechseln, mußten die Mopeds natürlich wieder penibel geputzt werden. Das kannten wir ja schon vom letzten mal. Einfacher wurde die Sache dadurch aber auch nicht. Enduros putzen ist einfach eine s…. Arbeit. Aber nicht nur die Motorräder müssen picobello sein, die Klamotten, Koffer und alles was dazu gehört sollte möglichst aussehen, wie neu. Die Biosecurity in Neuseeland schaut einfach zu genau hin, was da ins Land kommt. Bei Bernt´s Moped ging das ja noch – die ist ja noch fast neu. Bei meiner fast 10 Jahre alten „Karre“ fällt das „schick machen“ schon etwas schwerer. Ist halt wie im richtigen Leben 🙂

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ohne Mampf kein Kampf!

Aber mit gemeinsamen Kräften und Gina´s toller Verpflegung war das an zwei Wochenenden auch erledigt. Jetzt müssen die Mopeds nur noch in die Kisten gesteckt, das ganze Gepäck dazu gepackt werden und dann kann die Reise schon mal losgehen – zumindest für die Motorräder.

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Familie roadrunner

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das muß doch passen!!!

Die Motorräder in die Kisten zu packen, haben wir auf zwei Tage verteilt. Zuerst haben Gina und ich unser Moped eingepackt.  Da wissen wir inzwischen schon genau, wo jedes Teil hingehört. Mit Hilfe der Werkstatt in der Firma – vielen Dank an dieser Stelle an den Chef – war die ganze Aktion in gut zwei Stunden erledigt. Jetzt fehlte bloß noch Bernt´s Moped. Man darf aber jetzt nicht denken, wenn Zwei das gleiche Moped fahren ist es auch das Gleiche. Weit gefehlt! Allein der Umstand, daß Bernt noch ein Topcase dabei hat, hat Gina und mich beinahe an den Rand des Wahnsinns gebracht. Und das, wo ich bekennender Topcase Hasser bin. Nach dem gefühlten 25sten Versuch, die drei Büchsen irgendwie neben das Motorrad zu stellen, hat es dann, nachdem wir noch die Beifahrerfußraste demontiert hatten, endlich geklappt. Der Rest war dann eigentlich nur noch Routine. Aber viel Platz war da wirklich nicht mehr. Jetzt noch die Wände dran, Deckel drauf, fertig!

27.10.15 point of no return

Ausfahrt Hamburger Hafen

Ausfahrt Hamburger Hafen

Heute war es dann endlich soweit. Die Mopeds fahren schon mal voraus, damit sie rechtzeitig im neuen Jahr in Auckland für uns bereit stehen. Wieder haben wir das timing genau abgepaßt. Bei bestem Sonnenschein ging es die 250km nach Hamburg, wo wir die Kisten im DCP (Dettmer Container Packing) abliefern konnten. Da wir dieses Terminal noch nicht kannten, haben wir uns zwar erst vom Navi etwas in die Irre leiten lassen, aber man braucht bloß einen von den gefühlten tausend Truckern fragen, wo´s lang geht und schon ist man wieder auf dem

bereit zur Abfahrt

bereit zur Abfahrt

richtigen Weg. Nachdem wir dann unsere Papiere hatten, hat es noch ca. eine Stunde gedauert, bis die Staplerfahrer sich unserer Kisten angenommen haben. Aber wir sind nun mal nicht die Einzigen, die in Hamburg was anliefern oder abholen wollen. Ein Wahnsinn, was da jeden Tag umgesetzt wird. Die Jungs mit den Gabelstaplern sind im Dauereinsatz – da wird auch schon mal ein derbes Wort gerufen oder die Hupe als Verständigungsmittel eingesetzt. So vorsichtig, wie ich gestern noch unsere Kisten mit dem Stapler auf die Anhänger gehoben habe, sind die da nicht. Der Härtefall war, als es plötzlich nach verbranntem Holz roch. Da kam ein Stapler mit am Boden schleifender Holzkiste um die Ecke „geschossen“. 20151027_135931Hoffentlich überleben unsere beiden KTM´s die Fahrt. 😉 Aber jetzt ging schon dreimal alles glatt, warum nicht dieses mal auch. Bernt hat die Kamera gar nicht wieder aus der Hand bekommen. Für Ihn war es heute das erste mal, daß sein Moped verschifft wird. Da geht man schon mit gemischten Gefühlen ran, wenn man sieht, wie die Kiste in der Lagerhalle verschwindet. Ist ja auch schließlich keine Kiste mit

man ist das alles aufregend ;-)

man ist das alles aufregend 😉

Bananen, die man auf die Reise schickt. Also wollen wir mal wieder hoffen, daß wir Anfang Januar alles so in Empfang nehmen können, wie wir es heute aufgegeben haben. Bis dahin könnt ihr also noch warten und wer Lust hat, kann uns dann wieder auf unserem Trip durch Neuseeland begleiten.

08.11.15 …und los geht´s

Heute läuft unser Kutter mit den Mopeds aus. Die „Spirit of Hamburg“ verläßt Hamburg

ready to go

ready to go

🙂  in Richtung Auckland – mit vielen Zwischenstops. Das witzige daran ist, daß wir genau dieses Schiff bei unserem letzten Aufenthalt in Neuseeland schon mal gesehen haben. Bei unserem Besuch in Dunedin ist uns der große Dampfer aufgefallen, weil in riesigen Lettern „Hamburd Süd“ auf der Seite stand. Auf sowas achtet man natürlich im Ausland einmal mehr. Das läßt hoffen, daß der Käpt´n den richtigen Weg schon mal kennt und unsere Maschinen pünktlich im neuen Jahr down

die

die „Spirit of Hamburg“

under sind. Dank der modernen Technik läßt sich der Standort des Schiffes zu fast jeder Zeit verfolgen. Wenn man jetzt noch sehen könnte, in welchem Container unsere Kisten sind, wär´s kaum auszuhalten. 🙂

 

 

 

04.01.16 Auckland here we are

36 Stunden und 15 Minuten nachdem wir in Osterode gestartet sind stehen wir nun in Auckland vor unserer Unterkunft. Alles ging soweit glatt, keine Verspätungen oder ähnliche Unwegbarkeiten. Außer, daß  ich am Frankfurter Flughafen positiv auf Sprengstoff getestet wurde, gab es eigentlich keine besonderen Vorkommnisse. Das lag aber wahrscheinlich daran, weil ich noch so geladen war. Denn Senge hatte kurz zuvor das Zugband meines Koffers mit dem Anlasser seines Rasenmähers verwechselt und dieses dabei irreversibel in die ewigen Jagdgründe geschickt. Auch eine sofort eingeleitete Notoperation am offenen Herzen

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OP am Koffer 🙂

des Federmechanismus konnte diesen nicht mehr ins Leben zurückbefördern. 🙂 Naja, richtigen Sprengstoff haben die Beamten dann doch nicht bei mir gefunden und so konnten wir ungehindert den Flieger betreten. Nach kurzem Zwischenstop in Singapur, wo man mal eine Dusche nehmen und sich ein bisschen die Beine vertreten konnte, ging´s dann gleich in den nächsten Flieger. Trotz relativ kurzer Flugzeit für diese Strecke waren wir doch alle ganz schön geschafft und konnten uns hier gerade noch ein paar Stunden auf den Beinen halten, bevor wir schon am frühen Abend totmüde ins Bett gefallen sind. Am nächsten Tag waren wir dann wieder fit genug um gleich mal in der Stadt etwas sightseeing zu

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Weihnachten ist hier noch nicht ganz vorbei

machen. Da heute noch Feiertag in Neuseeland ist – die Kiwis holen nämlich jeden Feiertag, der auf ein Wochenende fällt, am folgenden Werktag nach – konnten wir in Sachen Motorräder noch nicht viel unternehmen. Allerdings haben wir schon mit unserem Agenten hier unten telefoniert, dieser holt uns morgen früh ab, dann geht´s hoffentlich schnell zu den Mopeds, damit wir unsere Reise gen Nordkap fortsetzen können.

07.01.16 Auckland – Russell

Die gute Nachricht ist, wir sind unterwegs. Die schlechte, wir hatten geringfügige

sightseeing in Auckland

sightseeing in Auckland

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da war die Welt noch in Ordnung

Startschwierigkeiten. Aber alles der Reihe nach. Am Dienstagmorgen hat uns unser Agent Graham pünktlich abgeholt, um mit uns ins warehouse zu unseren Mopeds zu fahren. Soweit alles klar, die Kisten waren äußerlich in einigermaßen gutem Zustand, der Inhalt nach einer ersten Inaugenscheinnahme auch. Also frisch ans Werk und die Mopeds zusammengebaut. Mit meiner LC8 ging´s los. Vorderrad rein, Sicherungen gesteckt, Benzinhähne auf, und…. Starter gedrückt…wrommm. Als wenn ich sie gestern erst abgestellt hätte. Danach ging´s an Senge´s Moped. Die gleiche Prozedur, nur das wrommm hat gefehlt. Das heißt, einmal lief sie ganz kurz, danach war Feierabend. Hmmm, also auf Fehlersuche gehen. Darauf, daß es die Batterie ist, sind wir erst gar nicht gekommen, weil mehrere Fremdstartversuche von einem Auto bzw. meinem Moped auch nicht funktioniert haben. Erst als wir die Batterien der Mopeds

auf Fehlersuche

auf Fehlersuche

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beim neuseeländischen TÜV

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ahhh…. das begehrte Pickerl!

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Treffen mit Bruce von der Aucklander Polizei

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über die Harbour Bridge raus aus Auckland

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noch ein letzter Stop vor der skyline von Auckland

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kurz vor Russell …. die ersten Riesenfarne

getauscht haben, und Senge´s Karre mit meiner Batterie lief, war klar, sein Stromspender hat die ewigen Jagdgründe der Akkumulatoren aufgesucht. Aber jetzt ging´s erst richtig los. Googeln, mit unzähligen Motorradhändlern telefonieren, feststellen, daß es in Neuseeland nicht die genau gleiche Batterie gibt, die wir brauchen. Also letzten Endes eine Batterie aus dem Zubehör genommen, die als Ersatz für die LC8 geeignet war. Jetzt erst mal quer durch Auckland fahren, Batterie kaufen, wieder zurück und endlich den neuen Stromspender einbauen. Da diese Batterie etwas weniger Amperestunden hatte, als das Original, waren wir natürlich gespannt, ob es klappt. Aber diesmal schien alles zu funktionieren. Während dieser ca. 4 Stunden hat unser Kumpel Senge gefühlte eine Millionen Flüche abgelassen und schon in Gedanken eine neue Afrika Twin bestellt. Aber jetzt lief das gute Stück wieder und die Welt war erst mal in Ordnung. Unser geplanter Tagesablauf war natürlich total im A…. Wir wollten ja eigentlich noch zum neuseeländischen TÜV um die WOF (warrenty of fitness) zu erledigen und eine Versicherung wollten  wir auch noch für die Mopeds abschließen. Damit wurde es heute natürlich nichts mehr. Da wir aber in unserem Backpacker keine Übernachtung mehr gebucht hatten und dort auch kein Zimmer mehr frei war, mußte sich Gina in der Zwischenzeit erst mal um ein neues Quartier kümmern. Das hat dann gleich mal ihre Englischkenntnisse etwas aufgebessert 😉  Am nächsten Tag konnten wir dann endlich den TÜV nachholen. Dabei gab es aber auch kleine Probleme. Nicht etwa wegen der Motorräder, die waren topfit, die Beamten dort wollten unbedingt unsere Carnet´s für den Import der Mopeds im Original sehen. Diese lagen natürlich sicher bei unserem Agenten im Safe. Also wieder telefonieren, quer durch Auckland fahren, Carnet´s holen, zurück zum TÜV, um dann endlich die begehrte Plakette zu bekommen. Zwischendurch haben wir dann noch Verhandlungen mit einer Versicherung geführt und sind bei der örtlichen Polizeistation vorstellig geworden, da Senge schon von Deutschland aus Kontakt zu seinen Kollegen aufgenommen hatte (wäre mir allein so niemals passiert ). Dort haben wir uns dann noch mit Bruce, einem Auckländer Police Officer, für den Abend verabredet. Dieses Treffen verlief dann auch sehr entspannt (obwohl Bruce eine BMW fährt und auch noch eine Warnweste trägt 😉 😉 😉 konnten wir von ihm einige Informationen und Tips bekommen – sogar eine Einladung zu sich nach Hause steht in einer Woche an. Das wird bestimmt interessant. Jedenfalls war auch dieser Tag voll mit Action, bevor es nun endlich Richtung Nordkap losgehen konnte. Das einzig Gute an diesen beiden Tagen war, daß wir uns durch die viele Gurkerei durch Auckland gut an den Linksverkehr gewöhnen konnten. 🙂  Nachdem wir noch einige kleinere Gepäckoptimierungen vorgenommen haben, konnte es dann heute endlich Richtung Russell, unserer ersten Station, losgehen. Nachdem wir erst mal aus Auckland raus waren, wurde das Fahren dann auch etwas entspannter und die ersten Kurvenstrecken kamen auch endlich in Sicht. Mein schwerer Brocken läßt sich dabei sogar einigermaßen gut bewegen. Die Optimierung des Federbeins letzten Herbst war sicher keine Geldverschwendung, so das wir mit unserer knappen halben Tonne Kampfgewicht einigermaßen flott um´s Eck kommen. Trotzdem findet das Ganze bei mir eher auf Cruiserniveau, denn auf sportlicher Basis statt. Ist aber auch gut so, denn wir wollen ja reisen und was von der Landschaft sehen. In Russell sind wir jetzt erst mal auf einem Campingplatz untergekommen, den wir schon von unserer letzten Reise kannten. Da fühlt man sich doch gleich wie zuhause…;-)

10.01.16 Russel-Cape Reinga

Unser Aufenthalt in Russell sollte gleich mal zum Härtetest für unsere

kurz vor dem großen Regen

kurz vor dem großen Regen

Campingausrüstung werden. Gleich in der Nacht nach unserer Ankunft fing es ordentlich an zu regnen, und  es hörte auch bis zum Abend des darauffolgenden Tages nicht mehr auf. Da sollte sich zeigen, ob unsere Zelte dem Dauerregen standhalten oder nicht. Aber bis auf die Tatsache, daß alles ziemlich klamm war, waren keine größeren Schäden zu beklagen. Am nächsten Tag waren die Wetteraussichten wieder besser, so daß wir mit den Mopeds mal die Bay of Islands erkunden konnten. Allerdings hat uns auch auf dieser Tour noch ein heftiger Regenschauer erwischt… die Motorradklamotten sollten anscheinend auch noch mal auf Wasserdichtheit geprüft werden. 🙂 Jetzt kann es damit aber auch genug sein. Unser Wasserbedarf von oben ist für´s erste gedeckt. Heute ging es

das einfache Camperleben halt... ;-)

das einfache Camperleben halt… 😉

dann weiter Richtung Cape Reinga. Gina meint zwar immer noch, die Kiwis haben sich da verschrieben und es müßte eigentlich Cape Regina heißen, aber das ist auch egal. Bei bestem Wetter kamen wir hier oben an, so daß nach dem Zeltaufbau erst mal ein kurzer Sprung in den Pazifik angesagt war. So läßt sich´s aushalten. Anschließend noch die Benzinkocher angeworfen, lecker Pasta zubereitet, danach ein Kaffee zum Abschluß, was will man mehr. Leider waren wir hier oben nicht ganz allein. Das gute Wetter hat anscheinend auch andere Touris bzw. Kiwis hier her gelockt. Trotzdem haben wir einen schönen Platz für unsere Zelte direkt am Pazifik gefunden. Heute Nacht werden wir wohl nur das Meeresrauschen und das Schnarchen aus Senge´s Zelt hören. 😉

am nördlichsten Punkt Neuseelands

am nördlichsten Punkt Neuseelands

Ansonsten merkt man schon, daß man hier so ziemlich am Ende der Welt angekommen ist. Handyempfang oder gar Internet kann man sich voll abschminken. Sprit für die Motorräder gibt´s auch nur noch mit 91 Oktan. Wasser auf dem campground sollte man nur abgekocht genießen. Aber schön war´s hier trotzdem. Am Morgen wurde dann noch der obligatorische Fotostop am Leuchtturm eingelegt, bevor es jetzt zum südlichsten Punkt Neuseelands geht.

15.01.16 Cape Reinga-Dargaville-Piha-Whitianga

Auf unserer Fahrt Richtung Süden lag als erster Zwischenstop der “90 Mile Beach” auf dem Programm. Ein paar Kilometer von der Hauptstraße weg und schon ist man auf dieser “öffentlichen” Verkehrsstrecke. Wir haben dort zwar  keine Kilometer zurückgelegt, das macht mit den voll beladenen Mopeds nicht wirklich Spaß, aber ein kurzer Fotostop sollte schon drin sein. Von hier aus ging es dann weiter Richtung Dargaville. Dort kannten wir einen schönen Campingplatz, auf dem wir schon bei unserer ersten Reise waren. Die letzten 50 km dorthin ging es über Gravelroads, die uns und die Motorräder erst mal richtig eingepudert haben. Beim Tankstop, den wir noch kurz zuvor eingelegt hatten, warnte uns noch ein älterer Herr “watch for the Logging trucks!” …Achtet auf die Holzlaster! Diesen Rat sollte man hier durchaus ernst nehmen. Da wir uns hier in einer Gegend befanden, in der die Holzindustrie sehr umtriebig ist,

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das nächste mal lieber ohne Gepäck

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…kein Spruch über diesen genialen Sonnenschutz!!! 🙂

fahren auch etliche von diesen Lkw´s auf eben diesen Gravelroads. Es stehen auch überall Warnschilder, die auf diese Monster hinweisen, denn wenn einem so ein Lkw entgegen kommt, geht es garantiert nicht nach Vorfahrt, sondern nach Kampfgewicht. Aber bei uns ging alles gut, nur ein Pickup hätte uns fast von der Piste gefegt, weil er in einer Kurve unsere Seite geschnitten hat. Von hier aus ging es nun weiter nach Piha, ein klitzekleiner Ort, den wir eigentlich wegen seines Campingplatzes und der Nähe zu den Karekare Wasserfällen ausgesucht hatten. Diese wollten Gina und ich natürlich unbedingt nochmal besuchen, nahm das Schicksal hier doch vor fast genau vier Jahren seinen Lauf. 😉 So haben wir dann am nächsten Tag die Gegend um die Wasserfälle noch etwas ausgiebiger unter die Lupe

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Höhenbegrenzung mal anders

genommen. Auch die Cacherei kam mal wieder zu ihrem Recht und wir konnten noch einen schönen Aussichtspunkt oberhalb des Strandes ausfindig machen. Jetzt wurde es aber Zeit, der Einladung unseres neuen Freundes Bruce zu folgen. Dieser hatte uns ja in Auckland gefragt, ob wir ihn nicht in seinem Ferienhaus auf der Coromandel Halbinsel besuchen wollen. Das konnten wir natürlich nicht ablehnen. 😉  Was uns hier allerdings erwartete, war uns damals nicht so richtig klar. So ziemlich auf dem höchsten Punkt von Whitianga hat Bruce hier ein nettes Häuschen stehen, von dessen Terrasse man einen phantastischen Blick auf die Mercury Bay hat. Da Bruce leider am

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Blick von unserem neuen Quartier

nächsten Tag schon wieder früh arbeiten mußte, hat er uns dann am Abend einfach seinen Hausschlüssel in die Hand gedrückt und gesagt “…bleibt einfach, so lange ihr wollt und genießt eure Zeit!” wir waren einfach sprachlos über soviel Gastfreundlichkeit. Da war wieder einer der Gründe, der uns an Neuseeland so fasziniert hat. Die Leute hier sind einfach sowas von cool drauf, das findet man in Europa oder gar in Deutschland eher selten. Jetzt genießen wir aber erst mal wirklich die tolle Unterkunft und machen die Coromandel Halbinsel mit den Mopeds unsicher…

22.01.16 Whitianga-Fletcher Bay-Waihi Beach-Rotorua

Nachdem wir die Gastfreundschaft von Bruce lange genug strapaziert hatten, sind wir bis

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Bikertreff in Coromandel

an die Nordspitze der Coromandel Halbinsel weitergezogen. Eigentlich wollten wir ja schon etwas eher starten, aber das Wetter hat uns dann doch noch einen  Strich durch die Rechnung gemacht. In der Nacht ging über Whitianga so ein Unwetter runter, daß wir froh waren ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Man muß eben auch mal Glück haben. 😉 In der Fletcher Bay erwartete uns nach 100km, von denen 30km kurvige gravelroad waren, ein DOC Campingplatz. Diese äußerst spartanisch ausgestatteten Plätze haben den Vorteil, daß sie landschaftlich meist sehr

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das könnte uns auch gefallen 🙂

schön gelegen und nur gering frequentiert sind, dafür aber nur mit dem nötigsten ausgestattet sind. Für die 10$, die man hier pro Nase und Nacht abdrücken muß, gibt´s außer kalten Duschen und einem Plumsklo nichts außer grandioser Landschaft. Da die Landschaft dort oben aber so toll war, sind wir gleich mal zwei Tage geblieben. Blöd nur, daß wir nur Lebensmittel für einen Tag mitgenommen hatten. Also noch mal 35km gravelroad hin- und zurück um zum nächsten Lebensmittelladen zu kommen. Aber hier ist einfach der

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auf dem Weg zur Fletcher Bay

Weg das Ziel. Am nächsten Tag ging´s dann noch mal auf Wandertour. Der Coromandel walkway führt immer an der Küste entlang und ist einfach nur grandios zu laufen. Eine tolle Aussicht jagt die nächste. Nachdem ich die ca. 13-14km hinter mir hatte, half nur noch ein Sprung in den Pazifik um Linderung zu bekommen  🙂 Während ich mir die Füße heiß gelaufen habe, hat sich unser Senge mal wieder mit seinem Moped beschäftigt. Dieses hat wieder etwas Zicken gemacht. Zum Glück konnte er den Fehler schnell finden. Die Batteriekabel, die wir neulich erst angezogen hatten, hatten sich beide gelockert. Dementsprechend lief die Karre auch. Kleine Ursache – große Wirkung. Aber jetzt scheint

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und sie läuft und Läuft und läuft

erst mal wieder alles in Ordnung zu sein. Auch meine alte Karre läuft und läuft und läuft. Kurz vor der Bay standen doch 111.111 km auf dem Tacho. Von jetzt an sollte es erst mal weiter Richtung Süden gehen. Über die westliche Küstenstraße der Coromandel ging es weiter bis Waihi Beach. Auf dieser Strecke sind so viele Kurven, da wird einem richtig schwindelig beim fahren. Schade nur, daß unsere Dampfer so schwer beladen sind, das wäre ein Spaß ohne Gepäck… Mit Waihi Beach haben wir uns leider etwas vertan.

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in der Fletcher Bay

Der Campingplatz war sehr klein, und da das Wochenende anstand natürlich auch dementsprechend voll. Also nur ein kurzer Zwischenstop, bevor es am nächsten Tag weiter Richtung Rotorua, ins Land der heißen Quellen ging. Auf dem  Weg dahin lag Matamata, einer der Drehorte vom “Herr der Ringe”. Allerdings nehmen die Kiwis unverschämte 79$ um die paar bunten Türen  von Hobbiton zu besichtigen. Das war es uns dann doch nicht wert und so mußte Gollum für ein Foto herhalten, der in der Touristinfo so rumstand. Man muß sich hier wirklich genau überlegen, für welche Sehenswürdigkeit man die Dollar ausgibt, denn außer Benzin und Diesel ist eigentlich nichts in Neuseeland billig. Dieses gibt es hier

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auf dem Coromandel walkway

schon für 1,10€ bzw 50ct pro Liter. Dementsprechend verhalten sich die Neuseeländer übrigens auch mit Ihren Autos. Während bei uns die Autos mit Start-/ Stopautomatik fahren um jeden Tropfen des kostbaren Naß zu sparen, läuft hier der Diesel munter weiter, selbst wenn mal zwischendurch ausgestiegen wird. Aber das kannten wir ja schon von unserer letzten Reise. Ab morgen wollen wir dann mal sehen, in welchen heißen Quellen wir unsere müden Knochen wieder beleben können…. 😉

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zu Besuch bei Gollum

 

28.01.16 Rotorua-Taupo-New Plymouth-Upper Hut

Statt heißer Quellen war dieses mal eher kühler See angesagt. Bei Temperaturen von

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Pizzabringdienst am Lake Rotorua

25-30 Grad den ganzen Tag über, hatten wir nicht wirklich Lust, uns noch in eine heiße Thermalquelle zu legen. Also lieber Schatten suchen und im nahegelegenen Blue Lake ein kühles Bad nehmen. Da Bernt die Gegend mit den heißen Quellen noch nicht kannte, hat er sich auf´s Moped geschwungen und im Hells Gate blubbernde Schlammlöcher und dampfende Erde angeschaut. Die nächste Station war der Lake Taupo. Auch hier dreht sich alles um Geothermie und Wasser im weitesten Sinne. Da die Tour heute nicht sehr weit war, konnten wir uns nach unserer Ankunft noch an den Huka Fällen ein paar

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Action für die Schönen und Reichen

Jet Boote anschauen, die hier die Touri´s für teuer Geld bis kurz vor den Wasserfall fahren. Da werden dann unter viel Gekreische zwei drei Runden durch die Gischt gedreht, bevor alle wieder sacknaß zurück gebracht werden. Am nächsten Tag war dann auch bei uns etwas Sightseeing angesagt. Nach den “Craters of the Moon” (eine etwas übertriebene Bezeichnung für ein bisschen dampfende Erde), einem Vulkanzentrum und ein paar netten Sinterterrassen hatten wir erst mal wieder genug Input. Jetzt sollten wieder ein paar

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ab auf den „Forgotten World Highway“

Kurven und etwas Schotter unter die Räder kommen. Also, ab auf den “Forgotten World Highway” und in der “Republik Whangamomona” einen Stempel für den Paß abholen. So war jedenfalls der Plan. Die Tour nach Whangamomona (warum sind diese Ortsnamen eigentlich immer so verdammt lang und doof zu lesen??? ) verlief auch, wie geplant. Super Wetter und tolle Landschaft. Als wir aber in das 20 Seelen Kaff einfuhren, trauten wir unseren Augen nicht. Wohin das Auge schaute, Autos und Menschenmassen. Bei unserem letzten Besuch hier sind uns vielleicht 5 Leute über den Weg gelaufen. Nach kurzem Smalltalk mit ein paar Leuten war klar, wir sind

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unterwegs in der forgotten world

mitten in die Beerdigung eines jungen Neuseeländers reingeraten. Zu diesem Anlaß war die gesamte “Community” (wer auch immer dazugehört) in diesem kleinen Ort versammelt. Leider war aus diesem Grund auch das bekannte Hotel im Ort geschlossen und mit dem Stempel für den Reisepaß wurde es auch nichts. Komisch, schon bei unserem letzten Besuch in Taupo haben wir die Beerdigung eines Rockers und seiner Familie miterlebt. Auch dort herrschte damals Ausnahmezustand im Ort. Also weiter auf kurviger Strecke bis nach New Plymouth. Am Fuß des Mt. Taranaki wollten wir im

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in Whangamomona

Egmont Nationalpark wandern gehen. Leider sagte die Wettervorhersage nicht viel Gutes für die nächsten beiden Tage voraus, doch trotzdem wir noch einen Versuch starteten, mußten wir wieder umdrehen. Das Wetter war einfach Sch…. Statt dessen konnten Gina und ich erstmalig in diesem Urlaub unsere Regenkombis auf Dichtheit prüfen.  😉 Abends trafen wir noch ein deutsches Ehepaar auf dem Zeltplatz, denen unsere deutschen Kennzeichen schon mehrmals auf unserer Tour aufgefallen sind. Christopher und Brigitte besuchen hier ihren Enkel Felix, der auf Schüleraustausch in Neuseeland ist. Leider hat es den armen Jungen in die trostloseste Ecke von ganz Kiwiland verschlagen. Mitten ins

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der Mt. Taranaki

Farmland zwischen Wellington und New Plymouth. Aber so konnten wir abends bei gegrillten Würsten und reichlich Rotem zusammenhocken und Reiseerfahrungen austauschen. Von Felix haben wir dabei ein paar ganz neue Infos zu Neuseeland bekommen, die sicher nur auf den ländlichen Teil zutreffen, aber dennoch recht interessant sind. Durch eben diese trostlose Gegend mußten wir am nächsten Tag durch. Was wir in 2012 noch an zwei Tagen gemacht haben, sollte dieses mal in einem Rutsch

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Grillabend mit neuen Bekannten

runtergerissen werden. Also morgens mal etwas früher den Hintern aus dem Schlafsack heben und und die gut 400 km bis Upper Hut, kurz vor Wellington, abgerissen. Da das alles nur Highway ist, war das auch kein Problem. Einzig der Wind wehte an der Küste so stark, daß wir uns zeitweise an unsere Südamerikatour erinnern mußten. Aber alles ging gut und wir konnten noch pünktlich unsere Zelte aufbauen. Da die Gegend um Wellington uns schon beim letzten mal nicht so umgehauen hat und zumindest die Campingplätze und der Verkehr genauso waren, wie damals, haben wir uns entschlossen, gleich morgen früh die erste Fähre zur Südinsel zu nehmen. Davon aber beim nächsten mal mehr.

03.02.16 Kurze Bemerkung: Leider funzt das Internet auf den Zeltplätzen so schlecht, daß an Bilder hochladen nicht zu denken ist. Wenn mal wieder eine bessere Verbindung da ist, geht´s weiter…

 

03.02.16 Upper Hut – Blenheim – Hanmer Springs

Nach nur einer Nacht in Upper Hut sind wir am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe aus den Schlafsäcken, um gleich die erste Fähre nach Picton zu bekommen. Das hieß um

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und ab auf die Molesworth Road

6:00 Uhr wecken, alles zusammrödeln und um 7:00 Richtung Wellington starten. Dabei mit allen erlaubten und unerlaubten Tricks durch den morgendlichen Berufsverkehr mogeln, um nach 35 Minuten am Ticketschalter zu stehen. Dann noch kurz mit dem Fahrkartenverkäufer über Prozente verhandeln und schon konnte es Richtung Südinsel losgehen. Die Überfahrt war zwar okay, allerdings hat sich das Wetter nicht gerade für das Sonnendeck geeignet. Laut Wettervorhersage sollte es die nächsten Tage auch bewölkt

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unterwegs auf der Molesworth

und kalt bleiben. Das hat sich dann leider auch bewahrheitet. Bei lausigen 16 Grad mußten Bernt und ich uns auf den Motorrädern warm arbeiten, indem wir die Umgebung von Blenheim auf Schotterstrecken erkundeten. Gina hat sich in der Zwischenzeit warm „geshopped“. 🙂 Zum Glück dauerte dieser „Wettereinbruch“ nur zwei Tage an und für unsere geplante Tour über die Molesworth Road war wieder Sonne satt vorhergesagt. Beim morgendlichen Aufbruch war davon zwar noch nichts zu sehen, aber kaum daß wir Blenheim verlassen und die ersten Meter Schotter unter den Rädern hatten, zeigte sich der Planet und ließ die

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am Ende eines Schottertages

Temperaturen ruck zuck auf 30 Grad ansteigen. So ist das hier mit dem Wetter, mal hopp mal top. Daß es noch besser kommen würde, sollten wir in der kommenden Nacht feststellen. Aber dazu später mehr. Als wir am frühen Nachmittag auf der Molesworth Ranch ankamen, wollten wir erst mal Dennis besuchen. Das war der freundliche Kiwi, der uns bei unserem kleinen Crash 2012 so toll geholfen hat. Als wir mit unseren Mopeds vor seinem Haus anrollten, hat es auch nicht lange gedauert, bis er nach draußen kam. Das klingeln kann man sich als KTM Fahrer sparen. Wir kündigen uns immer aus ausreichender

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Wiedersehen mit Freunden

Entfernung selber an. 😉 Die Überraschung ist uns jedenfalls gut gelungen, als wir ihm eine Collage mit ein paar Fotos von damals mitgebracht haben. Nach einem ausgiebigen Smalltalk und einem Kaffee war es dann Zeit für uns, unsere Zelte auf dem nahegelegenen DOC Campingplatz aufzubauen. Bis auf die Rinder auf den umliegenden Weiden hört und sieht man hier nichts (außer natürlich dem Schnarchen aus Bernt’s Zelt ). Einen kleinen Schönheitsfehler hatte unsere Übernachtung dann aber dennoch. Dennis hatte uns schon von den Temperaturen der letzten Tage erzählt und daß es nachts nur ein paar Grad gehabt hätte. Ja ja, wird schon nicht so schlimm werden, haben wir uns gedacht. Was soll schon passieren, wenn’s tagsüber 30 Grad hat. Daß wir auf über 800m

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die Leiden einer Sozia 😉

Höhe waren, haben wir allerdings nicht berücksichtigt. So waren es dann in unserem Zelt nur lauschige 9 Grad, draußen waren es mit Sicherheit noch ein paar Grad weniger. Da hieß es dann nachts noch mal aufstehen, Fleecejacke vorkramen und hoffen, daß es damit etwas kuschliger wird. Daß unser Thermometer nicht gelogen hat, konnten wir an dem Honig feststellen, den wir uns am nächsten Morgen ins Müsli drücken wollten. Der war so steif, daß er kaum aus der Flasche kommen wollte. Aber sowie die Sonne morgens hochkommt,

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Senge beim Schotterspaß

mußten wir zusehen, daß wir unser Zeug zusammengepackt kriegen und uns Kühlung durch den Fahrtwind verschaffen. Genau so schnell, wie es abends kalt wird, steigt die Temperatur am nächsten Morgen wieder an. Die restlichen 80 Kilometer Schotterstrecke bis Hanmer Springs waren aber relativ schnell abgerissen, so daß wir nicht den ganzen Tag in der Gluthitze fahren mußten. Das Einzige, was uns diese Temperaturen gut ertragen ließ, waren die Wetterberichte aus good old Germany. 😉 Auch Hanmer Springs bietet sich zum offroaden gerade zu an. Deshalb mussten Bernt und ich am nächsten Tag auch gleich mal

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das harte Campingleben 😉

eine 150 Kilometer Runde durch die umliegenden Berge machen. Danach waren die Motorräder und wir gut eingepudert, aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Morgen geht’s dann nach Kaikoura zum Whalewatching. Ob wir dabei Glück hatten oder nicht, erfahrt ihr beim nächsten mal.

 

 

05.02.16 Hanmer Springs – Kaikoura – Waikuku Beach

Der Morgen in Hanmer Springs fing mit “Sandfly Alarm” an. Diese kleinen Mistviecher hatten uns bis jetzt eigentlich verschont, aber heute gingen sie uns so richtig auf den S…,

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kurzer Zwischenstop für die Schafe

oder besser gesagt auf Gesicht und Füße. Das sind die bevorzugten Stellen, an denen diese kleinen Biester zubeißen. Das Frühstück am Zelt fiel somit aus. Nachdem wir in Rekordzeit unsere Behausungen abgebaut hatten, ging es noch in die nächste Bäckerei in der Stadt, um den Tag vernünftig mit Flat White (das ist der Standardkaffee hier) und Brötchen zu beginnen. Für die Fahrt nach Kaikoura haben wir uns, oder besser gesagt das Navi, für die Inlandroute entschieden. “Kurvige Strecke” als Navigationsoption und schon war klar, wo´s lang geht. Daß wir dabei nochmal 10 km Schotter unter die Räder bekamen, war eher unbeabsichtigt.

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Käpt`n Ahab bei der Ausschau nach den Walen 😉

Trotzdem wollten wir natürlich pünktlich in Kaikoura ankommen, hatten wir doch zwei Tage zuvor schon eine Whalewatching Tour für den Nachmittag online gebucht. Aber nachdem uns die freundliche Schafhirtin an der Straße sagte „… it´s only 5 km gravel!“ haben wir doch die Schotterstrecke genommen. Wir waren sogar noch so pünktlich in Kaikoura, daß man uns vorschlug eine frühere Tour zu nehmen. Kurz überlegt, Tagesablauf über den Haufen geschmissen, mit unseren Freunden in Christchurch telefoniert und eine Stunde später saßen wir schon im Katamaran auf hoher

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… er taucht! Kameras klar!

See. Das Wetter und der Seegang waren wesentlich besser, als bei unserer ersten Tour 2012. Das ließ mich schon mal hoffen, daß ich die Wale nicht mit zusätzlichem „Futter“ anlocken mußte. Aber der Käpt´n wußte wo´s langgeht und so haben wir schon nach einer halben Stunde den ersten Pottwal sichten können. Dabei stürzen natürlich alle Passagiere an Deck und warten auf den richtigen Moment, um mit ihren Kameras das Abtauchen des Wales bildlich festzuhalten. Auch andere Schiffe, Flugzeuge und Helikopter nehmen sofort Kurs auf die Stelle, wo ein Wal gesichtet wurde. Das Ganze ist schon perfekt organisiert

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neuer Wal gesichtet. Volle Kraft voraus!

und hat sich zu einem richtigen Industriezweig entwickelt. Bedenkt man, daß der kleine Ort Kaikoura nur deswegen so bekannt ist, weil das Meer hier direkt an der Küste bis auf 1.600 m Tiefe abfällt und die Wale sich deswegen hierher „verirren“, ist das schon komisch. Außerhalb der Walsaison ist hier anscheinend auch nicht viel los. An diesem Tag hatten wir noch zweimal das Glück, einen Pottwal beim Abtauchen zu beobachten. Das waren schon zweihundert Prozent mehr, als beim letzten mal. Also, alles richtig gemacht! Als Zugabe gab´s dann noch ein paar Delphine, die treiben sich

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Flipper war auch da 😉

anscheinend immer in ausreichender Menge hier rum. Da wir jetzt schon am frühen Nachmittag zurück waren, konnten wir die geplante Übernachtung in Kaikoura ausfallen lassen. Außer Walen gibt´s hier zu dieser Zeit auch nicht viel zu sehen. Nachdem uns unsere Freunde in Waikuku Beach signalisiert hatten, daß wir auch schon einen Tag eher willkommen wären, haben wir eben noch 150 km dran gehängt und waren zwei Stunden später kurz vor Christchurch in Waikuku Beach. So konnten wir den Tag noch mit Carmen und Carsten ausklingen lassen. Allemal besser, als auf einem Zeltplatz in Kaikoura. Jetzt sind erst mal für ein paar Tage wieder

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noch ein Pottwal zum Schluß

richtige Betten und gesunde Ernährung angesagt. Diese beschränkt sich in letzter Zeit doch eher auf Pizza- oder Frittenbuden bzw. Spaghetti, wenn wir unsere eigenen Kocher anwerfen. Manchmal sind die Zeltplätze auch so gut ausgerüstet, daß wir ein paar Steaks und Gemüse kaufen und diese dann dort auf den Grills zubereiten. Das bleibt aber meistens die Ausnahme.

 

09.02.16 Waikuku Beach – Lake Taylor

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überall werden die Erdbebenschäden von 2010/11 behoben

Jetzt waren wir schon vier Tage bei Carmen und Carsten, unseren neuseeländischen Freunden, zu Besuch. Langsam wurde es Zeit, daß wir uns wieder an das Leben im Zelt gewöhnen mußten. 😉 Nachdem wir uns Christchurch angesehen hatten, welches im Zentrum eine einzige Baustelle ist, und eine ausgiebige Motorradtour um die Halbinsel Peninsula gemacht hatten, sollte es gleich mal wieder in die pure Natur gehen, quasi als Kontrastprogramm zu der Erholung, die wir gerade genossen hatten. Dazu hatte ich den Lake Taylor auserkoren. Dieser liegt etwas nördlich von Christchurch und war auch nur gute 100 km entfernt. Eine Etappe, die wir sonst bis

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unterwegs auf der Peninsula

Mittag schon gut abgespult haben. Allerdings waren die letzten 35 km Gravelroad, was die Sache ein klein wenig verzögerte. Trotzdem waren wir schon am frühen Nachmittag am See und konnten uns an der grandiosen Natur erfreuen. Das waren die Bilder, die wir hier sehen wollten. Also schnell die Zelte aufgebaut und gleich mal ein erfrischendes Bad im See genommen. Der recht frische Wind, der die ganze Zeit wehte, ging uns zwar etwas auf die Nerven, sollte sich aber noch als nützlich herausstellen. Erstens ließ er uns die Sonne

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für alle Fälle ein Ersatzfahrzeug 😉

nicht so spüren, die wieder mal erbarmungslos brannte und zweitens hatten wir noch kein Problem mit Sandflies. Diese wurde dann am Abend, als der Wind immer mehr nachließ, zur echten Plage. Gerade mal, daß wir unsere Nudeln intus und das Geschirr abgewaschen hatten, gingen uns die kleinen Biester wieder so ans Leder, daß nur der geordnete Rückzug ins Zelt Abhilfe schaffen konnte. Tja, was sagt uns das wieder mal? Es ist unmöglich, alles zu haben. Aber wir waren zumindest dicht dran… 😉 Am nächsten Morgen ging es die 35 km Schotter wieder zurück, da sich der Lake Taylor in einer Sackgasse befindet. Als wir wieder in der Zivilisation, sprich Gegend

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auf dem Weg zum Lake Taylor

mit Handyempfang und Internet zurück waren, wurde erstmal die Wettervorhersage geprüft. Diese hat unseren ursprünglichen Plan, zum Lake Tekapo weiterzufahren, gleich mal über den Haufen geworfen. Für die Westcoast war für die nächsten Tage Sonnenschein vorausgesagt. Also Plan geändert und Greymouth als neues Ziel ins Navi eingegeben. Gutes Wetter an der Westküste ist nicht so häufig, deshalb sollte man es ausnutzen, wenn es da ist. Das hatte uns noch Carsten empfohlen. Also flugs die 270 km über den Lewis Paß gefahren,

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campen, wie wir`s mögen

welcher sich aber als eher unspektakulär erwies. Da wir außerdem auch noch unseren Freund Bruce in Greymouth treffen konnten, fiel uns die Entscheidung nicht schwer. Dieser macht gerade mit ein paar deutschen Motorradfahrern eine Tour quer durch´s Land. Davon aber mehr beim nächsten mal.

 

12.02.16 Greymouth

So, Halbzeit! Jetzt sind wir knapp sechs Wochen unterwegs und die Hälfte unserer kleinen Auszeit ist schon wieder rum. So schnell geht das! Der Tacho unserer Mopeds zeigt inzwischen ca. 5.500 km mehr an, als zu Beginn unserer Reise. Ob das auch die Hälfte der

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Senge mit voller Schuhputzausrüstung

Gesamtstrecke sein wird, wird sich zeigen. Große Probleme gibt es mit den Motorrädern zum Glück nicht, sie laufen beide wie am Schnürchen. Ob mein Hinterreifen die gesamte Distanz überlebt, wage ich zu bezweifeln. Vom Profil sind gerade mal noch 4 mm übrig. Das ist wohl der Tribut, den ich für die extreme Beladung in Verbindung mit dem 140er Reifen zahlen muß. Bei Senge´s 150er ist noch wesentlich mehr von dem „schwarzen Gold“ zu sehen. Allerdings ist er ja auch nur allein unterwegs. Ob die Beladung allerdings so viel weniger ist, glaube ich manchmal nicht. Was er in den letzten fünf Wochen alles für

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Tabakschmuggel nach down under 😉

Gepäckstücke hervorgekramt hat, hat mich manchmal an den Rand des Wahnsinns getrieben. Von Gummihammer über Schuhputzzeug, Kompressor, drei Handys, Regenschirm oder Maulschlüssel, die auch für eine Treckerreparatur geeignet wären, es war alles dabei. Gina und ich arbeiten aber täglich daran, um aus ihm einen gepäckoptimierten Fernreisenden zu machen. 😉 Am Abend unsere Ankunft in Greymouth haben wir dann mit Bruce und seiner deutschen Motorradtruppe gleich mal Kontakt aufgenommen. Ein gemeinsames Abendessen, bei dem erstmal Informationen über die bisher geführte Tour ausgetauscht wurden, stand

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Erfahrungsaustausch unter Bikern

dabei natürlich auf dem Programm. Für Bernt hatte das Treffen noch größere Bedeutung. Konnte er doch endlich von einem Teilnehmer der Gruppe den lang ersehnten Tabak, den er seit Wochen bestellt hatte, in Empfang nehmen. Dazu muß man wissen, daß Tabak hier in Neuseeland extrem teuer ist und man fast als kriminell angesehen wird, wenn man doch mal ein 30 g Päckchen für ca. 50 NZ$ (umgerechnet ca. 30 €) erstehen will. All unser guter Einfluß konnte Bernt allerdings nicht davon abhalten, mehrere Päckchen des teuren Krautes hier zu kaufen. Beamter müßte man sein. 😉 Da die Wettervorhersage uns nicht

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die „Pfannkuchenfelsen“ von Punakaiki

enttäuscht hat, konnten wir am nächsten Tag bei bestem Wetter die kurvige Küstenstraße entlang bis Westport fahren. Dabei waren an Sehenswürdigkeiten allerdings nur die Pancakerocks in Punakaiki von Bedeutung. Da bekommt man landschaftlich ordentlich was zu sehen und muß nicht mal was dafür bezahlen. Die Robbenkolonie, die wir uns noch kurz vor Westport angeschaut haben, war eher enttäuschend. Die paar Viecher, die hier herumlagen, konnte man an zwei Händen abzählen. Da haben wir anderswo schon wesentlich interessantere Orte dieser Art gesehen. Weil das Wetter weiterhin beständig

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zum sundowner an den Strand

gut war, haben wir gleich noch einen Tag zum Faulenzen in Greymouth drangehängt. Einfach mal nichts tun kommt auch ganz gut. Da kann man dann mal am Strand entlang und darauf warten, daß die Sonne im Meer versinkt. Die gefühlten 500 asiatischen Touristen, die das Gleiche vorhatten, sieht man auf dem Bild natürlich nicht 🙂 .

 

17.02.16 Greymouth – Lake Pearson – Lake Tekapo – Queenstown

Nach dem offiziellen Zeltplatz in Greymouth sollte mal wieder ein „wilder Platz“ an die Reihe kommen. Außerdem war die Strecke von Greymouth bis Tekapo für eine Etappe

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Zwischenstop am Lake Brunner

etwas heftig. Also über den Arthurs Paß bis zum Lake Pearson, der in unserer Camper App mit tollen Bildern von Bergen und Seen ausgewiesen wurde. Dummerweise hatten diese Information wohl auch ein paar andere Camper. Und da der Platz ziemlich dicht an der Hauptstraße vom Arthurs Paß lag und mit jedem normalen PkW erreichbar ist, könnt ihr Euch sicher vorstellen, was dort los war. Mangels Alternative haben wir aber doch unsere Zelte dort oben aufgebaut, die obligatorischen Spaghetti auf den Kocher geworfen und den Rest des Tages am See ausklingen lassen. Unsere Hoffnung, daß der Verkehr am Arthurs Paß nachts

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die Anhängekupplung fehlt 😉

etwas nachlassen würde, hat sich leider auch nicht erfüllt. Bis spät in die Nacht waren immer wieder Autos zu hören, von denen auch einige die Idee hatten, doch noch nach einem freien Stellplatz am See zu suchen. Ich weiß nicht, was diese Leute tagsüber machen, wenn sie erst spät in der Nacht nach einer Unterkunft suchen. Da wir morgens auch entsprechend früh wach waren, hat uns nichts mehr im Schlafsack gehalten und wir sind zeitig in Richtung Lake Tekapo aufgebrochen. Das einzig Gute am frühen Aufstehen war

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Morgenstimmung am Lake Pearson

der Anblick vom See, über den sich noch der morgendliche Nebel zog. Das hatte wieder mal was. Die Fahrt zum Lake Tekapo kann man als eher unspektakulär bezeichnen. Es geht kilometerlang geradeaus, einzig die Berge rechts der Straße bringen ein wenig Abwechslung ins Bild. Der Spritverbrauch unserer Mopeds hat auf dieser Strecke einen neuen Rekord nach unten erreicht. Mit 5,3 ltr/100 km ist das echt wenig. KTM Kenner wissen, was ich damit meine. (Für BMW Fahrer ist das eher uninteressant, weil normal) 😉 Vom Lake Tekapo aus starten die ersten Helikopter zum Mt. Cook, dem höchsten Berg Neuseelands. Da sich dieser bei unserer letzten Reise ständig in Wolken

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hier kann man fahren, wo man will 🙂

gehüllt hat und ein Flug damit sinnlos war, wollten wir diesmal die Gelegenheit erneut nutzen. Der Wetterbericht sah auch gar nicht so schlecht aus und so haben wir gleich nach unserer Ankunft einen Flug für den nächsten Tag reserviert. Aber erstens kommt es anders…. Die Wolkendecke ließ uns zwar guter Hoffnung zum Heli Büro fahren, aber dort sagte man uns, daß um den Mt. Cook zu starker Wind ist und alle Flüge abgesagt sind. Auch ein zweiter Versuch am Nachmittag brachte keine Wetterbesserung. Tja, wenn der Mt. Cook unsere Kohle nicht will, dann kann er uns eben

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Blick vom Mt. John auf den Lake Tekapo

mal! Aber lieber so, als irgendein wagemutiger Pilot, der die Lage falsch einschätzt. Vor ein paar Wochen ist hier erst ein Heli abgestürzt mit mehreren Toten. So haben wir denn die naheliegenden Sehenswürdigkeiten mit dem Motorrad erkundet und uns mit hunderten Chinesen die Gegend geteilt. Dies sollte uns aber erst bei unserem nächsten Ziel, Queenstown, so richtig zum Verhängnis werden. Während der letzten Tage ist uns schon aufgefallen, daß an allen Hotels, B&B und sonstigen Unterkünften die Schilder „no vacancy“ (keine freien Zimmer) draußen hingen. Da wir immer nur einen Zeltplatz gesucht haben, hat uns das aber nicht so interessiert. Hier in

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auf dem Weg nach Queenstown

Queenstown hat uns das schlechte Wetter aber nun doch mal eingeholt, so daß wir eigentlich vorhatten, ein Zimmer oder eine feste Unterkunft auf einem Zeltplatz zu nehmen. Tja, soweit der Plan. Aber alle Versuche, ein festes Dach über dem Kopf zu buchen, schlugen fehl. Überall sagte man uns nur „Sorry, we´re fully booked“. Auf unser Nachfragen, was denn los sei, erfuhren wir, daß gerade das chinesische Neujahrsfest gefeiert wird und dementsprechend viel los sei. Jetzt wurde uns einiges klar. Zumindest im

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Adrenalinjunkies in Queenstown

Moment ist Neuseeland fest in chinesischer Hand. Damit wurde unser Urteil über die chinesischen Touristen nicht gerade besser. Dazu muß man sagen, was wir in den letzten Tagen und Wochen auf den Zeltplätzen, speziell in den Sanitäreinrichtungen, so alles gesehen haben, läßt einen schon manchmal daran zweifeln, ob manche Chinesen schon im 21. Jahrhundert angekommen sind…. bis auf grinsende Selfies schießen anscheinend nicht. Aber auch in Neuseeland gilt, wie überall auf der Welt, Hauptsache Kohle machen und abkassieren. So, nachdem ich mir jetzt ein bißchen Frust von der Seele geschrieben habe, geht es mir etwas

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Hinweisschilder auf den Campgrounds… für wen wohl?

besser und ich hoffe mal, daß unser Zelt dem gerade einsetzenden Dauerregen standhält und wir morgen weiter Richtung Te Anau aufbrechen können. Unser Freund Bernt ist gerade auf dem Weg in die Stadt um ein neues Zelt aufzutreiben. Seins hat vor den Wassermassen schon kapituliert. Der nächste Bericht also aus Te Anau.

 

19.02.16 Queenstown – Dunedin

 

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da war noch alles gut in Queenstown

Die Nacht in Queenstown war regentechnisch schon eine Herausforderung. Bis spät in die Nacht hat es ohne Unterbrechung geregnet. Bernt hat in der Stadt noch ein neues Zelt aufgetrieben, ohne das wäre er sicherlich total abgesoffen. Das einzig Gute an dem Regen war, daß man bei dem Prasseln auf die Zeltwand den Verkehr von der Straße nicht so

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da kann er wieder lachen. Senge mit neuem Zelt

wahrgenommen hat. Diese verlief nämlich ca. 5 m hinter unserem Zelt, nur durch eine Bretterwand abgetrennt. Jeder Lkw, der hier vorbeifuhr, kam uns so vor, als würde er mitten durch unser Zelt rauschen. Aber am nächsten Morgen sah die Welt schon wieder freundlicher aus, wenn auch nur für ein paar Stunden. Die Wettervorhersage sagte bis 10 Uhr Sonnenschein voraus, danach sollte es wieder richtig losgehen. Auch für unser geplantes Ziel, Te Anau, waren die Aussichten mehr als mäßig. Also haben wir mal wieder den Plan geändert. In Dunedin soll die Sonne scheinen, jedenfalls mehr als irgendwo anders im Süden. Also schnell das sacknasse Zelt eingepackt, aufgesattelt und ab auf die Straße. Etwas Schreckliches ist diesen Morgen dann doch noch

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ups, wie bin ich denn da hingekommen?

passiert. Kaum, daß wir unterwegs waren und gemütlich mit 100 Sachen auf einem schnurgeraden Stück fuhren, wurde ich plötzlich von einer Harley überholt. Und dann gleich von einer Zweiten. Ich war wie gelähmt und konnte vor Schreck meine rechte Hand gar nicht mehr drehen. Sowas war mir noch nie passiert! 😉 Die Krönung war, als dann auch noch eine BMW an mir vorbeizog. Na gut, nun war es passiert und wir waren ja schließlich im Urlaub und nicht auf der Flucht. Kurz nachdem wir die nächste Ortschaft passiert hatten, waren die selben Bikes wieder in meinem Rückspiegel zu sehen. Tja meine Herren, mit Euren Navigationskünsten scheint es wohl nicht weit her zu sein,

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am Tunnel Beach

habe ich mir gedacht. Inzwischen war die Strecke auch wieder etwas kurvenreicher und noch einmal passiert mir sowas bestimmt nicht. Auch mit unserer schweren Beladung hatten wir genug Dampf im Kessel und das bessere Fahrwerk, um einen erneuten Überholversuch der Freunde aus Milwaukee und München erfolgreich abzuwehren. J Die 300 km bis Dunedin haben wir dann auch bei bestem Wetter abspulen können. Ein Hoch auf die Wettervorhersage! In Dunedin haben wir wieder denselben Campground, wie damals aufgesucht. Manchmal helfen einem die Reiseaufzeichnungen von früher schnell weiter.

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mal gucken wie tief das ist 😉

So brauchen wir jetzt nicht lange suchen und wissen meistens gleich, was uns erwartet. Beim Plausch an der Rezeption erfuhren wir auch, daß dieses Wochenende wieder ein Dudelsack Event stattfindet. Super, da hat uns das Wetter ja genau zum richtigen Zeitpunkt hier her getrieben. Genau wie 2012 sind aus dem ganzen Land zig Dudelsackspieler mit ihren Bands nach Dunedin gekommen, um hier ihre Kunst darzubieten. An allen Ecken im Stadtzentrum ertönen die ollen Quetschsäcke. Das kommt wirklich gut. Am Tag zuvor haben wir noch etwas Sightseeing gemacht und haben uns neben der Albatroskolonie, an der vereinzelte Viecher nur gegen

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da dudeln die Säcke

teuer Geld zu sehen sind, noch den Tunnel Beach angesehen. Dort ist, wie der Name schon sagt, ein Tunnel durch den Sandstein geschlagen, um an den Strand zu kommen. Nebenbei sind noch einige schöne Felsformationen zu sehen, damit war der Tag dann auch schon wieder rum. Hier in Dunedin war das Wetter zwar insgesamt deutlich besser, aber die

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voller Einsatz am Sack! 😉

Temperaturen kommen nur noch bei vollem Sonnenschein deutlich über die 20 Grad Marke. Man merkt langsam, daß wir dem Südpol immer näher kommen. 😉 Unsere südlichste Station erreichen wir auf unserer nächsten Etappe. Neuigkeiten dann aus Invercargill.

 

 

22.02.16 Dunedin – Invercargill

Nun ist es geschafft. Der Point of return, Invercargill, ist erreicht. Wir haben Neuseeland vom nördlichsten bis zum südlichsten Zipfel durchquert, dabei in den letzten sieben

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hier pfeift der Fuchs 😉

Wochen gut 7.000 km zurückgelegt und bis jetzt alles ohne größere Probleme und bei vorwiegend gutem Wetter erreicht. Von nun an geht es langsam aber sicher zurück nach Auckland, wo in gut vier Wochen unser Flieger in die Heimat geht. Mehr als genug Zeit also, um die eine oder andere Sehenswürdigkeit noch zu erreichen. Damit jeder von uns ganz individuell entscheiden kann, was ihm wichtig ist, fahren wir den Weg zurück von nun an getrennt. Gina und ich kennen ja schon einige Ecken, für Bernt hingegen ist vieles noch neu. Die

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weiter südlich geht´s auf dem Festland nicht

Entscheidung, wo es langgeht, wird im Moment wieder mal mehr vom Wetter, als von den persönlichen Wünschen getroffen. Schon auf unserem Weg nach Invercargill wurden die Temperaturen immer weniger, der Wind dafür umso stärker. Blauer und pechschwarzer Himmel wechseln sich im Moment gerade im Minutentakt ab. Bei der Ankunft am Slope Point, dem südlichsten Punkt vom Festland Neuseelands, hat es ganz ordentlich geweht. Da mußten wir schon aufpassen, wie wir die Motorräder parken, damit sie nicht vom Wind umgeworfen werden. Auch das Fahren wurde hier im äußersten Süden etwas spannender. Alle paar Meter kamen ordentliche Windböen, die unsere volle Aufmerksamkeit erforderten. Zwar kein Vergleich mit Südamerika, aber trotzdem ganz

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auch Germany ist down under vertreten

ordentlich. Bei diesen Voraussetzungen haben wir uns diesmal lieber gleich nach einer festen Unterkunft umgesehen, anstatt die Zelte aufzubauen. Beim dritten Anlauf hat es dann auch geklappt und für schlappe 130 NZ$ die Nacht haben wir ein kleines Apartment finden können. Zum Glück ist diese Gegend bei vielen Touristen anscheinend nicht mehr ganz so gefragt, wie beispielsweise Queenstown. Da gab es nicht mal für viel Geld ein freies Zimmer. Neben dem obligatorischen Besuch des Örtchens Bluff, das ist der Ort, wo man bequem mit dem Auto zum südlichsten Punkt fahren kann, haben wir uns noch ein Oldtimermuseum hier

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diesmal mit zwei Mopeds in Bluff

in Invercargill angesehen. Hier in Neuseeland stehen diese Oldies aber nicht nur in Museen rum, es fahren auch reichlich davon im öffentlichen Straßenverkehr rum. Und alle in einem top Zustand. Wie wir unseren Weg zurück einschlagen werden, wissen wir im Moment noch nicht so richtig. Aber im nächsten Bericht werdet ihr es sicherlich erfahren.

 

25.02.16 Invercargill – Old Dunstan Road –Ranfurly –  Hampden

Während es Bernt nach Nordwesten zum Milfordsound weiterzog, haben wir den Weg in Richtung Osten gewählt. Dort, so sagte die Wettervorhersage, sollte der in den nächsten

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Anfahrt über die Waipori Road

Tagen angekündigte Regen nicht ganz so stark werden, wie im Westen. Also geschaut, wie man am besten dort hin kommt und dabei die Old Dunstan Road entdeckt. Na, das paßt ja prima! Die war durch das ständige hin und her im Routenverlauf schon fast ad Acta gelegt. Als Einstimmung auf diese etwas deftigere Gravelroad haben wir noch die Waipori Road vorgeschoben. Eine Schotterstrecke zum warm machen, quasi.  😉 Eigentlich hatten wir vor, uns auf der Old Dunstan irgendwo ein Plätzchen im Nirgendwo zu suchen und dort unser

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unterwegs auf der Old Dunstan Road

Zelt aufzuschlagen. Dazu hatten wir extra noch unseren Wassersack unterwegs gefüllt und nochmal 5 kg extra oben drauf gepackt. Also alles, was man zum offroad fahren unbedingt braucht. 🙂 Aber so richtig hat es dann unterwegs doch nicht gepaßt. Und so sind wir in dem verschlafenen Nest Ranfurly hängen geblieben. Das hatte zumindest eine Tankstelle und einen kleinen, aber äußerst ruhigen Campingplatz. Also nicht lange überlegt, die Ostküste ist morgen auch noch da. Die 300 km, von denen heute ca. die Hälfte offroad waren, reichen erst mal. Am nächsten Morgen ging es dann nur noch 100

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„Romantik Cabin“ in Hampden

km weiter bis Hampden. Dieser kleine Ort ist nur so bekannt, weil hier die “Moeraki Boulders” am Strand rumliegen. Das sind 1-3 m große Steine, die ziemlich rund sind und dadurch die Aufmerksamkeit der Touristen aus aller Welt auf sich ziehen. In der Nähe gibt es auch noch eine Robben- und Pinguinkolonie. Also schnell abgesattelt und alles noch angeschaut, solange die Sonne noch scheint. Gina hatte wieder mal den richtigen Riecher und hat mich am Campingplatz “überzeugt” eine Cabin zu nehmen. Der Platzwart hat uns dieses Domizil noch als

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die Moreaki Boulders

“Romantik Cabin” verkauft, weil sie so schön klein war. Daß das trotzdem die richtige Entscheidung war, sollte sich erst am nächsten Tag zeigen. Alles grau in grau und am Nachmittag fing es auch noch etwas an zu regnen. Also, alles richtig gemacht! So stand heute neben Faulenzen und Strandspaziergang nicht viel auf unserer “to do Liste”. Unserem Freund Bernt erging es in der Zwischenzeit nicht ganz so toll. Nicht nur, daß das angekündigte schlechte Wetter einsetzte, nein, sein Moped ärgerte ihn auch mal wieder. Ein Kabel zum Zündschloß hatte sich durchgescheuert und sorgte somit für Verdruß. Ein

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Pinguine an der Ostküste

bekanntes Problem an der 990er Adventure, welches wir bei unserer Asienreise 2011 auch schon erleben durften. Aber wie wir erfahren haben, hat Bernt jemanden gefunden, der sich der Sache vertrauensvoll angenommen hat, und er nun somit wieder on the road ist.

 

 

27.02.16 Hampden – Dansey Pass – Old Dunstan Road (Teil 2) – Wanaka

Die Wetteraussichten waren für die Westküste jetzt einigermaßen passabel, also los, auf

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Einstieg auf die „Old Dunstan Road“

Richtung Westen. Solange unser Hinterreifen noch den Anschein eines Profils hat, natürlich möglichst offroad. J Dazu haben wir uns erstmal den Dansey Pass rausgesucht. In irgendeinem Internetkommentar stand zwar was von steil und kurvig, naja, meistens werden diese Berichte von irgendwelchen Campervan Fahrern geschrieben, die höchstens mal einen Feldweg gefahren sind. Also kein Problem für unsere Adventure, selbst mit abgefahrenem Reifen. Das Einzige, was uns heute richtig auf den Sack ging, war der ständige Wind. Den ganzen Tag bließ es immer wieder kräftig. Das braucht man beim offroad Fahren nicht auch noch. Dazu muß man sagen, diese Gravelroads liegen oft völlig ungeschützt im „Hochland“. Wenn es da also bläßt, dann richtig. Aber da wir wieder mal den Hals nicht voll genug kriegen konnten,

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unterwegs auf dem Dunstan Trail

sind wir nach einer kleinen Rast in Ranfurly (ja, da sind wir auf der Herfahrt schon mal durchgekommen) gleich noch mal auf die Old Dunstan Road. Da hatten wir ja neulich nach der Hälfte abgedreht. Der zweite Teil sollte dann auch umso heftiger werden. Tiefe Auswaschungen, Absätze und Felsen in der Fahrbahn und… natürlich Wind! Alles, was unter normalen Umständen das Herz jedes Endurofahrers höher schlagen läßt. Wir, mit unserem „Raumschiff“, waren davon zwar nicht ganz so begeistert, aber die tolle Landschaft hat uns reichlich dafür entschädigt! Gina konnte sogar nebenbei noch ihr Fitnessprogramm absolvieren. Die Dunstan Road war

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am Poolboom Reservoir

insgesamt mit 14 Gates versehen. Davon waren zwar nur sieben geschlossen, aber bei jedem hieß es absteigen, Gate auf, durchfahren, Gate wieder zu und wieder aufsteigen. Besonders letzteres kostet Gina reichlich Kraft, muß sie sich doch jedes Mal über die ganzen Gepäckrollen schwingen. Meistens steige ich schon ab, so daß Gina zuerst aufsteigen und dann nach hinten rutschen kann. Wer uns mal bei dieser Aktion zuguckt, wird wahrscheinlich einen Lachkrampf kriegen. Auch wir blieben auf unserer heutigen Etappe nicht ganz von Defekten verschont. Als auf einmal unser Navi stärker hin- und herschwankte als üblich, ahnte ich schon nichts Gutes. Ein Blick unter die Verkleidung brachte dann Gewißheit, die Halterung war gebrochen. Wieder mal! Das gleiche Problem ist bei einer früheren Reise schon mal aufgetreten. Ich glaube, hier muß die Fa. Touratech mal nachbessern. Aber mit

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Notreparatur am Dansey Paß

Hilfe von ein paar Kabelbindern und der weltbesten Sozia war das Problem erst mal provisorisch behoben, so daß es weitergehen konnte. Als wir in Wanaka ankamen, zog sich der Himmel langsam immer mehr zu. Jetzt wurde es wirklich Zeit, daß wir unser Zelt aufschlugen und ein „Dach“ über den Kopf bekamen. Als wir gerade fertig waren, ging es auch schon los. Der Himmel öffnete für ein paar Stunden seine Schleusen und mit Blitz und Donner garniert goss es ordentlich. Das war mal wieder eine

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am Lake Wanaka

Punktlandung in Sachen timing! Ansonsten ist Wanaka ein ähnlicher Ort wie Queenstown. Alles auf Touristen ausgelegt. Berge und Wasser in grandioser Kombination. Also die besten Voraussetzungen, um dem Touri die Kohle aus der Tasche zu ziehen. Das haben wir gleich beim Tanken gemerkt. Da war der Sprit gleich mal 10 Prozent teurer, als sonst im Land. Aber das es immer noch teurer geht, erzählen wir im nächsten Bericht von der Westküste.

01.03.16 Wanaka – Franz Josef – Hanmer Springs

Diesmal sollte die Westcoast also bei Sonnenschein gefahren werden. So war jedenfalls der Plan. Als wir morgens in Wanaka unsere Klamotten einpackten, mußten wir schon richtig

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auf dem Weg zur Westküste. noch alles gut!

Gas geben, damit uns der Planet nicht zu sehr ins Schwitzen brachte. Kurz nach neun schon 21 Grad, da kann ja nichts mehr schiefgehen. Beim ersten Zwischenstop keine 70 Kilometer später, sah es allerdings schon anders aus. Wir waren kurz vor dem Haast Paß, als der Himmel im Westen immer dunkler wurde und das Thermometer innerhalb von Minuten auf 12 Grad fiel. Das kann doch nicht wahr sein! Aber erst mal nur etwas wärmere Klamotten anziehen, die Crosshandschuhe gegen die gefütterten tauschen, das wird schon reichen. Denkste! In Haast angekommen hatten wir inzwischen die ersten

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kurze Zeit später. man beachte das Thermometer!

Regenschauer eingesteckt und es sah noch nicht nach Besserung aus. Also doch das „schwere Geschütz“ auffahren und die Regenklamotten vorgeholt. Nicht die schlechteste Entscheidung, wie sich auf den nächsten 60 Kilometern rausstellte. Nicht der stärkste Regen, aber immer wieder ein Schauer und dazu Temperaturen, die einen eher an Winter denn Sommer denken lassen. Auf dem Weg nach Franz Josef kommt noch ein kurzer Abschnitt, der direkt an der Küste entlangführt. Dort hatten wir uns damals, wie viele hundert andere Touris auch, auf einem Stein verewigt. Den haben wir zwar nicht mehr wiedergefunden, aber es gibt ja genug davon an der Küste. Vielleicht lag es an dem Stein, aber plötzlich kam die Sonne wieder durch, die Temperaturen stiegen und auf

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an der we(s)t coast

einmal war wieder Sommer. So schnell geht das hier an der Westcoast. Ganz so, als wollte sie uns sagen: „Ihr könnt noch so viel auf eure Wettervorhersage schauen, ich bin immer für `ne Überraschung gut!“ Da wir uns den Fox Gletscher schon bei unserer letzten Reise angesehen hatten, entschieden wir uns, in Franz Josef zu übernachten und dort am nächsten Tag einen Ausflug zum gleichnamigen Gletscher zu machen. Welcher von Beiden schöner ist, können wir nicht sagen. Wenn man schon vor dem Perito Moreno Gletscher gestanden hat, ist in dieser Beziehung sowieso schwer was zu toppen. Klingt vielleicht etwas abgedroschen, ist aber so. Ein bißchen schmutziges Eis wird hier enorm

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das Franz Josef „Gletscherchen“

vermarktet und dementsprechend sind die Preise auch entlang der Küste. Hatte ich mich in Wanaka schon über die hohen Spritpreise geärgert, hier wurden gleich nochmal ein paar Prozent draufgehauen. So waren dann für den Liter Super gleich mal 2,10 NZ$ fällig, anstatt 1,80 NZ$, wie sonst durchschnittlich. Na ja, was soll´s, zum Glück verbrauchen wir bei unserer gemäßigten Fahrweise nicht so viel, wie sonst. 😉 Auf meine Frage an den Campingplatz Angestellten, ob es denn vielleicht einen kostenlosen Shuttleservice in die Stadt gäbe, lächelte dieser nur und sagte „…an der Westcoast ist nichts umsonst!“ Also gut, Gletscher gesehen, Flug zum Mt. Cook sah wettermäßig wieder nicht so optimal aus. Weiter geht´s Richtung Norden. In der Hoffnung, daß der Sommer dort noch ein paar Tage

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entlang der Westcoast

länger ausharrt. Die Temperaturen sinken nachts inzwischen bis tief in den einstelligen Bereich ab. Da ist das Zelt morgens pitschenaß, obwohl es nicht geregnet hat. Aus diesem Grund haben wir uns in Hanmer Springs, unserer nächsten Station in Richtung Norden, auch gleich mal wieder eine Cabin gegönnt. Keine schlechte Entscheidung, denn in der Nacht sollte es bis auf drei Grad runtergehen. Selbst in unserer Hütte standen am nächsten Morgen nur 13 Grad auf dem Thermometer. Bloß gut, daß die Cabins mit einem Heizlüfter ausgestattet sind… Ob wir den Sommer auf unserem Weg nach Auckland noch einholen, erfahrt ihr beim nächsten mal.

 

04.03.16 Hanmer Springs – Motueka

Die Wolken hingen am Morgen in Hanmer verdammt tief und das Thermometer schrie

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auf dem Weg nach Motueka

auch nicht gerade hurra. So haben wir uns gegen die geplante Route auf der Rainbow Road entschieden und sind auf Asphalt Richtung Norden aufgebrochen. Gegen Mittag feuerte der Planet zwar schon wieder aus allen Rohren, aber das konnte ja keiner wissen. Aber soooo toll war die Rainbow Road nun auch wieder nicht, das haben uns unsere Aufzeichnungen aus 2012 verraten, und einen Teil davon bin ich ja schon bei unserem ersten Aufenthalt in Hanmer gefahren. Auch auf Asphalt waren die 300 km bis Motueka ganz nett und die Landschaft wechselte sich ständig ab. Diesen Teil der Südinsel kannten wir bislang noch nicht, damals hatte uns das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung

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am Cape Farewell

gemacht. Aber im Moment schien alles gut. Die Temperaturen waren tagsüber sehr angenehm, was uns auch gleich dazu verleitete, wieder unser Zelt aufzuschlagen. Die Quittung dafür bekamen wir in der Nacht. Kaum war die Sonne verschwunden, ging´s mit den Temperaturen wieder drastisch bergab. Am nächsten Tag haben wir dem Kap Farewell einen Besuch abgestattet. Nochmal 100 km weiter nördlich, weiter geht´s auf der Südinsel Neuseelands nicht

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der nördlichste Punkt der Südinsel

nach oben. Die ersten Kilometer über den Takaka Hill waren dabei kurventechnisch der Hammer. So wurden unsere Reifen auch endlich mal wieder etwas an den Flanken abgefahren. 😉 Die Gegend um das Kap ist landschaftlich sehr schön. Von unserem Ausflugspunkt, dem Leuchtturm, hatten wir dabei einen super Rundumblick über die ganze Gegend. Damit wir uns von der vielen Fahrerei auch mal ein bisschen erholen konnten, ging´s noch zum „Split Apple Rock“. Das ist ein kleiner Strand, an dem ein Felsen rumliegt, der aussieht, als hätte ihn der Blitz getroffen. Ganz nett anzuschaun, aber vor allem recht ruhig. Die meisten Touristen

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am Split Apple Rock

lassen sich hier per Ausflugsdampfer vorbeischippern. Das müßte uns einfallen, mit 100 anderen Touris, wie die Sardinen in der Büchse, für teuer Dollar. Dann doch lieber mit dem Moped die 20 km zum Beach fahren und dort die Badeklamotten aus den Seitenkoffern vor holen. Damit schließen wir den Besuch der Südinsel auch schon wieder ab. Morgen geht es auf die Fähre und damit an die letzten ca. 2.000 km unserer Reise bis Auckland. Soviel schon mal vorab, den Sommer haben wir dort

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Urlaub vom Urlaub 😉

tatsächlich wiedergefunden.

 

 

 

08.03.16 Motueka – Martinborough – Napier

Schon auf dem Weg von Motuaka nach Picton kündigte sich das gute Wetter wieder an. Vor ein paar Tagen in Hanmer noch deutlich unter zwanzig Grad, so

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Blick auf den Hafen von Picton

zeigte das Quecksilber heute schon wieder eine drei ganz vorn. So konnten wir den kurvigen Queen Charlotte Drive bei besten Bedingungen unter die Räder nehmen, bevor es auf die Fähre Richtung Wellington ging. Die Überfahrt war auch deutlich entspannter, als noch vor vier Wochen. Man merkt doch, daß die Ferien in Neuseeland und das chinesische Neujahrsfest vorbei sind. Es ist viel weniger los mit Touristen und Ping Pong´s sieht man kaum noch. Etwas

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„ich hab´n guten Zahnarzt!“

überrascht waren wir, als sich die Bugklappe der Fähre vor uns öffnete. Eben noch bei blauem Himmel in Picton eingestiegen, auf einmal in Wellington total bewölkt, als wolle gleich die Welt untergehen. Aber auf unserer weiteren Fahrt bis Martinborough hat die Farbe dann wieder in tief blau gewechselt, so sollte es auch die nächsten Tage bleiben. Hier sind wir vor vier Jahren noch im Tiefflug durchgerauscht, da es jeden Tag aus Kübeln gegossen hat. Dieses Jahr sind wir dann gleich mal bei über 30 Grad zum Kap Palliser, dem südlichsten Punkt der Nordinsel,

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bei 32° in Motorradklamotten 😦

aufgebrochen. Hier gibt es neben einem besonders schönen Leuchtturm (zu dem man verfluchte 249 Stufen heraufsteigen muß!) auch eine Seehundkolonie, die wohl bloß noch an acht weiteren Stellen auf der Erde vorkommen. Wikipedia hat mir zwar nicht verraten, um welche Art es sich dabei handelt, ist aber auch egal, denn so dicht sind wir selten an die Viecher rangekommen. Nebenbei haben wir auch erfahren, daß hier wohl die ersten Schafe in Neuseeland angelandet wurden. Vielleicht finden deshalb auch hier jedes Jahr am ersten Märzwochenende die Meisterschaften im Schafscheren statt. Zum Glück war der Spuk gerade vorbei, als wir nach Martinborough kamen. Auf unserer weiteren Fahrt ging´s auch diesmal über einsame Nebenstraßen weiter Richtung Napier. Einsam deshalb, weil uns auf einer Strecke von von ca. 200 Kilometern gerade mal eine Hand voll Autos entgegengekommen ist. Landschaftlich einfach toll zu fahren, aber wer hier wohnt, braucht entweder gutes Internet oder einen Heli, um mit der Außenwelt

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einsame Straße auf dem Weg nach Napier

in Kontakt zu bleiben. 😉 Den geplanten Campingplatz, den wir uns nach knapp 300 km für heute ausgesucht hatten, haben wir nur vom Motorrad aus in Augenschein genommen. Soviel zu Bewertungen aus dem Internet. Also noch 50 km draufgelegt und weiter bis Napier. Da haben wir dann den bislang teuersten Platz unserer Reise gefunden, dafür war aber auch alles da, was man sich wünscht. Sogar unbegrenztes WIFI mit guter Geschwindigkeit. Hier in Napier habe ich dann auch noch einen Versuch unternommen, einen neuen Hinterreifen aufzutreiben. Nach ziemlich

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den Nebenjob als Cowboy/-girl haben wir nicht bezahlt bekommen 😉

genau 10.000 km hat der jetzige doch so ziemlich das Zeitliche gesegnet. Nach ein paar Telefonaten kam dann heute Morgen auch eine positive SMS vom Händler. Er kann bis morgen was Brauchbares für mich auftreiben. Und da bei uns Sicherheit eigentlich immer einen recht großen Stellenwert hat, werde ich für die letzten knapp 2.000 km noch was Neues aufziehen lassen. Auch wenn es nicht der Wunschreifen ist. Aber so kommt man mal dazu, was Neues auszuprobieren. Hier in Neuseeland gibt´s die Reifen für Mopeds übrigens nicht beim Reifenhändler, sondern nur beim Motorradhändler.

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am Ende

Und wie so oft, war es mal wieder eine kleine Butze, die sich engagiert hat, um was aufzutreiben. Das hatten wir ja auch schon mal in Südamerika…

 

 

 

 

 

11.03.16 Napier – Lake Waikaremoana – Ohope Beach

Wir waren noch beim Frühstück, da klingelte schon das Telefon und der

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beim Reifenfuzzi

Reifenfuzzi meldete, daß der bestellte Reifen da sei. Na, da hat die Expresslieferung ja funktioniert. Eine halbe Stunde später stand ich vor der Werkstatt und nach weiteren fünf Minuten hatte ich mein Hinterrad ausgebaut und der Mech konnte anfangen, den Reifen umzuziehen. Obwohl ein Reifenaufziehgerät vorhanden war, hat er fast alles von Hand gemacht. Wenn man weiß, wie es geht, kein Problem. Nach einer halben Stunde stand ich schon wieder auf dem Campingplatz. Gina dachte erst, irgendwas wäre schief

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guten Appetit

gelaufen, weil ich so schnell zurück war. Wie gut die Entscheidung war, einen neuen Reifen aufzuziehen, sollte sich zwei Tage später rausstellen. Aber erstmal blieben wir noch einen Tag länger in Napier. Heute war es nicht ganz so heiß und so konnte man die Stadt etwas zu Fuß erkunden. Wir haben uns erst das Napier Aquarium und anschließend das älteste Gefängnis Neuseelands angesehen. Zu letzterem muß man sagen, daß wir dabei das Gefühl hatten, irgendwo in Sibirien oder China zu sein. Wenn man gesehen hat, unter welchen Bedingungen die Knastis dort bis 1993 eingebuchtet waren… Mein lieber Scholli! Das hätten wir nicht in Neuseeland vermutet. Am nächsten Tag ging es weiter zum Lake Waikaremoana. Dabei konnte unser neuer Reifen gleich mal zeigen, was er so auf Schotterpisten drauf hat. Hätte ich mir

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gehe nicht über Los…

die Karte vorher etwas genauer angeschaut, hätte ich auch gewußt, daß uns auf dieser Strecke heute ca. 40 km und am nächsten Tag nochmal 60 km Schotter erwarten würden. Aber alles kein Problem, das Wetter war super und der neue Mitas Hinterreifen hat sich mit dem Heidenau Vorderreifen gut vertragen. Daß wir am Lake dann eine Cabin statt einem Zeltplatz genommen haben, war wohl eher Zufall. Aber, wie sich zeigen sollte, war es mal wieder genau die richtige

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am Lake W.

Entscheidung. Der Wind frischte am Nachmittag so stark auf, daß es im Zelt wirklich keine Freude gewesen wäre. Als dieser dann nachts irgendwann nachließ, ging das Ganze in Regen über, der auch am Morgen nicht richtig aufhören wollte. Spätestens jetzt war ich heilfroh, auf vernünftigem Profil zu fahren. Die Gravelroad ging stellenweise in Lehmpiste über, die wunderbar schmierig war. Das auf meinem alten Slick, na super! Also wieder mal alles richtig gemacht. Zum Glück wurde das Wetter nach ca. 40 Kilometern

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ein bißchen Wandern am See

besser und die Gravelroad trocknete ab. So war unser weiterer Weg zum Ohope Beach eine schöne Kurvenstrecke durch eine menschenleere Gegend. Ach ja, wenn man denkt, daß die Spritpreise in Franz Josef schon hoch waren, dann wurden wir am Lake Waikaremoana eines Besseren belehrt. Dort wurden doch knapp 3$ (1,80€) für den Liter Super aufgerufen. Bloß gut, daß ich diese Zapfsäule gar nicht in meine Route eingeplant hatte. Aber das sollte man in Neuseeland auf jeden Fall tun. Denn seit Napier, wo wir

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so kann´s auch aussehen 😦

das letzte mal getankt hatten, war seit 270 km keine Tanke mehr gewesen. Also, auf jeden Fall immer vorher die Tankstellen auf der Route checken! In Murupara gab´s dann auch wieder Sprit zu üblichen Preisen, so daß unser Bunker wieder aufgefüllt werden konnte. Bis zum Ohope Beach ging´s dann gleich noch ein bißchen auf Schotter weiter, bevor wir uns hier jetzt am Strand davon erholen können. 😉 Dazu wurde gleich mal ein ausgedehnter Spaziergang bis zum Ende der Ohope Halbinsel unternommen.

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ohne Worte 😉

 

14.03.16 Ohope Beach – Te Araroa – Ohope Beach

Nach zwei Tagen am Strand, die wir ausgerechnet auf ein Wochenende gelegt hatten, wollten wir noch eine Runde ums Ostkap fahren. Nachdem wir auf

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auf dem Weg ans Ostkap

unserer Reise alle „Außenpunkte“ der Inseln abgefahren sind, durfte natürlich der östlichste Punkt Neuseelands auch nicht fehlen. Schließlich gibt es fast keinen Punkt auf der Welt, wo man die Sonne eher aufgehen sieht 😉 Also los, Zelt eingepackt und bei gutem Wetter Richtung Gisborne aufgebrochen. Eigentlich hatten wir von der Fahrt über den State Highway 2 nichts Aufregendes erwartet, aber die Straße zog sich, von unzähligen Kurven begleitet, durch ein Tal. Also Landschaft und Fahrspaß pur!

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hier dürfen auch die Pferde an den Strand

Einziger Nachteil daran war, daß um diese Zeit die Sonne noch so tief stand, daß es saukalt in den schattigen Abschnitten dieses Tals war. Sind wir eben noch bei 19 Grad in Ohope gestartet, waren es hier bloß noch lausige 12 Grad. Aber irgendwann ging es wieder bergauf mit den Temperaturen und wir kamen langsam wieder auf „Betriebstemperatur. In Gisborne wurde nochmal eine kurze Rast eingelegt, wie meistens mit lecker Moccachino (das können die Kiwis phantastisch) und irgendwelchen Kuchenleckereien. Auch die Kati wurde nochmal bis zum Kragen vollgemacht. Wußten wir doch noch von unserer letzten Fahrt hier, daß es mit

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da geht´s rauf

der Spritversorgung auf dieser Strecke schon mal eng werden kann. Nach knapp 400 Kilometern hatten wir dann auch endlich das Ostkap erreicht. Inzwischen war es aber später Nachmittag und den Leuchtturm, der ganz am Ende des Kap´s steht, wollten wir uns für den nächsten Morgen aufheben. Jetzt ging es erstmal darum, einen Platz für die Nacht zu finden. Dazu sollte mal wieder ein DOC Campingplatz herhalten, also einer dieser Plätze, auf denen fast nichts, außer grüner Wiese vorhanden ist. Der Platz war auch schnell gefunden,

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800 Stufen zum Leuchtturm

allerdings waren zur Begrüßung schon hunderte von Sandflies angetreten. Diese kleinen lästigen Mistviecher, die so wunderbar ins Fleisch beißen können. Wir haben nicht mal die Helme abgesetzt und waren uns sofort einig, das wird hier nichts. Zum Glück gab es ein paar Kilometer weiter noch einen „normalen“ Campingplatz. Dieser war zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber ansonsten ruhig und sauber. Also genau richtig für uns! 😉 Warum ich am nächsten Morgen trotzdem schon so früh wach war, weiß ich zwar nicht, aber es war kurz vor Sonnenaufgang. Also

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letzte Ruhe mit Sonnenaufgang 🙂

raus aus dem Schlafsack und die paar Meter Richtung Strand gelaufen. Ganz perfekt war die Location zwar nicht, aber trotzdem sehr schön anzuschauen. Ganz nebenbei bin ich dabei noch an einem kleinen Friedhof vorbeigekommen. So gut möchte ich´s später auch mal haben, aus der Kiste noch jeden Morgen die Sonne aufgehen sehen! 😉 Nachdem wir uns beim Frühstück ordentlich gestärkt hatten – wie immer mit Müsli, Joghurt und Kaffee – sollte es zum Leuchtturm gehen. Dieser ist über einen Privatweg zu erreichen, der über 800 Stufen einen

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Blick vom Ostkap

Berg hinaufführt! Jawohl 800!!! Da waren die 250 Stufen am Kap Palliser ja Peanuts gegen. Also schnell die Motorradstiefel gegen Turnschuhe getauscht und los! Nach 20 Minuten waren wir dann auch oben und konnten die herrliche Aussicht genießen. Weiter ostwärts ging´s nun wirklich nicht mehr. Bei E 178°32.9 war Schluß, quasi am Ende der Welt. Nach dem „Abstieg“ vom Berg ging´s auch schon weiter. Wir wollten zwar „bloß“ wieder zurück bis Ohope, aber auch das waren noch gute 200 Kilometer, die erst mal gefahren sein wollten. Als wir dort ankamen, war der Campingplatz wie ausgestorben. Ja, das Wochenende war vorbei, die Kiwis müssen wieder arbeiten, und die roadrunner hatten ihre Ruhe! 😉 So konnte man´s aushalten.

 

20.03.16 Ohope Beach – Taumarunui – Otohoranga – Kawhia – Orewa – Auckland

Den nordwestlichen Teil der Nordinsel hatten wir noch nicht besucht. Also haben wir nochmal schnell die Seiten gewechselt und sind von Ohope Richtung

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ob das klappt? 😉

Taumarunui aufgebrochen. Eigentlich, um von dort langsam an der Westküste Richtung Auckland entlang zu schüsseln. Ein Blick auf die Karte zeigte uns jedoch, daß wir ja wieder ganz in der Nähe des „Forgotten World Highway´s“ waren. Warum also nicht noch einmal eine Runde auf eben diesem drehen und dabei doch noch den Stempel der „Republik Whangamomona“ in den Reisepaß drücken lassen? Diesen hatten wir ja auf der

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Forgotten World

Fahrt nach Süden nicht bekommen können. Damit es nicht ganz so langweilig wird, habe ich mir für den Rückweg von dort noch einen kleinen Umweg über die Damper Falls einfallen lassen. Diese sollen wohl die höchsten der Nordinsel und die zweithöchsten Neuseelands sein. Daß wir dafür nochmal ca. 50 km üble Gravelroad extra unter die Räder bekamen, wußte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Heute ging es auch ohne Koffer, nur mit einer kleinen Gepäckrolle für Werkzeug und Regenkombis, auf den Weg. Daß wir diese auch noch brauchen würden, zumindest was die Regenkombis betrifft, war

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der Damper Fall

allerdings nicht so toll. Kurz vor Whangamomona ging es mit dem Regen los, natürlich auf der Gravelroad, wo sonst. Aber die paar Kilometer haben unsere Klamotten auch so dichtgehalten. Leider hörte es die nächsten zwei Stunden nicht mehr auf, so daß wir irgendwann unsere Regenpellen vorkramen mußten, um den Rückweg nach Taumarunui antreten zu können. Bis zu den Damper Falls ließ der Regen allerdings wieder nach, so daß wir den kurzen Fußmarsch dorthin wieder in „normalen“ Klamotten bewältigen konnten. Die Wasserfälle waren dann zwar ganz nett, aber wie viele andere Dinge hier auch, wird alles ein bißchen mehr aufgebauscht, als es tatsächlich ist. Das Wasser stürzt sich dort zwar 74 m in die Tiefe, aber so richtig beeindruckend war es aufgrund der geringen Menge nicht. Aber jetzt ging der Spaß erst richtig los. Auf der weiteren Strecke gab´s dann nochmal Gravel. Aber diesmal von der üblen Wellblechsorte. Die Kati hat sich manchmal so geschüttelt, daß ich dachte, sie fällt gleich auseinander. Was

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Schultor in NZ… da werden die Kleinen gleich richtig eingenordet!

meine Sozia dazu meinte, schreibe ich hier lieber nicht, das fällt unter die Rubrik „nicht jugendfrei“! 😉 Aber alles ging wieder mal gut, Mensch und Maschine sind wieder wohlbehalten im Motel angekommen. Auf dem weiteren Weg Richtung Auckland sind wir dann noch in Waitomo vorbeigekommen. Dort gibt es die gleichnamigen Glühwürmchen Höhlen zu besichtigen. Dabei handelt es sich übrigens nicht um Glühwürmchen, wie wir sie in Deutschland kennen, sondern um Pilzmückenlarven, die in Fäden von der Höhlendecke hängen. Der Eintritt dazu war zwar – wie immer hier – immens, aber die Höhle war schön anzusehen und die tausenden leuchtenden „Würmer“ hatten schon was Einzigartiges. Obwohl wir schon einige Tropfsteinhöhlen gesehen haben, war sowas bis jetzt noch nicht dabei. Kaum aus der Höhle raus, hieß es wieder mal „Regenkombi vor!“ Anscheinend wollte das neuseeländische Wetter uns zum Schluß nochmal so richtig einen mitgeben. Aber da kennen wir nichts! Gummi drüber und los geht´s! 🙂 Schade nur, daß die kurvige Strecke Richtung Kawhia dadurch etwas vorsichtiger in Angriff genommen werden

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Fahrrad „Entsorgungszaun“ 😉

mußte. Aber auch hier kam irgendwann die Sonne wieder durch und die restliche Strecke war dann umso schöner zu fahren. Von hier aus hieß es eigentlich „ab nach Auckland!“. Den letzten Tag verbrachten wir noch am Orewa Beach. Hier wollten wir nochmal Angelika und John, unsere Standesbeamtin von damals, besuchen. Die beiden haben sich riesig gefreut, daß wir sie nochmal besucht haben. Auch unser Freund Bernt hat den Weg zurück nach Auckland gefunden. Zurück im Backpacker gab es erst mal reichlich zu erzählen, was die letzten vier Wochen jeder noch so erlebt hat. Für die letzten vier Tage bleibt uns nur noch, die Motorräder wieder in die Kisten zu stecken, noch ein bißchen Auckland unsicher zu machen und die restlichen Dollar in Souvenirs zu verwandeln. Damit schließt unser Reiseblog nach 11 Wochen und 12.418 km für dieses mal wieder. Wir hoffen, wir konnten allen Lesern die triste Winterzeit etwas verkürzen! Das war…

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Fazit: Wer unsere Meinung zu Neuseeland wissen will, kann getrost in unserem Bericht aus 2012 nachlesen. Was dort als Fazit steht, gilt auch für diese Reise uneingeschränkt. Sicher sind wir beim zweiten Besuch hier an viele Dinge etwas entspannter herangegangen als bei unserer ersten Reise. Aber die Faszination Neuseeland war trotzdem wieder da. Trotzdem freuen wir uns jetzt wieder auf good old Germany, vor allem wieder auf ordentliches Essen. Da hat die Heimat doch etwas mehr zu bieten… 😉 zum Beispiel ´ne richtig schöne Nudelsuppe! 😉 (Gruß an meine Schwiegermutter!)k-P1060056

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Der Harzer Försterstieg

harzer-foersterstieg-LoIrgendwann kam Anfang letzter Woche mein Kollege Matthias an und meinte: „Am Samstag fahr ich den Harzer Försterstieg, willst Du mitkommen?“ Ja, toll! Äh, wo läuft der eigentlich genau lang? Ich hatte das Hinweisschild, ein kleines grünes Eichenblatt, auf meinen Touren zwar schon x-mal gesehen, aber mehr wußte ich darüber nicht. Also schnell mal gegoogelt. Aha, von Goslar nach Riefensbeek, knapp 60km und 1.561HM, ups! Soviel Höhenmeter bin ich noch nie am Stück gefahren. „Du kannst ja unterwegs dazustoßen!“ hatte Matthias noch gesagt, aber das sind dann ja wieder nur halbe Sachen. Na ja, bis Samstag ist ja noch ein bisschen Zeit – mal sehen, wie das Wetter bis dahin wird.

Start an der Kaiserpfalz in Goslar

Freitag Nachmittag. Die Wetteraussichten sind super, jedenfalls für Mitte November. Trocken, knapp zweistellige Temperaturen und ab und zu soll sogar mal die Sonne durchkommen. Jetzt gilt es also. Aus dem Netz noch schnell einen track auf´s Navi geladen, natürlich ohne diesen genau zu prüfen. Dazu aber später mehr. Von meiner besseren Hälfte habe ich mich dann am Samstag Vormittag nach Goslar bringen lassen. In der Hoffnung, daß Matthias, der natürlich schon von Förste bis dahin mit dem Rad gefahren ist, schon etwas ausgepowert ist. 😉 Aber der war natürlich gerade erst warm gefahren. Knapp 800HM hatte er beim gemeinsamen Start schon auf der Uhr, kein Problem für ihn. Start war an der Kaisepfalz in Goslar. Dort beginnt der Försterstieg also. Das kleine grüne Eichenblatt war auch an jeder Ecke zu sehen – los geht´s!

Ich hatte noch keine zwei Kilometer auf dem Tacho stehen, da kam auch schon der erste deftige Anstieg. Mit 10% Steigung war das schon mal gar nichts für mich. Der „Motor“ noch völlig kalt, da war gleich mal die erste Schiebeetappe angesagt. „Na das kann ja heiter werden!“ habe ich mir da gedacht. Ich hatte am Abend vorher zwar mal einen flüchtigen Blick auf das Höhenprofil des tracks geworfen, danach sollte der steilste Anstieg erst nach ca. 17km kommen. Wenn das gleich zu Anfang so losgeht… Jedenfalls rückte das Ende der Tour für mich schon mal in weite Ferne.

Blick auf den Innerstestausee

einfach genial, die Aussicht!

Km 10, 295HM Nach dem ersten fiesen Anstieg zum Goslarer Steinberg ging es dann aber erst mal wieder kurz bergab – Zeit zu verschnaufen. Okay, schieben wir es darauf, daß ich vorhin noch nicht warm gefahren war 🙂 Inzwischen waren wir am Granestausee vorbeigefahren und wie angekündigt, ließ sich sogar mal kurz die Sonne blicken. Jo, so kann es weitergehen! Die nächsten Kilometer ging es dann etwas entspannter voran, in Gedanken hatte ich aber dieses verfluchte Höhenprofil vor Augen. Das sagte mir, daß nach dem Innerstestausee dieser fiese Anstieg begann. Mit knapp 10% Steigung ging es von da an die nächsten 2,5km den Berg hoch. Prima! Also flux den kleinsten Gang eingelegt und weiter. Erstaunlicherweise ging es besser als gedacht. Vielleicht hat auch dieses geile Panorama etwas Anschub gegeben, das wir bei der Auffahrt hatten. Durch die dicke Nebelsuppe, die über dem See lag, quälte sich langsam aber sicher die Sonne hoch. Quasi so, wie ich mich den Berg hochquälte. Aber die Aussicht von hier oben war warscheinlich die Belohnung für die Mühen. Was mir allerdings etwas zu denken gab, war der Blick auf´s Navi. Dort wurden nur lausige 10-11km/h im Schnitt angezeigt. Ohne Pausen, versteht sich! Wenn das so weitergeht, wird das wohl heute nichts mehr werden, ging es mir ein paar mal durch den Kopf.

km 20, 685HM Nach knapp 20km war also das steilste und schwierigste Stück geschaft – so dachte ich mir zumindest. Also mal eine kurze Pause eingelegt und ein trockenes T-Shirt angezogen. Beim umziehen muß Matthias wohl gedacht haben, es brennt irgendwo – so habe ich gedampft! Allerdings habe ich auf den letzten zwei Kilometern auch gemerkt, daß es kälter geworden ist. Mittlerweile waren wir auch auf 520 müN. Da waren es bestimmt keine zweistelligen Temperaturen mehr. Also noch schnell den Nierengurt angelegt und weiter gings.

der mit dem Wolf tanzt…

Unterwegs waren übrigens immer wieder Holzfiguren zu sehen. Warum dieser Wolf hier so am heulen war, konnte ich mir denken. Der ist bestimmt auch den Försterstieg gelaufen 😉 Von jetzt an ging es wenigstens einigermaßen auf gleichem Höhenniveau weiter. Immer so zwischen 500 und 600 müN kamen wir einigermaßen gut voran (jedenfalls für meine Verhältnisse). Bei km 30 ging es dann noch mal 120HM am Stück hoch. Inzwischen standen 928HM auf dem Navi. Persönlicher Rekord! Allerdings hatten wir ja gerade erst mal die Hälfte der Strecke geschafft. Inzwischen war es schon halb drei und wir waren genau drei Stunden unterwegs. Meine Hochrechnung sagte mir, daß es wohl richtig dunkel werden würde auf den letzten Kilometern. Aber wozu haben wir schließlich Licht dabei? Als wir, immer unserem track auf dem Navi folgend, schließlich am Albertturm ankamen, sagte Matthias: „Ich glaube, wir sind falsch!“ Der Albertturm liegt gar nicht auf dem Försterstieg. Zum Glück hatte Matthias kurz vorher noch ein Schild mit dem Hinweis zum Försterstieg gesehen. Also wieder gut einen Kilometer zurück und auf das grüne Eichenblatt geachtet. Soviel dazu, wenn man sich auf fremde tracks verläßt, die man aus dem Netz runterlädt.

kurzer Boxenstop unterwegs

Nach 40km und 1.129HM waren wir am Taternplatz vorbei und der Gewitterplatz lag kurz vor uns. Jetzt kannte ich mich wieder aus. Hier begannen meine Hausstrecken. Die langsam einsetzende Dämmerung war dadurch nicht mehr so schlimm. Schlimmer war allerdings, daß jetzt für mich die kleinste Steigung zur Qual wurde. Nach ca. 45 Kilometern wurde es echt hart für mich. Matthias fuhr inzwischen „Achten“ um mich, um immer mal wieder zu schauen, ob es noch geht. Aber so kurz vor dem Ziel war an aufgeben nicht zu denken! Nach dem Prinzenteich mußte ich feststellen, daß es auch in meiner Heimatgegend trails gibt, von denen ich bislang nichts wußte. In der Hoffnung, daß es von jetzt an auf guten Schotterwegen bis zum Ende gehen würde, fuhren wir gleich mal einen netten trail an besagtem Teich entlang. Mit eingeschaltetem Licht war es dann aber doch kein Problem. Kurz nachdem wir die B241 überquert hatten, waren 50km und 1.325HM geschafft. Jetzt mußte es doch langsam mal wieder bergab gehen. Aber dazu mußte erst noch das „Mangelhalber Tor“ erreicht werden. Von hier aus ging es dann im „Leerlauf“ in Richtung Sösestausee. Allerdings nicht, ohne vorher noch einen unbekannten trail zu „erkunden“. Ich wußte zwar, wo der Försterstieg hier heraus kommen sollte, aber gelaufen, geschweige denn gefahren, war ich hier noch nie. Aber bei gutem Licht und trockenem Untergrund war auch dieser trail kein Problem. Jetzt nur den „Verlobungsweg“ bis Riefensbeek, dann war der Försterstieg geschafft. Vorher mußte ich aber noch mein Taxi anrufen. Die restlichen 10-15km bis nach Osterode konnten mir heute gestohlen bleiben. Nach ein paar Minuten waren wir in Riefensbeek angekommen. Just in time kam Gina mit dem Auto um die Ecke, um mich einzuladen. Für mich standen am Ende des Försterstieges 61km und 1.469HM auf derUhr. Das reicht für heute!

Von Matthias, der natürlich auch den Rest bis nach Hause gefahren ist, habe ich heute erfahren, daß er am Ende 125km und 2.075HM abgerissen hat. Respekt! Für alle, die mal ähnliches vorhaben, gibt es hier Informationen zum Harzer Försterstieg.

unser track vom Försterstieg

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back to the roots

…back to the roots eigentlich nur deshalb, weil mit Afrika der Fernreisevirus erst richtig bei uns ausgebrochen ist. 2005/6 ging es das erste Mal mit dem Motorrad nach Marokko. Danach folgten 2009 Namibia und Südafrika. Und weil es uns damals so gut gefallen hat, wiederholen wir das dieses Jahr gleich noch mal. Allerdings dieses mal auf 4 Rädern, genauer gesagt in einem Toyota Hilux 4*4. Das hat gleich mehrere Gründe. Erstens hoffen wir damit die „Nordroute“, die wir damals in Namibia einschlagen wollten, endlich zu Ende fahren zu können. Mit dem Motorrad war das im Januar – wo nun mal Regenzeit dort unten ist – leider nicht möglich. Mit dem 4*4 erhoffen wir uns diesbezüglich doch ein paar Vorteile. Zweitens haben wir noch gut in Erinnerung, wie anstrengend es bei knapp 40 Grad mit dem bike sein kann. Das ist nicht immer so cool, wie es manchmal auf den Bildern aussieht. Und jünger sind wir seit dem ja auch nicht geworden 😉 Das soll nun aber nicht heißen, daß wir jetzt nur noch mit dem Auto unterwegs sein wollen. Es ist einfach mal ein Versuch… Alles kann, nichts muß! Geplant ist jedenfalls die große Runde mit Start in Namibia über Sambia, Botsuana nach Südafrika. Die Route steht in groben Zügen, auch da sind Abweichungen jederzeit möglich, vielleicht auch erforderlich. Los geht es, wie meistens bei uns, zum Jahresbeginn. Mit dem Flug nach Windhoek startet am 02.01. unser 4*4 trip. Wer uns dabei begleiten möchte, kann unter der bekannten Adresse wieder mitlesen…

03.01.14 Windhoek

Die Anreise war wieder mal das Nervigste. Obwohl wir mit 10 Stunden Direktflug eigentlich nicht meckern können – da kennen wir wesentlich schlimmere Strecken. Der Flieger war superpünktlich – eine halbe Stunde vor der planmäßigen Ankunft hat der Airbus 330 in Windhoek aufgesetzt. Aber wie immer, wenn man „Holzklasse“ gebucht hat, tut einem am nächsten Morgen alles mörderisch weh und man muß sich erst mal neu sortieren. Der Autovermieter war auch pünktlich zur Stelle, jetzt muß nur noch der Wagen passen, dann kann`s losgehen. Der Toyota Hilux ist auch im wesentlichen, wie beschrieben, allerdings darf man von einem Fahrzeug, das knapp 200.000 km auf der Uhr hat und ständig über Gravelroads gejagt wird, auch keinen Schönheitspreis mehr erwarten. Nachdem der Vermieter die Macken an der Karosserie im Protokoll markiert hatte, war von dem Auto darunter nicht mehr viel zu sehen. Was aber etwas nerviger ist, dass wir den Wagen in einer Woche noch mal tauschen müssen. Irgendein Service im Motormanagement ist nicht mehr rechtzeitig fertig geworden, so dass wir einen anderen Wagen in sieben Tagen gebracht kriegen. Egal wo wir dann auch sind – der Vermieter bringt ein neues Auto vorbei. Lassen wir uns mal überraschen…Ansonsten war es ganz gut, dass wir heute noch hier geblieben sind, denn die Autoübergabe hat gut zwei Stunden gedauert. Danach musste noch Proviant eingesackt werden und bei leckeren 37 Grad im Schatten waren wir am frühen Nachmittag ganz schön fertig. Da brauchten wir Beide keine weiteren Kilometer mehr. Morgen soll es dann zu Spitzkoppe weitergehen. Die kennen wir zwar schon von unserer letzten Reise hierher, aber dieses Panorama kann man sich ruhig zweimal gönnen.

 

04.01.14 Windhoek – Spitzkoppe

Heute war die erste Etappe dran. Nichts wildes – gerade mal 290 km, noch dazu der größte Teil auf Asphalt, aber zum Eingewöhnen gerade richtig. Nachdem wir die beiden Tanks des Hilux randvoll gemacht hatten – insgesamt gehen da 160 l rein – konnte es losgehen. Nach einem kleinen Zwischenstop in Kharibib, wo wir noch mal einen anderen Supermarkt ausgetestet haben, waren wir am frühen Nachmittag schon an der Spitzkoppe. Da wir das Gelände noch von unserer Reise in 2009 ganz gut in Erinnerung hatten, fiel die Suche nach einem geeigneten Campground diesmal etwas einfacher aus. Damals haben wir mit dem Motorrad anderthalb Stunden gebraucht, um ein schattiges Plätzchen zu finden. Heute dagegen war die Sache schnell erledigt und somit hatten wir noch genügend Zeit, die herrliche Aussicht auf die Felsenlandschaft zu genießen. Nicht umsonst wird die Spitzkoppe auch das Matterhorn Afrikas genannt. Am schönsten sind dabei aber immer die Farben der Felsen während des Sonnenuntergangs. Da kann man sich gar nicht dran satt sehen. Unter einem super Sternenhimmel haben wir den Tag dann in völliger Einsamkeit ausklingen lassen. So haben wir uns Afrika gewünscht. Morgen geht es dann nach Swakopmund, wo wir unsere Vorräte noch mal auf Vordermann bringen wollen. Danach, wenn es weiter Richtung Norden geht, wird das mit der Versorgung wohl nicht mehr ganz so üppig sein.

07.01.14 Swakopmund – Ugab Rhino Camp

Unser Aufenthalt in Swakopmund dauerte doch einen Tag länger als geplant. Nach der ersten Übernachtung war uns am nächsten Morgen nicht so richtig wohl in der Magengegend. Ob es am Essen lag oder woran sonst, wir konnten es nicht ergründen. Also noch einen Tag dran gehängt – was soll´s! Das Gute daran war allerdings, daß unser Autovermieter noch anrief und uns mitteilte, daß unser Ersatzfahrzeug am nächsten Morgen für uns in Swakopmund bereitstehen würde. Wir waren gerade noch beim Frühstück, als der Fahrer am nächsten Tag mit dem Wagen vorfuhr. Also schnell alles umgeladen und schon war die Sache erledigt. Dann konnte es endlich Richtung Norden weitergehen. Nach einem kurzen Stop am Cape Cross, einer kleinen P1010640Robbenkolonie, ging es dann weiter Richtung Brandberg. Daß unser Auto noch vor der heutigen Etappe getauscht wurde, war uns nur recht, wußten wir doch, daß die Tour zum Ugab Camp auf den letzten Kilometern einiges an offroad zu bieten hat. Da sollte das Fahrzeug schon astrein laufen. Wie holperig und steinig die Piste dann auf den letzten 60 Kilometern war, hatten wir allerdings doch nicht mehr so genau in Erinnerung. Wie wir uns das damals mit dem Motorrad antun konnten, haben wir uns heute einige Male gefragt. 😉 Im Auto war es zwar keine Spazierfahrt, aber um Längen angenehmer, als auf zwei Rädern. Nach den ersten Kilometern Wellblechpiste wurde der Luftdruck in den Reifen noch etwas nach unten korrigiert, dann ging es einigermaßen erträglich weiter. Im Camp selber war alles noch wie früher. Die Landschaft ist einzigartig, die Ruhe und Abgeschiedenheit fast beängstigend. Hier ist man wirklich “offline”. An Telefonnetz oder gar Internet braucht man natürlich gar nicht erst zu denken.

08.01.14 Ugab Rhino Camp – White Lady Lodge

Man kann das Rhino Camp zwar auch in nordöstliche Richtung durch das Flußbett des Ugab Rivers verlassen, das ist aber schon offroad der höheren Schule. Da wir auch allein unterwegs sind, wollten wir dieses Risiko lieber nicht eingehen und mußten einen Teil des Weges, den wir gestern gekommen waren, heute wieder zurück fahren. Also erst mal wieder 5 km Geröllpíste, dann noch 85 km Wellblech – danach waren wir gut durchgerüttelt! Bis zur White Lady Lodge, unserem heutigen Ziel, war es nun nicht mehr weit und endlich ging es auch auf angenehmerer Gravelroad weiter. Bei der Lodge angekommen, haben wir uns erst mal mit einer fertigen Zeltunterkunft “belohnt”. Da stehen richtige Betten drin, eine schattige Terasse gibt´s auch – das war genau das Richtige nach der Rüttelei heute. Jetzt konnten wir noch etwas Siesta halten, bevor es am Nachmittag noch zu den I`m walking...nahe gelegenen Felszeichnungen gehen sollte. Wir haben die späteste Tour gewählt, die möglich war. Denn zu den Felszeichnungen steht ein einstündiger Fußmarsch durch die Brandberggegend an. Das Ganze natürlich bei sengender Sonne und alles auch wieder retour. Die Zeichnungen waren schon beeindruckend, wenngleich wir uns ein paar mehr davon erhofft hätten. Aber unser Damara-Führer hat sich alle Mühe gegeben, uns was über Land und Leute zu erzählen. Insofern hat sich der Marsch schon gelohnt.

11.01.14 White Lady Lodge – Khowarib Schlucht– Epupa Falls

Bis zu den Epupa Falls an der angolanischen Grenze waren es noch ca. 700 km Richtung Norden. Das waren also zwei Tagesetappen, die wir bis dahin noch vor uns hatten. Bei einem Schnitt von ungefähr 50km/h inklusive Pausen sind am Tag so um die 300-400 km realistisch. Mehr sollte man auf normal befahrbaren Gravelroads nicht erwarten. Je nach Zustand der Straßen, kann das natürlich auch nach oben oder unten abweichen. Am Ende des ersten Tages machten wir in der Khowarib Lodge Stop, welche in der gleichnamigen Schlucht liegt. Bei unserer Ankunft war das halbe Team der Lodge damit beschäftigt den riesigen Kühlschrank der Bar wieder zum Laufen zu bringen. Das Kühlaggregat mußte getauscht werden. Wie enorm wichtig diese Aufgabe ist, kann man sich sicher vorstellen. Ohne kalte Getränke geht in Afrika schon mal gar nichts! 😉 Aber die Jungs haben es hinbekommen, so daß wir den Abend an der Bar bei ein paar kühlen Drinks genießen konnten. Für den Notfall hätte eben der Fridge in unserem Hilux einspringen müssen. Da ist die Kapazität natürlich etwas begrenzt. Aber ich bin von dem kleinen Kühlschrank bis jetzt angenehm überrascht. Für zwei Personen hält er immer genug Getränke und Lebensmittel bei ausreichender Kühlung bereit. Auf der Campsite haben wir noch ein junges Paar aus der Schweiz getroffen, die mit Ihrem gemieteten Landrover seit ein paar Tagen festsaßen und auf ein Ersatzfahrzeug warteten. Ich glaube, die Gelassenheit, mit der die Beiden das genommen haben, kann man nur aufbringen, wenn man aus der Schweiz kommt! Alles nach dem Motto “keep smiling – wir haben ja schließlich Urlaub!” Ich weiß nicht, ob ich so ruhig geblieben wäre?! Am nächsten Tag ging es weiter zu den Epupa Fällen. Die Straße war recht gut zu fahren – ohne Wellblech, dafür aber mit einigen Steigungen, die den Hilux schon manchmal in den zweiten Gang zwangen. Wie wir abends beim Gespräch in der Lodge erfuhren, ist ein 2,5 l Toyota doch etwas zu schwachbrüstig für manche Strecken. Also beim nächsten mal eine Nummer größer anmieten! 😉 Aber für unsere ersten offroad Kilometer auf vier Rädern kommen wir bis jetzt ganz gut zurecht. Als letzter größerer Außenpunkt der “Zivilisation” lag noch Opuwo auf unserem Weg. Hier hieß es noch mal Volltanken, Geld ziehen und den Supermarkt entern. Ansonsten nur schnell weiter – denn Opuwo hat einen Charme, den wir nur mit einigen runtergekommenen Nestern aus Südamerika vergleichen können. Obwohl wir nur noch 175 km vor uns hatten, zog sich die Strecke ewig hin. Gegen Nachmittag erreichten wir dann aber doch noch die Epupa Falls, an denen der Kunene River die Grenze zu Angola bildet. Auf der Campsite haben wir dann noch ein cooles Paar aus Holland kennengelernt, die mit Ihrem Toyota Landcruiser in den  letzten drei Monaten per Achse von Holland hier her gefahren sind. So kann man seine Rente gut rumbringen – Respekt den  Beiden! Kleiner Wehrmutstropfen bei der schönen Gegend hier ist, daß in einigen nördlichen Bereichen Namibias die Cholera wieder aufgetreten ist. Das heißt für uns, sicherheitshalber Zähneputzen und Kochen nur mit Mineralwasser oder dem Wasser aus unserem 60 l Tank im Hilux.

12.01.14 Epupa Falls – Kunene River Lodge

Am Kunene River hat es uns wirklich gut gefallen. Darum haben wir gleich noch einen Tag dran gehängt. Außerdem wollten wir uns die Epupa Wasserfälle ja noch in aller Ruhe anschauen. Und was wir da zu sehen bekommen haben, war wirklich allererste Sahne. Je weiter wir am Fluß entlang gegangen sind, desto beeindruckender wurde das Schauspiel, welches sich uns zwischen namibischem und angolanischem Ufer bot. Da konnte man sich gar nicht dran sattsehen. Am sogenannten Sundowner Hill sahen wir zu, wie sich der Schatten der hinter uns liegenden Berge immer weiter über die Wasserfälle ausbreitete. Am nächsten Morgen sollte es dann zur Kunene River Lodge weitergehen. Vorher wollten wir aber noch einen Abstecher zu den Himbas, einer der Volksgruppen des nördlichen Namibias, machen. Wobei sich uns da wieder mal die Frage gestellt hat, ob wir dieses zur Schau stellen unterstützen sollen oder nicht. Ähnlich wie schon bei den Langhalsfrauen in Thailand, wird hier Bares gegen “Fotoerlaubnis” gewechselt. Einerseits etwas beschämend, aber andererseits die einzige Möglichkeit, mit diesen Menschen in Kontakt zu kommen und wenigstens etwas über ihre Lebensweise zu erfahren. Andererseits sind uns auf unserer Fahrt in den Norden so unzählig viele bettelnde Himbas begegnet, wenn wir da bei jedem angehalten hätten, wäre unsere Reisekasse jetzt schon leer. Am späten Vormittag sind wir dann endlich Richtung Kunene River Lodge aufgebrochen. Diese liegt ca. 100 km östlich von den Epupa Falls. Dort wollten wir uns mit Anneke und Floris-Jan, unseren beiden “fliegenden Holländern”, wiedertreffen. Die Beiden sind dazu einen deftigen 4*4 track direkt am Kunene entlang gefahren. Wir haben lieber einen kleinen Umweg gemacht und die einfache Variante gewählt. Schließlich müssen wir unseren Mietwagen in ein paar Wochen in einem Stück abgeben. 😉 Aber Hut ab, was die Beiden da ganz allein gefahren sind! Wenn da was unterwegs kaputt geht, kann es schon mal sein, daß zwei Wochen keiner vorbei kommt. Aber wir waren gerade in der Lodge angekommen, als der Landcruiser der Beiden vorfuhr. Das nenne ich mal Timing! Diese Lodge setzt noch mal einen drauf, was Gemütlichkeit und Service angeht. Zur Begrüßung schwamm gleich mal ein Krokodil heran, was aber zum Glück auf der angolanischen Seite “anlegte”. Im Pool ließen sich die Temperaturen von knapp 40 Grad einigermaßen ertragen. Dazu ein kalter Drink – so kann man´s aushalten! Um diese angenehme Atmosphäre nicht zu schmälern, blieb die Küche abends kalt und wir ließen uns zusammen mit unseren neuen Freunden abends die Köstlichkeiten der lodgeeigenen Küche präsentieren. Alles andere wäre glatter Stilbruch. Gasbrenner und Bordküche gibt´s morgen wieder! Von unseren Erlebissen im Etosha Nationalpark könnt Ihr beim nächsten mal lesen…

15.01.14 Kunene River Lodge – Kamanjab – Etosha Park

Um zum Etosha Nationalpark zu gelangen , mußten wir wieder ein ganzes Stück nach Süden fahren. Auf dem Weg dahin wollten wir noch bei den Ruacana Wasserfällen vorbeischauen. Allerdings haben wir schon bei der Abfahrt aus der Lodge erfahren, daß die Fälle wieder mal trocken sind. Das ist die meiste Zeit des Jahres der Fall, da der vorgelagerte Staudamm das Wasser zur Energiegewinnung zurückhält. Aber auch ohne die Fälle war die 50 km lange offroad Strecke dorthin eine landschaftlich schöne Strecke. Immer am Kunene entlang ging es bis Ruacana. Dort bekamen wir endlich mal wieder Asphalt unter die Reifen. Im Ort selber wurde dann noch getankt und der Luftdruck in den Reifen auf Asphaltniveau gebracht. Denn ich war der Meinung, daß es bis zum Etosha Park für die nächsten paar hundert Kilometer auf Asphalt weitergehen würde. Aber wir waren kaum aus Ruacana raus, da war es schon wieder vorbei mit dem angenehmen Fahren und der Asphalt wich einer schönen holperigen Gravelroad. Also wieder anhalten, Luft ablassen und weiter geht´s. Nach ca. 80 km, am Abzweig nach Opuwo, war dann die Schotterpiste endgültig zu Ende und es ging auf Asphalt weiter. Leider gab es diesmal keine Tankstelle in der Nähe – also schnell den Kompressor vorgeholt, den Reifendruck abermals um 0,5 bar erhöht, und weiter ging es. Nach einem Zwischenstop in Kamanjab, wir hatten an diesem Tag schon über 400 km auf der Uhr, ging es am nächten Tag dann die restlichen 250 km bis zum Etosha Park. Da die Campsites innerhalb des Parks nicht so prall sind und noch dazu vollkommen überteuert, beschlossen wir nach kurzer Suche, in der Etosha Safari Lodge zu campieren. Diese befindet sich nur 8 km vor dem Anderson Gate, dem südwestlichen Eingang zum Park. Da wir schon zeitig da waren, nahmen wir das Angebot der Lodge zu einem game drive wahr. Das ist zwar kein Schnäppchen, aber die einheimischen Tourguides kennen vielleicht doch das eine oder andere Wasserloch, an dem eher mal was zu sehen ist. Also sind wir mit einem umgebauten Jeep – ganz tourilike – auf Safari gefahren. Glück hatten wir dabei auch noch. Neben den üblichen Herdentieren wie Zebras, Gnus, Springböcken, Oryxantilopen, usw. hat “Trapper Maik”  😉 eine Löwin im Unterholz ausfindig gemacht. Das war ein besonderer Glückstreffer, denn diese Löwin hat kurze Zeit später einen Leoparden aufgescheucht. Diesen hätten wir allein garantiert nicht entdeckt, so gut getarnt wie er ist. So sind wir am frühen Abend mit etlichen Megabyte mehr auf unseren Speicherkarten in die Lodge zurück. Gerade noch rechtzeitig vor einem aufziehenden Gewitter, welches sich mit reichlich Blitz und Donner schon in der Ferne ankündigte. Daß es dann die halbe Nacht über unserer Campsite runtergehen würde, wußten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Aber wir haben es gut in unserem  Dachzelt überstanden. Zumindest hat meine Zeltseite dicht gehalten 😉 Am nächsten Tag sind wir dann noch mal selber auf “Pirschfahrt” gegangen. Dazu haben wir den Park von West nach Ost auf ca. 200 km durchquert. Da es die Nacht ausgiebig geregnet hat, war die Chance auf Tierbeobachtung an den Wasserlöchern äußerst gering. Denn nun gibt es reichlich Wasser im Busch und die Tiere sind nicht auf die permanenten Wasserstellen angewiesen. Aber auch heute hatten wir wieder Glück, kurz vor Ende unserer Tour lief uns eine Elefantenherde direkt vor´s Auto. Das war schon etwas ganz Besonderes. Wenn ca. 10 m neben dem Wagen so eine Herde vorbeitrampelt, dann wird einem schon etwas mulmig. Während ich den Auslöser der Kamera malträtierte, hatte Gina eine Hand immer am Zündschlüssel, um gegebenenfalls durchstarten zu können. Man weiß ja nie, was in so einem Elefantenschädel vorgeht 😉 Am Ende des Tages wurden dann noch Hyäne und Löwe gesichtet – also auch keine schlechte Ausbeute bei den Voraussetzungen.

18.01.14 Etosha Park – Rundu – Popa Falls

Wie schon bei der Einfahrt in den Etosha Park, sind wir bei der Ausfahrt lieber auch auf einer privaten Campsite eingekehrt. Die halbstaatlichen NWR Camps (Namibia Wildlife Resort) innerhalb, konnten uns nicht wirklich überzeugen.Von nun an sollte es Richtung Caprivi Zipfel gehen, denn von dort aus wollen wir zu den Victoria Fällen zwischen Sambia und Zimbabwe. Die Fahrt dorthin ist ziemlich eintönig, geht es doch ziemlich eintönig gute 1.000 km  Richtung Nordosten. Allerdings alles auf Asphaltstraßen, so daß man wenigstens recht komfortabel vorankommt. Auf der ersten Etappe ging es vom Etosha Park über Grootfontein bis nach Rundu. Nach über 400 km und etwas Sucherei nach einer passablen Unterkunft sind wir in der Kaisosi River Lodge eingekehrt. Obwohl die Campsite hier sehr schön war, haben wir uns mal wieder ein richtiges Bett gegönnt. Einmal pro Woche darf das ruhig drin sein. Zumal die Unterkunft in unserem Dachzelt nicht gerade eine “Fürstensuite” ist. Die Matratze darin ist nur schlappe 5 cm dick und das Platzangebot wirklich nur für schlanke Personen gedacht. (Na wenigstens da haben wir ja noch Glück). 😉 Am nächsten Tag ging es dann weiter bis zu den Popa Falls. Diese waren nur 200 km weit entfernt und sind eigentlich gar keine Wasserfälle, sondern nur Stromschnellen. Aufgrund der kurzen Etappe heute waren wir schon gegen Mittag dort und konnten uns Zeit bei der Zeltplatzsuche lassen. Nach 3-4 Versuchen haben wir dann auch ein besonders schönes Plätzchen gefunden. Die Nunda River Lodge hatte alles, was unser Camperherz begehrt. Eine Lodge direkt am Okavango gelegen. Schöne Campsites, Wlan, Pool, ein paar Angebote für Freizeitaktivitäten usw. – was will man mehr. Hier fiel uns der Entschluß, gleich zwei Nächte zu bleiben, nicht wirklich schwer. Am ersten Abend gab´s dann gleich noch eine Bootsfahrt auf dem Okavango River. Dabei kann man besonders gut Nilpferde beobachten und auch gleich noch einen Abstecher zu den Stromschnellen machen. Das ganze bei untergehender Sonne – einfach super! Gerade noch rechtzeitig zum Sundowner saßen wir dann wieder auf der Terasse der Lodge. Wenn man alle Tage so wären…

19.-20.01.14 Popa Falls – Kasane – Victoria Falls

Bevor wir von den Popa Falls weiter Richtung Botsuana aufgebrochen sind, haben wir uns am Morgen noch von Carina und Martin verabschiedet. Die Beiden haben wir hier in der Nunda River Lodge kennengelernt. Da sie auch schon viel in der Welt rumgekommen sind, blieben gemeinsame Themen natürlich nicht aus. Nachdem wir noch zusammen ein Krokodil auf dem Okavango beobachtet haben, ging´s dann aber los. Die weitere Fahrt durch den Caprivizipfel zog sich ganz schön hin. Die Strecke war landschaftlich auch ziemlich eintönig, so daß wir froh waren, als die Grenze näher kam. Kurz vorher war noch ein Boxenstop in Katima Mulilo angesagt – der letzten größeren Stadt in Namibia (für unseren Geschmack ein ganz schönes Drecknest). Da wurde noch mal eingekauft und die letzten Namibia Dollar in Diesel verwandelt. Allerdings hätten wir auch mit Botsuanischen Pula, US$, Südafrikanischem Rand oder sogar in Euro bezahlen können. Hier wird alles genommen, was einigermaßen nach harter Währung klingt. Der Grenzübertritt verlief problemlos. Nach zehn Minuten waren wir aus Namibia raus und nach weiteren 45 in Botsuana drin. Es wäre sogar noch schneller gegangen, wenn nicht ausgerechnet vor uns jemand ein Auto nach Botsuana hätte einführen wollen und der Zöllner den Schlüssel für den Safe schneller gefunden hätte. Witzig war auch noch die Angelegenheit mit der Veterinärkontrolle. Nachdem die gute Frau dort unseren Kühlschrank inspiziert hatte und Milch und Gemüse als verbotene Einfuhrgüter entdeckt hatte, haben wir schon unser Abendbrot den Okavango hinunter schwimmen sehen. Aber unser Blick muß wohl so mitleidig gewesen sein, daß sie sagte “Packt das Zeug in eine andere Tasche und wenn der Zoll es nachher findet, dann habe ich es eben nicht gesehen!” Solche Beamte gibt es also auch – prima! Gleich nachdem wir die Grenze hinter uns hatten, stand schon mal der erste Elefant neben der Straße. Wonach wir im Etosha Park lange gesucht hatten, ist hier also ganz Güternahverkehr in Zimbabwe  :-)alltäglich. Aber das sollte nur der Vorgeschmack sein, wie sich in den nächsten Tage herausstellte. Die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz gestaltete sich in Kasane allerdings schwieriger als erwartet. Nachdem wir vier Plätze angesehen und alle für völlig daneben befunden hatten, haben wir uns mal wieder eine Lodge gegönnt. Ob es daran lag, daß wir von unserer letzten Campsite noch so verwöhnt waren, oder weil wir unseren Hochzeitstag in einigermaßen ansprechender Umgebung verbringen wollten, egal! Jedenfalls war es die Kohle wert. Von Vorteil daran war auch, daß wir hier gleich noch einen Trip zu den Victoriafällen für den nächsten Tag buchen konnten. Entgegen unserer ursprünglichen Planung wollten wir uns die Wasserfälle nämlich von der zimbabwischen Seite und nicht von Sambia aus ansehen. Wie auch immer wäre es aber Blödsinn gewesen, das mit dem eigenen Auto zu machen. Dazu muß es extra für einen Tag ein- und wieder ausgeführt werden. Das Visum für Zimbabwe hat für uns Beide schon mit je 30 US$ zu Buche geschlagen, da brauchen wir nicht auch noch ein eigenes Auto dabei haben. Am nächsten Tag hieß es also pünktlich aufstehen, denn kurz vor 9:00 Uhr ging die Fahrt da kann man sich gar nicht dran satt sehennach Victoria Falls los. Auch hier war der Grenzübertritt ein Kinderspiel. Unser Fahrer hatte schon das Einreiseformular mitgebracht, so daß wir nach ca. 20 Minuten schon in Zimbabwe standen. Dort holte uns ein anderer Fahrer ab, der mit uns die Tour zu den Wasserfällen machte. Was soll man nun dazu sagen? Großartig, gigantisch, toll? Ich glaube das richtige Adjektiv dafür ist schwer zu finden, man muß es einfach erlebt haben. Allein die Gischt, die rings um die Fälle hochspritzt, ist der Wahnsinn. Entsprechend gut geduscht waren wir nach der Tour auch – trotz Regenponcho, den wir uns übergezogen hatten. Das Schwierigste dabei war, die KameraHandtasche im Miniformat einigermaßen trocken zu halten. Am Nachmittag ging es dann zurück nach Botsuana, allerdings mir einem kurzen Zwischenstop auf einer Krokodilfarm. Was wir vor zwei Tagen am Okavango nur aus der Ferne sehen konnten, lag hier nur ein paar Meter von uns entfernt. Aber eigentlich wollten wir uns ja keine Tiere in Gefangenschaft ansehen, sondern in freier Wildbahn. Alles andere können wir ja auch in Deutschland haben. So ging es dann wieder zurück nach Kasane, von wo aus wir am nächsten Tag in Richtung Maun aufbrechen wollten.

21.01.14 Kasane – Maun

Daß die Strecke nach Maun etwas heftiger werden würde, war uns klar. Soviel hatte ich schon aus einem Forum herausgelesen. Aber wie genau sie beschaffen war, wußten wir natürlich nicht. “A little bit sandy” war überall nur zu hören, wo wir nachfragten. Da die Regenfälle in der letzten Zeit aber eher spärlich ausgefallen waren, sind wir guter Dinge aufgebrochen. Zurück bis Ngoma war eh Asphalt, danach würde es sich schon zeigen. Auch die nächsten 25 Kilometer, die laut Karte schon Piste hätten sein müssen, waren noch asphaltiert. Aber irgendwann war es dann soweit, wir sahen das Schild “Asphalt zu Ende” – die waren uns noch aus Südamerika in “guter Erinnerung”! Hier in Afrika hatten wir sie eigentlich noch nicht gesehen. Zuerst sah es auch so aus, als wenn es sich um eine Schotterpiste handeln würde. Also den Luftdruck auf knapp 2,0 bar absenken und weiter geht´s. Aber das mit dem Schotter war schnell vorbei. Sand! Ich liebe Sand!!! …und das Ganze auch noch einspurig. Eine schöne sandige Piste von knapp 3 m Breite führte uns von nun an durch den Busch. Und wenn man denkt “hier kommt einem ja sowieso keiner entgegen…“ …weit gefehlt. Wir hatten gerade die ersten Kilometer auf Sand hinter uns, da kamen uns zwei Landrover entgegen. Wer weicht nun auf den ca. 30 cm höher gelegenen “Seitenstreifen” aus, der eigentlich gar nicht da ist? Da wir aber leicht bergauf fuhren, haben die beiden Landie´s mir die Mühe abgenommen und ich konnte weiter am Gas .bleiben. Daß der Luftdruck für diesen Untergrund noch zu hoch war, war mir klar. Aber erst mal eine geeignete Stelle zum Anhalten finden. Die ergab sich dann allerdings von selbst. Auf der Strecke lag ein Cache versteckt, den man nicht übersehen konnte. Ein alter Gräder stand halb zugewachsen am Rand – dort sollte eine Dose versteckt sein. Also runter von der Strecke und rauf auf´s Gras. Jetzt erst mal schnell den Cache loggen und dann den Luftdruck bis auf 1,5 bar runter. Das sollte hoffentlich erst mal reichen. Meine Sanderfahrungen mit Autos waren bis dahin gleich null. Ich weiß zwar, daß auch 1,0 bar möglich sind, das war mir aber erst mal zu riskant. Es ließ sich auch ganz gut an. Der Toyota wühlte sich ganz tapfer durch, trotz der eher ungeeigneten Straßenreifen, die er aufgezogen hat. Nur an wenigen Stellen mußte ich bis in den ersten Gang runter. Da wurde uns dann aber jedes Mal schon etwas mulmig und ich mußte unweigerlich an den Spaten und die Sandrollen im Kofferraum denken. 😉 Unser heutiges Tagesziel sollte eigentlich mitten im Naturpark, im  sogenannten “Elephant Camp Savuti” liegen. Als wir dort nach 70 km Piste endlich angekommen waren, schockte uns der Campleiter erst mal mit den Preisen. Sagenhafte 50 US$ wollte der für die Übernachtung haben – pro Person, versteht sich! Ich glaub, die spinnen, die Botsuaner! Die größte Frechheit daran war, daß Einheimische nur etwa ein Viertel von dem zahlen brauchten. Aber das kannten wir ja schon aus andern Ländern. Also kurz auf die Uhr gesehen und überschlagen, wie lange wir aus dem Park raus brauchten. Es lagen nun nochmal 70 km Piste vor uns. Daß diese noch schlechter als die ersten waren, konnten wir ja zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen. Die Strecke war jetzt nicht nur sandig, nein, fiese Bodenwellen kamen auch noch dazu. Das heißt im Klartext: fährtst Du zu langsam, gräbst Du Dich ein, fährst Du zu schnell, springt die Karre wie ein Ziegenbock umher. Aber anscheinend haben wir den goldenen Mittelweg gefunden. Die Geräusche, die der Hilux dabei manchmal gemacht hat, waren zwar nicht so toll, aber er hat alles unversehrt überstanden. Trotzdem möchte ich keinem empfehlen diese Strecke mit einem Mietwagen zu fahren und schon gar nicht allein. Auf den ganzen 140 km Piste kam uns, außer den beiden Landie`s gleich zu Beginn, nur noch ein Wagen ganz zum Ende der Strecke entgegen. Wir hatten sicher auch mit den Pistenverhältnissen großes Glück. Trotz der relativen Trockenheit waren nur ca. 100 Matschlöcher unterwegs zu umfahren bzw. zu durchfahren. Wenn es hier etwas mehr regnet, braucht man sicher eine gehörige Portion mehr Erfahrung oder Glück oder Beides. Als wir dann endlich aus dem Naturpark raus waren, haben wir noch zwei Lodges angesteuert, die aber eher nicht auf Camping ausgelegt waren. Da die Dämmerung schon langsam einsetzte, haben wir wohl oder übel ein “festes Zelt” zu einem unverschämten Preis nehmen müssen. Wild campen ist in dieser Gegend eher nicht zu empfehlen. Neben reichlich Elefanten und anderem Getier neben der Strecke, hatten wir unterwegs zweimal welche direkt vor uns. Einmal davon auf enger Piste, wo ausweichen oder zurücksetzen nicht möglich gewesen wäre. Aber die Dickhäuter waren alle friedlich und sind nach ein paar Minuten immer weiter gezogen. Jedenfalls ist eine Unterkunft in einem Camp schon eher zu empfehlen, auch wenn da kein Schutz oder ähnliches wirklich vorhanden ist. Warum unser Zelt so teuer war, haben wir übrigens erst am nächsten Morgen erfahren. Man zahlt hier nicht für die Unterkunft, sondern für das unvergessliche Erlebnis, daß beim Frühstück eine Elefantenherde ca. 20-30 m vor Deinem Zelt durchzieht und ebenfalls frühstückt. Na ja, das ist zwar ein kleiner Trost, aber die Botsuaner lassen sich ihren Tourismus – zumindest in der Nähe von Naturparks – schon fürstlich bezahlen.

25.01.14 Maun – Krüger Nationalpark

Von Maun aus ging es geradewegs in Richtung Südafrika. Allerdings haben wir vorher unserem Hilux noch eine Wäsche gegönnt – “handmade” versteht sich. Nachdem wir endlich eine “Waschanlage” gefunden hatten, wo auch gearbeitet wurde, ging´s nach kurzer Preisverhandlung los. Vier Mitarbeiter des Waschsalons haben sich eine halbe Stunde lang redlich bemüht, den Dreck der letzten Pistenfahrt wieder zu entfernen. Was dabei als mittlerer Stundenlohn für jeden rausgekommen ist, schreibe ich hier lieber nicht. Vielleicht ließt ja irgendein botsuanischer Gewerkschaftler mit 😉 Der Grenzübergang bei Martin´s Drift war unser näheres Ziel. Allerdings entpuppte sich die Fahrt durch Botsuana als recht eintönig. Die Landschaft hatte nichts großartiges mehr zu bieten, es ging hunderte Kilometer einfach nur geradeaus. Auch die Übernachtungsmöglichkeiten waren nicht mehr so, wie noch in Namibia. Die letzte Nacht, die wir noch in Botsuana verbringen wollten, haben wir uns dann doch noch rüber nach Südafrika gemacht, da das, was wir als Campsite vorfanden, einfach nur Schrott war. Kaum in Südafrika angekommen glaubt man sich in einer anderen Welt. Alles sieht etwas gepflegter aus, die Straßen haben doch ein etwas anderes Niveau und noch so einiges mehr. Allerdings sind die Campsites hier nicht so dicht gesät, wie wir es uns wünschen würden. Einmal haben wir sogar in einer Art Holiday Park gecampt. Da das sehr auf familientauglich ausgelegt war und noch dazu Wochenende war, hatten wir am nächsten Morgen eine doch recht schlaflose Nacht hinter uns. Dabei muß noch erwähnt werden, daß alle Südafrikaner es lieben, einen Braai zu machen. Das ist mit dem Grillen bei uns Deutschen zu vergleichen. Allerdings wird hier nicht Holzkohle verwendet, sondern richtiges Holz. Dementsprechend ist auch die Rauchentwicklung auf den Zeltplätzen. Also gleich weiter in Richtung Krügerpark zum Viecher gucken. Einiges hatten wir ja inzwischen schon vor die Linse bekommen, mal sehen, was hier noch dazu kommt. Der Krügerpark ist eigentlich landschaftlich schöner als Etosha, d.h., es wächst mehr an Büschen und Bäumen. Das hat aber auch den Nachteil, daß man die Viecher noch schlechter zu sehen bekommt. So hat sich uns, außer einer recht großen Büffelherde, nicht viel neues an Getier zu unserer Liste dazu gesellt. Natürlich gab es wieder reichlich Elefanten, Giraffen und jede Menge Antilopen, usw. Inzwischen sind wir aber schon soweit, daß wir beim Anblick von einer Zebraherde sagen “…ja schön, Zebras halt!” 🙂 Nach einer Übernachtung in einem der Camps innerhalb des Parks ging es dann am nächsten Tag rund 200 km in mehr oder weniger Schleichfahrt durch den Park. Erlaubt sind hier maximal 50 km/h, die sollte man auch nicht zu sehr überschreiten, denn die Ranger achten schon einigermaßen auf das, was hier vorgeht. Da es an diesem Tag aber auch noch mehr regnete, als daß es trocken blieb, war die Tierbeobachtung doch recht eingeschränkt. Na ja, nach drei Wochen darf es auch mal regnen, schließlich ist ja Regenzeit hier unten.

31.01.14 Krüger Nationalpark – Swaziland – St. Lucia

Nach einer Übernachtung im Park sind wir also am nächsten Tag wieder raus. Ein Schnäppchen war das übrigens nicht gerade. Die Übernachtung dort geht zwar in Ordnung, aber im Gegensatz zum Etosha Park wird man hier mit über 30 € pro Tag noch mal extra zur Kasse gebeten. Da wir wieder mal keinen Zeltplatz in der Nähe ausmachen konnten und das Wetter auch nicht so toll war, haben wir in Mbombela, dem früheren Nelspruit, ein Guesthaus gefunden. Mit den Städtenamen ist das übrigens so eine Sache hier. Mit dem Ende der Apartheid wurden hier viele Städte umbenannt, mit der Folge, daß für ein und dieselbe Stadt nun oftmals zwei Namen parallel existieren. Im Navi muß ich so erst mal testen, welcher Name dort gespeichert ist. Auf dem Weg zur Küste, die wir als nächstes ansteuern wollten, lag noch das Königreich Swaziland. Also, da auch noch mal eben reingeschaut. Jetzt war nach drei Wochen schon das fünfte Land in unseren Pässen vermerkt. Allerdings ist in Swaziland nicht unbedingt was los. Außer endlosen Zuckerrohrfeldern und reichlich schiefen Strommasten gibt es hier nicht so richtig was zu sehen. Ach ja, an den Straßen merkt man vielleicht, daß man nicht mehr in Südafrika ist. Die sind hier nicht so toll. Bei unserer Fahrt haben wir gleich das volle Programm mitbekommen. Eine Regenfront, daß der Scheibenwischer es in Stufe 2 fast nicht geschafft hat und dazu eine ca. 40 km lange Schlaglochstrecke, die mehr in Schlangenlinie als geradeaus befahren werden mußte. So eine Piste hat es nicht mal in der DDR gegeben, und das will schon was heißen. Jetzt sollte es also an den indischen Ozean gehen, in der Hoffnung, daß es an der Küste etwas kühler und erträglicher ist. Wenn wir hier von den Temperaturen in Deutschland lesen, dann ist es zwar ganz schön, so ein Wetter zu haben, aber jeden Tag 30 Grad + x kann auf Dauer auch ganz schön schlauchen. Auf jeden Fall ist es hier auch nicht kühler, außer man ist direkt am Strand. Außerdem kommt noch hinzu, daß die Luftfeuchtigkeit hier extrem hoch ist. Bei der kleinsten Anstrengung läuft einem das Wasser den Rücken runter. Mit campen war es hier in St. Lucia übrigens auch wieder nichts. Dafür haben wir aber eine komplett eingerichtete Ferienwohnung zum schmalen Kurs gefunden – auch nicht schlecht. hier werden wir erst mal ein paar Tage ausspannen und Urlaub vom Urlaub machen 😉

03.02.14 St. Lucia – Ballito – Underberg – Lesotho

Von St. Lucia aus wollten wir uns eigentlich immer an der Küste entlang schleichen und überall, wo es uns gefällt, einen Stop einlegen. So war der Plan. Aber schon unser nächstes Ziel, Richards Bay, erwies sich als totaler Flop. Eine Hafen- und Industriestadt – hier gab´s für uns nur eins, nämlich durchstarten! An der Küste entlang, wie man das vielleicht aus Frankreich oder Italien kennt, ging allerdings auch nicht. Es gibt nämlich keine richtige Küstenstraße, sondern nur eine Landstraße und einen Highway, die in einigen Kilometern Entfernung zur Küste entlanglaufen. Ersteres geht gar nicht zu fahren, da alle paar hundert Meter sogenannte Speed Humps auf der Straße sind, da wird man immer wieder schön ausgebremst. Also blieb uns nur die Wahl der Autobahn. 😦 Da muß man dann natürlich genau wissen, wo man runter will  bzw. an welchen Strandort man will. Aber dank unserem Reiseführer hatten wir schon beim zweiten Versuch Glück und haben in Ballito einen ganz guten Campingplatz nahe am Strand gefunden. Dort haben wir dann erst mal zwei Tage relaxt 🙂 Der Platz war auch schön ruhig – bis auf zwei ibisähnliche Vogelviecher. Die haben mehr Krach gemacht als ein ganzer Schwarm Krähen. Da wir nun von Strand und Meer erst mal genug hatten, ging es von hier aus ins Gebirge, genauer gesagt, in Richtung Lesotho. Dieses sogenannte “Königreich in den Wolken” wollten wir auf unserem Afrikatrip nicht versäumen. Auf dem Weg dorthin kamen wir noch durch Howick, wo ein Wasserfall zu sehen war. Aber wer die Vicfalls eben erst gesehen hat, für den ist so ein herkömmlicher Wasserfall eher ein kleines Bächlein.  😉 Da es hier auch nichts vernünftiges an Unterkünften gab, sind wir  noch weiter bis nach Underberg. Von hier aus sollte es dann am nächsten Tag Richtung Lesotho gehen. Leider ist uns das Wetter seit unserer Abfahrt von der Küste nicht mehr so wohl gesonnen. Waren bis dahin immer nur ein paar Wolken oder mal ein paar Tropfen gegen Nachmittag aufgetaucht, so entwickelte sich das jetzt zum richtigen Regen. An Camping war also nicht mehr zu denken, was aber auch nicht so schlimm war, denn Campsites gibt es in dieser Gegend eh nicht so reichlich. Inzwischen hatten wir den 03.02. und da ich mir für Gina´s Geburtstag wieder ein besonders schönes Geschenk ausgedacht habe, ging es heute über den Sani Pass in Richtung Lesotho. Dieser ist natürlich offroad zu befahren und per Verordnung nur mit einem 4*4 ausgerüsteten Fahrzeug erlaubt. Daß es dann gleich der drittsteilste Paß der Welt und der höchste Paß in Südafrika sein würde, war eher Zufall. Da ich aber ungern was dem Zufall überlasse, haben wir uns am Morgen der Abfahrt noch bei zwei örtlichen Guides nach dem Zustand des Passes erkundigt. Da es ja zuvor geregnet hatte, schien uns das sicherer. Ihre einhellige Meinung war “No  problem, you can drive it quiet well!” Allerdings fahren die Jungs die Strecke ein paar mal die Woche mit Touristen und auch Ihre Geländewagen sind etwas stärker motorisiert, als unser Hilux. Na ja, das Wetter war heute morgen trocken, also los! Schließlich war das ja nicht der erste Schotterpaß, den ich gefahren bin. Allerdings der erste mit einem Geländewagen. 🙂 20 Kilometer vor dem Paß war der Asphalt dann zu Ende und es ging auf Schotter weiter. Also den Allradantrieb eingelegt und weiter. Schon nach kurzer Zeit kam noch mal ein großes Hinweisschild, auf dem vermerkt war, daß dieser Paß nur mit Allradfahrzeugen befahren werden darf – ja ja, das wußten wir ja nun schon! Also weiter. Ein kurzes Stück später ging es dann zum ersten mal ans Eingemachte. Ein kurzer steiler Anstieg von ca. 30 m  -aber so richtig schön schlammig. Zu unserer beider Überraschung zog der Toyota davon unbeeindruckt seine Spur schnurgerade durch den Matsch. Danach ging es erst mal mehr oder weniger holperig weiter bergauf. Ungefähr 7 Kilometer vor der Paßhöhe kam der südafrikanische Grenzposten. Also Pässe raus, Stempel rein, weiter geht´s! Unterwegs lag auch noch ein Cache versteckt – der mußte natürlich auch noch geloggt werden. Inzwischen waren wir so hoch, daß es mit der Sicht stellenweise schlechter, sprich nebliger wurde. Aber von den ca. 1.300 Höhenmetern, die wir vor uns hatten, waren schon gut zwei Drittel geschafft. Sollte das alles sein, was der Paß zu bieten hatte? Das hätte ich mich wohl lieber nicht fragen sollen. Kurz nachdem wir den Cache gefunden hatten, ging der letzte Anstieg los. Ich hab ja schon einige Schotterpässe mit dem Motorrad gefahren, aber so enge, steile und vor allem holperige Serpentinen habe ich noch nicht erlebt! Meine Fresse!!! Jetzt ging wirklich nur noch der erste Gang und hoffen, daß der Hilux in einem Zug um die Kehren kommt. Zum Glück kam uns auf diesem Stück kein anderes Fahrzeug entgegen und so konnten wir nach ein paar Minuten, die uns endlos vorkamen, endlich die Paßhöhe erreichen. Ich glaube, wenn unser Autovermieter wüßte, wo wir seinen Wagen langscheuchen, wäre sofort ein saftiger Aufpreis fällig. 😉 Aber wieder mal ist alles gut gegangen, die Reifen sind heil geblieben und der Motor hat die Quälerei überstanden. Daß wir auf der Paßhöhe mit 2.865 müNN noch nicht am höchsten Punkt unserer Reise angekommen waren, wußten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Bevor wir aber in Afrika´s höchsten Pub einkehren konnten, der ist nämlich hier oben, war erst mal die Grenzkontrolle in Lesotho fällig. Ich glaube, so ein abgefucktes Grenzhäuschen habe ich noch nie gesehen. Aber auch da gab´s die gewünschten Stempel und nachdem noch 30 Rand für unser Auto gezahlt wurden, durften wir offiziell einreisen. Daß Lesotho zu den ärmsten Ländern dieser Erde zählt, konnten wir schon wenige Kilometer weiter sehen. Unter welch harten Bedingungen die Menschen hier “oben” leben, ist für mitteleuropäische Verhältnisse wohl nur schwer vorstellbar. Im weiteren Verlauf unserer Fahrt durch Lesotho stiegen wir noch weiter auf 3.250 müNN hoch. Dabei ging es größtenteils ziemlich ruppig zu Sache. Man könnte meinen, ganz Lesotho ist eine einzige Baustelle. Besonders die Chinesen sind mit der China Geo Corporation hier schwer am schaffen. Welchen Zweck sie mit dem Ausbau der Paßstraßen verfolgen, konnten wir noch nicht ergründen, aber umsonst machen sie es bestimmt nicht. Da werden aber mal eben ganze Felskuppen abgetragen und vor Ort zu Baumaterial verarbeitet. Ein Wahnsinn, was hier gebaut wird! Eigentlich wollten wir irgendwo auf dem Weg zur Nordgrenze des Landes übernachten.Aber weder das Wetter, das uns pünktlich zum Nachmittag wieder mit Regen beglückte, lud uns zum campen ein, noch die Unterkünfte, die wir auf dem Weg fanden, konnten uns zum Bleiben überreden. Also weiter in Richtung südafrikanische Grenze. Trotz der nur 270 km, die wir heute gefahren sind, haben wir es gerade mit Einbruch der Dämmerung zurück nach Südafrika geschafft. Zum Glück fanden wir unmittelbar hinter der Grenze eine ansprechende Guest Farm, so daß uns eine Weiterfahrt im Dunkeln erspart blieb. Denn das sollte man selbst in Südafrika tunlichst vermeiden. Auch die Beleuchtung unseres Toyotas erinnert mehr an die Lichtanlage eines Trabant de luxe mit Zusatzscheinwerfern. Nachts möchte ich damit wirklich nicht unterwegs sein. Aber wir haben ja wieder mal rechtzeitig die Kurve gekriegt.

07.02.14 Lesotho – Senekal – Addo Elefant Park – Jeffery´s Bay

Für die, die es interessiert, hier noch mal das Höhenprofil unserer Fahrt durch Lesotho. Zwischen Kilometer 20 und 40 ist der Anstieg über den Sani Paß zur Grenze zu sehen. Danach ging es in ganz Lesotho eigentlich nie unter 2.000 Höhenmeter. Das hat man in unserem Hilux auch ständig zu spüren bekommen. Die kleinsten Steigungen waren fast immer im zweiten Gang zu fahren. Von den ohnehin schon dürftigen 100 PS dürften in dieser Höhe nicht mehr allzu viele übrig geblieben sein. Das noch als Hinweis für die, die mal Ahnliches vorhaben. Allerdings begnügt sich unser Auto dafür auch mit rund 10 l Diesel auf 100 km. Das ist dann bei einem Literpreis von umgerechnet 80-90 Eurocent ganz okay. Wieder in Südafrika angekommen, sollte es dann zurück in Richtung Küste gehen. Vorher haben wir aber noch einen Abstecher durch den Golden Gate Park gemacht. Dort türmen sich Sandsteinfelsen auf, die im Sonnenlicht golden schimmern sollen. Leider war von der Sonne in den letzten Tagen nicht mehr viel zu sehen, so daß wir diese Aussage des Reiseführers nicht bestätigen können. Genauer gesagt war, seit wir von der Küste in Ballito weg sind, nur noch Sch….wetter. Ständig bewölkt und immer wieder Regenschauer. Das einzig Gute daran war, daß die Temperaturen einigermaßen erträglich wurden. Allerdings geht einem der graue Himmel irgendwann ganz schön auf die Nerven. Um uns moralisch etwas aufzubauen, haben wir uns dann immer im Internet die Wetterberichte aus Deutschland angesehen. Die weitere Fahrt über Senekal, Bloemfontein bis zum Addo Elefant Park war eher langweilig. Hunderte Kilometer geradeaus, ohne irgendwelche landschaftlichen Highlights. Da wird das Auftauchen einer Schildkröte auf der Straße schon zum Erlebnis, wo man mal wieder anhält und dem armen Viech über die Straße hilft. Der Addo Park ist ein etwas kleinerer Park nördlich von Port Elizabeth gelegen. Hier wollten wir noch mal schauen, ob wir das letzte Tier, das uns bei den Big Five noch fehlt, endlich zu sehen bekommen. Ein Nashorn fehlt uns nämlich noch in unserer “Sammlung”. Bei Nieselregen haben wir uns mangels Alternativen dazu entschlossen unser Dachzelt wieder aufzubauen. Das war auch die richtige Entscheidung, denn seit dem verschwand das Mistwetter und am nächsten Tag war endlich wieder Sonne satt zu sehen. Gestern noch Fleecejacke und lange Hose, heute wieder Temperaturen, daß die Klimaanlage ihre liebe Mühe hat. Ist schon verrückt, dieses Afrika! Da die Flora im Addo Park doch teilweise recht hoch wächst, war es hier noch schwieriger, Tiere zu beobachten, als in den vorangegangen Parks. Alles, was nicht gerade über den Weg läuft, ist im Pflanzendickich sofort verschwunden. Da war es fast ein Wunder, daß ich in einem Seitenweg den Hintern eines Rhinos entdeckt habe. Allerdings war es über 100 Meter entfernt, so daß an ein vernünftiges Foto nicht zu denken war. Schade, aber was soll´s, wir haben eins gesehen. Dafür ist uns aber hier die größte Elefantenherde unserer ganzen Reise begegnet. Über 100 Tiere haben sich an einem Wasserloch versammelt und ihre Schlammpackungen erneuert. Trotz dem wir schon so viele Elefanten gesehen haben, war das noch mal ein besonderes Erlebnis. Nachdem wir ca. 100 km kreuz und quer durch den Park sind, haben wir uns wieder an die Küste begeben. An Port Elizabeth vorbei sind wir im Surferparadies Jeffery´s Bay hängen geblieben. Leider ist hier mit Camping wieder nichts drin, denn trotz gutem Wetter haben die Südafrikaner anscheinend eine andere Auffassung von dem, wie ein Campingplatz auszusehen hat. Was einem hier angeboten wird, spottet meistens jeder Beschreibung. So können wir die Dachzelteinsätze unseres Toyota hier in Südafrika an einer Hand abzählen. Schade eigentlich, aber da war in Namibia besseres campen möglich. Gott sei dank findet sich bis jetzt immer eine passende Unterkunft, wenn auch die Preise dafür stark schwanken. Gerade hier an der Küste gibt es da Unterschiede von mehreren 100 Prozent. So werden wir uns jetzt an der Küste entlang tasten, bis wir in Kapstadt angekommen sind.

15.02.14 Jeffery´s Bay – Plettenberg – Stilbaai – Cape Agulhas – Gordons Bay

In Jeffery´s Bay konnte man die Zeit ganz gut rumkriegen. Morgens den Surfern etwas beim Wellenreiten zusehen, danach kurz Siesta halten, gegen Nachmittag noch mal in den Ozean springen und ansonsten nichts tun. Meistens sind wir mit Letzterem nie ganz fertig geworden, so daß wir am nächsten Tag damit weitermachen mußten. 😉 So haben wir dann hier auch gleich vier Nächte in einem schönen Guesthouse mit Blick auf´s Meer zugebracht. Die Beschreibung des örtlichen Campingplatzes erspare ich mir hier lieber – davon haben die Südafrikaner echt keine Ahnung! Aber irgendwann wird auch Nichtstun langweilig und so sind wir weiter an der Küste entlang bis nach Plettenberg. Hier war es ausnahmsweise mal umgekehrt. Die Stadt war so gebaut, daß ein vernünftiger Zugang zum Meer nicht so einfach möglich war. Da die Stadt sonst nichts zu bieten hatte, haben wir auf einer Campsite am Keuboomsriver mal wieder unser Dachzelt aufgeschlagen. Zum Glück haben wir auf dem recht vollen Platz ein Fleckchen ganz am Ende gefunden, wo es einigermaßen ruhig war. Die nächste Station hieß Stilbaai. Hier luden ein paar Caches in der Gegend dazu ein, wieder mal zwei Nächte zu verbringen. Durch manche dieser kleinen Dosen findet man so doch ein paar lokale Sehenswürdigkeiten, an denen man sonst garantiert vorbei gefahren wäre.  Jetzt näherte sich der südlichste Punkt Afrikas – das Cape Agulhas – mit großen Schritten. Natürlich konnten wir es uns auch nicht verkneifen, die üblichen Tourifotos am Kap zu machen. Dort, wo sich indischer und atlantischer Ozean treffen, geht das Meer ganz schön zur Sache. Trotz des Leuchtturmes, der hier den Schiffen seit 1849 den Weg weisen soll, hat es hier schon einige Dampfer auf Grund gelegt. Die Überreste eines japanischen Schiffes (zumindest haben wir das anhand der Schriftzeichen am Bug vermutet) konnten wir unweit der Küste noch sehen. Die ganze Gegend rum um das Kap ist zum Nationalpark erklärt. Viel zu sehen gibt es dort aber eigentlich nicht. Die Vegetation ist eher spärhoffentlich war es ein Walfängerlich, ein paar Rinder und Strauße werden im Hinterland auf den Farmen gehalten und den ganzen Tag pfeift einem der Wind um die Ohren. Wenn denn mal ein Baum wächst, dann meist schief, in der hauptsächlich vorherrschenden Windrichtung. Jetzt sollte eigentlich nur noch ein Zwischenstop in Hermanus folgen, bevor wir in Kapstadt “einfallen” wollten. Aber – wie so oft auf solchen Reisen – kommt es häufig anders, als man denkt. Auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft haben wir dort so ziemlich alles abgeklappert, was irgendwie nach Guesthouse aussah. Überall hieß es nur “Sorry, we are fully booked!” So was haben wir eigentlich selten erlebt, noch dazu, wo im Moment keine Hochsaison oder Ferienzeit ist. Selbst die Südafrikaner konnten es sich nicht erklären. So mußten wir noch bis Gordon´s Bay weiterfahren, bis wir endlich ein Guesthouse gefunden haben, daß uns noch ein Zimmer geben konnte. Dazwischen lagen rund 100 km und schätzungsweise 50 Unterkünfte, die wir abgeklappert haben. Ich glaube, so was ist uns auf unseren Reisen noch nie passiert. Jetzt können wir in der Ferne schon die Skyline von Kapstadt sehen, den bis dort sind es nur noch 50 Kilometer. Mal sehen, was uns da so erwartet. Mehr davon im nächsten und letzten Bericht unserer Reise.

 

 

21.02.14 Kapstadt

Bis nach Kapstadt war es nun nur noch ein Katzensprung. Entlang der Küste waren wir schon nach fünfzig Kilometern in Fish Hoek angekommen. Dort hatten wir schon bei unserer letzten Reise übernachtet, und da wollten wir es auch dieses mal wieder versuchen. Leider war Joy´s Guesthouse schon voll ausgebucht, so daß wir es woanders versuchen mußten. Aber die Vermieterin konnte sich noch gut an uns erinnern, es hing sogar noch ein Bild von unserem Motorrad an der Pinnwand im Flur. 🙂 Schon beim nächsten Versuch haben wir aber eine vernünftige Unterkunft gefunden – sollte es heute so schnell klappen? Das wäre ja mal Glück. Leider machen aber auch südafrikanische Manager Fehler und so stellte sich am nächsten Tag heraus, daß die gute Frau unser Zimmer doppelt belegt hatte. F…! Da es für uns keine Alternative gab, mußten wir noch mal auf die Suche gehen. Aber dieses mal klappte es mit Hilfe der Touristinfo ganz gut. Bei einer deutsch geführten Lodge in Noordhoek haben wir eine schöne kleine Wohnung bekommen. Die Preisverhandlungen haben zwar eine Weile gedauert, aber letztendlich haben wir uns auf einen fairen Kurs einigen können. Nachmittags ging es dann gleich noch ans Kap der Guten Hoffnung. Eines der üblichen Touristenhighlights, die man hier machen muß. Bloß gut, daß wir die Örtlichkeit schon kannten. Als wir dort ankamen, war es wie auf der Zulassungsstelle. Hunderte von Touris drängten sich um einen Platz vor dem “Cape of Good Hope” – Schild. Fehlte bloß noch der Schalter, wo man Nummern ziehen kann. Aber man kann noch einige andere Sachen hier in Kapstadt machen. Über den “Chapman´s Peak Drive”, eine spektakuläre Küstenstraße, gelangen wir von Noordhoek in die City von Kapstadt. Diese Straße war 2009 gesperrt, so daß wir erst jetzt dazu kommen, sie komplett zu befahren. In der City angekommen, wurden das “Two Ocean`s Aquarium” besichtigt, Autos angeschaut, die wir uns niemals leisten können und einfach ein bißchen rumgeschlendert. Die üblichen Touristenpunkte wie “Signal Hill” und Tafelberg durften natürlich auch nicht fehlen. Wobei wir bei letzterem drei Tage warten mußten, bis das Wetter gut genug war, um dort hoch zu fahren. Aber wenn man schon eine Stunde an der Seilbahn anstehen und über 400  Rand abdrücken muß, dann sollten dort oben auch einigermaßen gute Wetterbedingungen herrschen. Das Schönste bei einer Tour zum Tafelberg sind übrigens die Touris, die meinen, dort oben sei es genauso warm, wie unten in der Stadt. Aber immerhin ist man dort oben über 1.000 m hoch und es pfeift ein ganz schöner Wind. Da sollte man schon einigermaßen gut angezogen sein. Aber die meisten kommen in Flip Flops und kurzer Hose oben an und wundern sich dann, daß es auf einmal so kalt ist. Was haben wir uns amüsiert! Aber auch hier in der Nähe von Noordhoek kann man einiges unternehmen. Wir haben uns bei einer Wanderung am Strand mal das Wrack der “Kakapo” angeschaut, die hier seit dem 25.05.1900 am Strand vor sich hin rostet. Damals war sie, mit Kohle beladen, auf dem Weg von Kapstadt nach Sidney. In einem Sturm ist sie aber auf Grund gelaufen und rostet seit dem hier vor sich hin. Viel ist nicht mehr von ihr übrig geblieben. Auch der beste Stahl hat gegen Wind und Wetter auf Dauer keine Chance. Genau wie der Stahl der Kakapo langsam zerrinnt, so geht auch unsere Reise langsam ihrem Ende entgegen. Noch zwei Tage hier in Kapstadt, dann geht der Flieger in Richtung Heimat. Hoffentlich hat sich der Winter in good old Germany ausgetobt, denn auf kalte Temperaturen haben wir nun wirklich keinen Bock mehr. Vielen Dank an alle Mitleser/-innen und bis bald in der Heimat!

                                              das war……

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Bis ans Ende der Welt – reloaded

living in a box – reloaded (Gina ist natürlich draußen geblieben ;-: )

Hasta la vista KTM

Der Winter schlägt seit Wochen wieder unbarmherzig zu und draußen ist so richtiges Mistwetter. Was liegt also näher, als unser Moped wieder in die Kiste zu packen und in die Sonne zu schicken? Na ja, ganz so einfach war es natürlich nicht. Dieses mal haben wir lange überlegt, wo es denn hin gehen soll. Aber da in unserer „Sammlung“ noch ein Kontinent fehlt, auf dem wir noch nicht waren, fiel am Ende die Wahl doch auf Südamerika. Wetterbedingt soll es dort in Richtung Süden gehen, wenn möglich bis ans „Ende der Welt“, nach Ushuaia. Dies ist die südlichste Stadt der Erde, zumindest die, die man mit einem Fahrzeug so ohne weiteres erreichen kann. Der Ablauf ähnelt dem der letzten Reise. Unsere KTM haben wir zum Ende der Saison wieder in die Kiste gesteckt. Vorher wurden wieder die üblichen Wartungsarbeiten gemacht. Reifen, Bremsen, Kettensatz wurden erneuert. Den kleinen Service mit Ölwechsel hat die Fa. Bräuer wie gewohnt erledigt. Eine neue Batterie haben wir der LC8 auch noch gegönnt (zugegeben etwas außerplanmäßig). Das war´s eigentlich schon. Ach ja, die großen Fernreisetanks mit 45 ltr. Inhalt wurden wieder vorgekramt und angebaut. Die Entfernungen in Patagonien sind doch schon mal etwas weiter und die Tankstellendichte nicht mit unserer zu vergleichen. Die Anlieferung im Hamburger Hafen verlief wieder total easy. Selbst der Staplerfahrer kannte uns noch vom letzten Jahr. Am Neujahrstag soll es dann losgehen, von Frankfurt nach Santiago de Chile und von dort nach Valparaiso am Pazifik. Dort soll unser Moped dann schon auf uns warten. Bleibt nur zu hoffen, daß der Zoll die Formalitäten zügig klärt, damit wir dann so schnell wie möglich starten können.

03.01.13 Valparaiso

Warten auf unser Moped

Südamerika – wir kommen! Nachdem wir den Flug einigermaßen überstanden haben, sind wir gestern gut in Santiago de Chile gelandet. Es war aber – wie immer im Flieger – nervig, eng und langweilig. Wie man sich freiwillig 20 Stunden in so einen Rosinenbomber quetschen kann, bleibt mir immer wieder ein Rätsel. 🙂 Jedenfalls sind

wir gegen 10:00 Uhr morgens gelandet und 4 Stunden später hatten wir schon unser Zolldokument, das wir zum Import des Motorrades benötigen, in der Hand. Dazwischen lagen noch die Fahrt nach Valparaiso, einchecken im Hotel und der Weg zur Transportagentur. Besser hätte es nicht laufen können. Heute morgen mußten wir dann zum Lagerhaus, wo wir unser Moped in Empfang nehmen sollten. Zum Glück haben wir immer jemanden

und los geht´s

gefunden, der ein paar Brocken Englisch verstand, denn unsere Spanischkenntnisse lassen doch sehr zu wünschen übrig. Aber alles lief bestens, die Kiste wurde schnell rangeholt, die Papiere waren in Ordnung

laß bloß nicht die große auf die kleine Kiste fallen! 😉

und wir konnten nach drei Stunden aufsteigen und losdüsen. Normalerweise brauchen wir dafür nicht so lange, aber eine Stunde mußte ich noch mit dem Chef des Lagerhauses über die Kosten für die “Auslösung” des Motorrades verhandeln. Zum Glück haben wir eine gemeinsame Sprache gefunden ;-). Inzwischen haben wir uns schon mal ein wenig in Valparaiso umgesehen. Das Gute vorweg, mit unserem Hotel haben wir es sehr gut getroffen. Von unserem Zimmer haben wir einen tollen Blick über die Stadt und den Hafen, das Motorrad steht auch sicher – was will man mehr. Auch die Chilenen sind bis jetzt unheimlich freundlich und hilfsbereit. Jeder gibt sich

Blick über Valparaiso

Mühe uns zu verstehen und weiterzuhelfen. Valparaiso selber ist für unseren Geschmack allerdings ein ziemliches Drecknest. Ich weiß nicht, wer diese Reiseführer schreibt, in denen von “bunten Hügeln und blühenden Landschaften” gefaselt wird, aber manchmal habe ich das Gefühl, die Leute waren noch nie selbst vor Ort. Von unseren Ausflügen in Google Earth waren wir ja schon etwas vorgewarnt, aber es hat sich genau so bestätigt, wie wir es dort gesehen haben. Überall liegt der Müll rum, die Straßen und Gehwege sind eine einzige Katastrophe, Grafitti an jeder dritten Hauswand und so viel streunende Hunde wie hier, haben wir lange nicht mehr gesehen. Dementsprechend ist die Geruchskulisse schon öfter starker Tobak und man sollte wirklich bei jedem Schritt darauf achten, wohin man tritt. Ansonsten landet man

bloß nicht hinter die Fassade schauen

entweder in einer Tretmine oder im Krankenhaus. Aber es gibt natürlich auch schöne Flecken hier, bis jetzt waren sie aber leider die Ausnahme. Also erfreuen wir uns erst mal an den schönen Dingen, z.B., daß der Liter Super hier nur 1,25€ kostet. Das macht sich bei den geplanten Kilometern hoffentlich etwas bemerkbar.

05.01.13 Valparaiso – Santa Cruz

Abfahrt in Valparaiso

smaltalk mit chilenischen BMW Fahrern

Nicht nur die Rallye Dakar startet heute, auch unsere eigene kleine “Rallye” geht nun endlich los. Nachdem wir uns noch einen Tag zum aklimatisieren  gegönnt haben, sind wir heute in Richtung Süden aufgebrochen. Der Abschied von Patricio, unserem Gastwirt in Valparaiso, war sehr herzlich. Wir haben noch einige Tips und Hilfen von ihm bekommen. Bevor es nun richtig losgeht, möchten wir es aber nicht versäumen, uns auch bei allen zu bedanken, die uns im Vorfeld unserer Reise so toll geholfen haben. Viele Ratschläge von anderen Reisenden, Tracks, Kartenmaterial und andere Infos werden uns sicher nützlich sein bzw. waren es schon. Zum Eingewöhnen haben wir heute mit einer gut 300km langen Etappe angefangen – wir sind ja schließlich nicht auf der Flucht. 🙂  Zur Freude meiner Sozia kam nach 50 km auch gleich das erste Pistenstück – das war aber IMO besser zu fahren als so manche kleine Straße, die asphaltiert war. Die ersten Kontakte mit einheimischen Motorradfahrern konnten wir auch gleich machen. Da hielt bei einer Pause gleich mal eine BMW neben uns an und man versorgte uns mit Tips für die weitere Reise. Auch hier war der “Sprachgott” wieder mit uns und man konnte sich auf englisch unterhalten. Bis jetzt klappt es mit der Verständigung noch ganz gut. Mal sehen, wie lange das noch so geht. Aber mit Taschenrechner, Spanischwörterbuch usw. sind wir bis jetzt noch immer weitergekommen.

07.01.13 Santa Cruz – Chanco – Laraquete

Platten Nr.1

Kontaktaufnahme mit den Einheimischen

wenigstens etwas an diesem Tag

Wir setzen unsere Fahrt nach Süden fort und die ersten 1.000 km sind bald erreicht. Eigentlich wären sie das schon, wenn wir nicht schon am dritten Fahrtag die erste Reifenpanne gehabt hätten. Natürlich an einer denkbar ungünstigen Stelle, natürlich schön in der Sonne. Also abrödeln, Flickzeug raus und los geht´s. Nach einer guten Stunde waren wir dann auch bereit zum Weiterfahren. Als wir in der nächsten Ortschaft noch mal den Luftdruck prüfen wollten, wurden wir noch von einem netten Chilenen und seiner Familie angesprochen und gleich in die nächste Kneipe mitgenommen. Der wollte natürlich alles von uns wissen. Woher, wohin usw. Eine kleine Stärkung konnten wir auch gut gebrauchen, wir waren nämlich gut durchgegart. Dann ging´s aber auch weiter in Richtung Conception. Eine Großstadt, die wir nur außen umfahren wollten. Wir hatten die Stadt gerade hinter uns gelassen, da eierte das Hinterrad schon wieder so verdächtig. Das darf doch nicht war sein, gerade mal 100km gefahren und schon wieder ein Plattfuß! Das einzig Gute daran war, das ein paar Meter weiter eine Tankstelle war. Also gab´s Schatten und Luftaufpumpen ohne Quälerei. Also nochmal das Ganze. Rad raus, Reifen runter und diesmal gleich den Ersatzschlauch rein. Der Flicken von der ersten Panne hatte sich gelöst. Der wurde dann am Abend noch mal in aller Ruhe erneuert. Ich weiß, wenn Rolf das jetzt liest, wird er sagen “in Grimme hatte ich aber 3 Platten an einem Tag”. 😉 Aber dafür haben wir volle Ausrüstung dabei 😛 Wenigstens haben wir nach kurzer Suche dann eine kleine Pension direkt am Meer gefunden. Da war als Entschädigung dann noch der Sonnenuntergang am Pazifik drin. Fazit heute: „An Tagen wie diesen…!“

10.01.13  Laraquete – Victoria – Villarrica

der Vulkan Llaima in Sicht

mitten im Nationalpark

da floß die Lava einmal lang

Abfahrt vom „Villarrica“

Endlich kommen wir jetzt in landschaftlich anspruchsvollere Gegenden. Auf der Fahrt nach Victoria zeichnete sich am Horizont schon mal der erste Vulkankegel ab. Auf der Karte rückte die Seenlandschaft nördlich von Puerto Montt immer näher – deshalb sind wir hergekommen. Bis Victoria war die Strecke noch recht unspektakulär, aber am nächsten Tag sollte es schon besser werden. Wir fuhren direkt in Richtung des Vulkans Llaima. Mit 3.125m schon ganz schön hoch und das letzte mal 2008 aktiv zählt er zu den recht aktiven Vulkanen. Die Fahrt durch den dazugehörigen Nationalpark war landschaftlich sehr schön. Eine Schotterpiste auf insgesamt 80 km Länge mit teilweise recht kniffligen Passagen hat uns ganz schön geschlaucht. Wenn´s in ausgewaschenen Serpentinen auf Schotter bergauf geht, dann wird es manchmal schon recht heftig. Vor allem wenn man so beladen ist wie wir. Aber wir haben alles gut hinbekommen und waren guter Dinge als wir endlich wieder Asphalt unter den Rädern hatten. Aber es kommt immer anders als man denkt – jedenfalls dann, wenn die Karten nicht passen. Der weitere Weg nach Villarrica wurde nochmal mit fiesem tiefen Schotter garniert, auf den wir nun wirklich keinen Bock mehr hatten. Also auf der Karte nachgeschaut und eine Alternativstrecke rausgesucht, angeblich ohne Schotter. Aber auch diesmal ging´s nur auf Piste weiter, aber wenigstens fahrbar. Auf dem Navi war zwischenzeitlich keine Strecke mehr zu sehen, um so erfreuter waren wir, daß die Hinweisschilder unterwegs hielten, was sie versprachen. Am Ende des Tages standen dann 130 km Piste und 160 km Asphalt auf der Uhr. Wir waren gut eingestaubt und brauchten jetzt bloß noch ein halbwegs preiswertes Zimmer in Villarrica zu finden. Das ist allerdings einfacher gesagt als getan. Die Gegend hier ist eine reine Touristengegend, dementsprechend ist das Preisniveau ausgelegt. Nach etwas Sucherei haben wir dann doch noch was passendes gefunden. Das Beste daran war, als der Gastwirt nach meinen unzulänglichen Spanischversuchen irgendwann mit einem verschmitzten Lachen zu mir sagte: “Jo mei, redn` ma lieba deutsch mitanand!” Das hätte er aber auch eher sagen können! 😉 Da uns die Pistenfahrerei ganz schön gebeutelt hat und wir uns noch den nächsten Vulkan Villarrica anschauen wollten, haben wir heute noch einen Ruhetag hier eingelegt und sind zum Vulkan raufgefahren. Dort kommt man ungefähr bis zur Hälfte mit dem Motorrad rauf, bevor nichts mehr geht. Das Wetter hat es  dabei heute wirklich zu gut mit uns gemeint. Das Thermometer stieg bis 40 Grad an, das war uns dann doch zu viel. Wir waren froh, als wir wieder in unserer Pension angekommen waren und eine kalte Dusche nehmen konnten. Hoffentlich kühlt es morgen etwas ab, denn bei den Temperaturen den ganzen Tag in Motorradklamotten… das geht gar nicht.

12.01.13 Villarrica – Ensenada

Zum Glück hielt der Wetterbericht, was er versprach. Nämlich, daß es am nächsten Tag wieder etwas kühler werden sollte. So konnten wir bei angenehmen 25 Grad unsere Reise Richtung Puerto Montt fortsetzten. Zwischendurch mußten wir auch ein Stück “Autobahn”

nächste Ausfahrt "Regina" :-)

nächste Ausfahrt „Regina“ 🙂

in Kauf nehmen, da es sonst eine zu große Rumgurkerei auf Nebenstrecken geworden wäre. Was man dort so erlebt, läßt sich mit deutschem Verkehrsverständnis überhaupt nicht beschreiben. Da queren mal eben Fußgänger oder Radfahrer die Autobahn. Anhalten oder parken am Rand ist sowieso okay. Sogar eine Bushaltestelle direkt an der Bahn haben wir gesehen. Hier würde wahrscheinlich jeder deutsche Straßenmeister einen frühen Herztod erleiden, wenn er das miterleben würde. Als wir in

Was für Melonen!  ;-)

Was für Melonen! 😉

Ensenada angekommen sind, wollten wir eigentlich das erste mal unser Zelt aufstellen. Dazu hatten wir auf Heidi´s und Bernd´s track einen Wegpunkt entdeckt, den wir anfuhren. Der Platz war auch ganz in Ordnung, aber als wir den Preis hörten, wurde uns ganz schwindelig. 15.000 Pesos (ca. 24€) wollte der gute Mann für die Nacht haben – so toll war der Platz dann doch wieder nicht. Der nächste Platz war dann schon für die Hälfte zu haben, aber da hätten wir nicht mal unsere ärgsten Feinde unterbringen wollen. Also mal bei den Cabanas (Hütten) angefragt. Der erste

...und am Ende der Straße steht mein Haus am See! :-)

…und am Ende der Straße steht mein Haus am See! 🙂

Versuch hat mich dem Herzkasper ein gutes Stück näher gebracht 😉 Aber  schon beim nächsten Anlauf konnte ich mit ein bisschen Handeln den Preis nach unten drücken. Dafür hatten wir dann eine Hütte direkt am See mit Blick auf den Vulkan Osorno. Schnelles Internet und einen Kühlschrank gab´s auch noch dazu – schon war der Tag gerettet. 🙂 Bei den Aussichten haben wir dann gleich noch einen Tag hier dran gehängt. Kurze Fahrt auf den Vulkan, einen Ausflug nach Puerto Varas

Blick vom Vulkan Osorno auf den Lago Llanquihue

Blick vom Vulkan Osorno auf den Lago Llanquihue

(übrigens eine der saubersten Städte in Chile, die wir bis jetzt gesehen haben), so konnte man den Tag ganz gut rumkriegen. Morgen geht es dann weiter in Richtung der Insel Chiloe. Von dort soll es dann auf die Carretera Austral gehen, wo das eigentliche „Abenteuer Südamerika“ wohl erst anfangen wird. Leider konnten wir im Internet die Abfahrtszeiten der Fähren dort nicht eindeutig ermitteln, so daß wir uns wohl erst vor Ort genau informieren können, wann wir nach Chaiten, zur Carretera, übersetzen können.

16.01.13 Ensenada – Quellon – Coyhaique

Die letzten 2 Tage haben uns wieder ca. 4 Breitengrade oder 500 km weiter südlich gebracht. Der Weg nach Coyhaique, wo wir derzeit sind, war aber schon recht abenteuerlich  bzw. zu keiner Zeit so richtig klar. Als wir in Ensenada aufgebrochen sind, wußten wir nicht so richtig, wie die Fähre uns auf die Carretera Austral, sprich nach Chaiten bringen wird. Denn das war ja unseres näheres Ziel auf dem Weg in den Süden. Also erst mal nach Puerto Montt fahren, da werden wir schon was rauskriegen – dachten wir zumindest. Aber dem

erst mal rüber auf die Insel Chiloe

erst mal rüber auf die Insel Chiloe

war nicht so. Da es auch noch Sonntag war, war mit offenen Büros oder Ticketschaltern eh nichts zu machen. Selbst zwei einheimische Mopedfahrer, die uns Ihre Hilfe anboten, haben nichts über Telefon oder Internet erreichen können. Also gut, dann eben weiter auf die Insel Chiloe, von wo aus es zwei Möglichkeiten gibt, um die Carretera zu erreichen. Entweder von Castro aus oder von Quellon. In Castro haben wir dann endlich einen Fahrplan auftreiben können, der unsere

alte Holzkirche in Castro

alte Holzkirche in Castro

P1000823

Pfahlhäuser auf Chiloe

Internetrecherchen der letzten Woche bestätigte. Leider nicht so, wie wir uns das gewünscht hatten. Die Fähre, die auf dem kürzesten Weg nach Chaiten fährt, geht nur Donnerstags. Das hätte bedeutet, daß wir noch vier Tage auf der Insel rumhängen müssen. Oder aber 180 km zurück nach Puerto Montt, um dort noch die Nachtfähre zu erreichen. Dazu hatten wir aber auch keine richtige Lust, denn so toll war die Strecke nicht. Die letzte Möglichkeit war für uns der nächste Tag, an dem die Fähre von Quellon nach Puerto Chacabuco fuhr, dafür aber 28 Stunden benötigt, was unsere Begeisterung auch nicht gerade vorantrieb. Also zwischen Cholera und Pest gewählt und für die Fähre nach Chacabuco entschieden. Aber ein Ticket kaufen und los, so einfach war das nicht. Als wir am Sonntagabend in Quellon einfuhren dachten wir, uns trifft der Schlag. Das war so ein richtiges runtergekommenes Hafennest. Die Zimmersuche haben wir mit etwas Glück dann wieder gemeistert und ein einigermaßen ansprechendes Plätzchen gefunden. Am nächsten Morgen wollten wir uns dann auf die Suche nach dem Ticketoffice

warten auf die Fähre

warten auf die Fähre

machen. Doch so einfach war auch das wieder nicht. Die Adresse hatten wir zwar aus dem Internet, aber einfach ins Navi eintippen und los war auch hier nicht. Man darf nämlich nicht glauben, daß die Chilenen ihre Häuser in einer fortlaufenden Nummerierung stehen haben. 🙂 Aber mit unseren rudimentären Spanischkenntnissen haben wir uns durchgefragt und endlich das Büro gefunden. Dort ging das Debakel weiter, nicht mal hier wurde etwas englisch gesprochen. Aber der “Sprachgott” war uns auch diesmal wieder wohl gesonnen. Neben uns stand ein

eine Botschafterin der Mapuche Indianer

eine Botschafterin der Mapuche Indianer

Chilene, der unsere Bemühungen nach einem Ticket mit ansah und plötzlich in astreinem Deutsch sagte: “Ich kann Ihnen bestimmt helfen!” Damit war die Buchung dann ein Klacks. Leider gab es keine Kabine mehr, denn der “Dampfer” verfügt nur über 11 Stück. Daß die natürlich schon weg waren, war uns klar. Na ja, 28 Stunden mit ca. 200 Chilenen in der “Holzklasse”, das kann ja lustig werden. Mit südamerikanischer Pünktlichkeit ging es dann am Abend auch los. Auf dem Fahrplan wurde als Abfahrtszeit 18:00 Uhr angegeben, auf dem Ticket stand 19:00 Uhr und abgelegt haben wir dann irgendwann gegen 22:00 Uhr. Das Einchecken auf der Fähre muß man echt mal miterlebt haben. So etwas unorganisiertes haben wir im Leben noch nicht

Fjordlandschaft auf dem Weg von Quellon nach Chacabuco

Fjordlandschaft auf dem Weg von Quellon nach Chacabuco

gesehen. Bloß gut, daß wir mit einem Fahrzeug auf die Fähre mußten, denn die “Fußgänger” waren etwas gekniffen. Nachdem nach ca. einer Stunde die paar Autos und zwei Motorräder an Bord waren, legte die Fähre erst mal wieder ab und die Passagiere blieben an Land. Dann wurden die ca. 200 Leute mit einer winzigen Schaluppe abgeholt, um über die Laderampe der Fähre an Bord gebracht zu werden. Warum man das nicht gleich parallel mit den Autos gemacht hat, konnten wir nicht ergründen. Jedenfalls hat diese Aktion ungefähr drei Stunden gedauert, was die ohnehin späte Abfahrt noch weiter verzögerte. Die Nacht auf der Fähre war die Hölle. Anders kann man es nicht beschreiben. In der Reihe vor uns freche Rotznasen, hinter uns ein paar Greenhorns und direkt über uns der Lautsprecher des TV’s, aus dem Vin Diesel irgendein Actionspektakel auf spanisch abfeuerte. Prima, so hatten wir uns das gedacht. ; -)Der einzige Lichtblick war, daß die

dafür hat sich die Fähre gelohnt

dafür hat sich die Fähre gelohnt

beiden Plätze neben uns frei blieben, so daß ich mich ein wenig lang machen konnte. Mit Ohrstöpseln und Schlafbrille hat es dann auch irgendwann geklappt, daß ich trotz ordentlich Seegang ein paar Stunden knacken konnte. Gina hat die ganze Nacht kein Auge zu bekommen, konnte so aber wenigstens über mich wachen. 🙂 Der nächste Tag brachte aber die Entschädigung für all die Strapazen. Bei Kaiserwetter, was in dieser Gegend nicht

Livemucke on board

Livemucke on board

so oft ist, wie wir erfuhren, haben wir eine Fahrt durch eine traumhafte Fjordlandschaft gemacht. Links und rechts sattes Grün, Berge, Delphine und sogar ein Gletscher, der zu sehen war. Das hat uns den Tag wieder versüßt. Dazu haben wir vor und auf der Fähre tolle Menschen kennen gelernt, mit denen man sich gut unterhalten konnte. Sogar eine Botschafterin der Mapuche Indiander war dabei, mit der wir mit Hilfe eines argentinischen Paares ein paar Worte wechseln konnten. Ein paar Jugendliche haben an Deck Livemusik im südamerikanischen Stil gemacht – ein prima Tag letztendlich. Nachdem wir immer wieder unseren Standort auf dem GPS mit der Karte verglichen hatten haben wir festgestellt, daß es die Möglichkeit gab, die Fähre schon vor dem geplanten Zielhafen zu verlassen. Denn bis Chacabuco wäre wieder eine Nacht

angekommen auf der Carretera Austral

angekommen auf der Carretera Austral

unter Deck fällig gewesen – darauf hatten wir nun wirklich keinen Bock mehr. Außerdem wären wir dann wahrscheinlich mitten in der Nacht dort angekommen. Also kurzfristig den Plan geändert und schon in Puerto Cisnes von dem Kutter runter. Von hier aus kann man die Carretera Austral auch erreichen, sogar fast alles auf Asphalt. Wir mußten dann zwar noch bis Coyhaique fahren, um eine vernünftige Schlafgelegenheit zu finden. Aber bei der Landschaft und der tollen Kurvenstrecke war das eher Vergnügen denn Anstrengung. Zu erwähnen ist noch, daß uns hier im Ort auch gleich zwei einheimische Motorradfahrer bei der Zimmersuche geholfen haben. Toll, wie die Hilfsbereitschaft, besonders unter den Bikern, hier ankommt.

18.01.13 Coyhaique – Puerto Tranquilo

Nach zwei Tagen in Coyhaique ging es weiter auf der Carretera Austral nach Süden. Leider war nach 100 km Schluß mit Asphalt und es wechselte auf Schotter. Als wir nach 120 km

unterwegs auf der Carretera Austral

unterwegs auf der Carretera Austral

Puerto Tranquilo erreicht hatten, waren wir so “gut drauf”, daß wir gleich noch einen Abstecher ins Valle Exploradores machen wollten. 😉 Dort ist eine tolle Landschaft zu sehen – immer am Rio Tranquilo entlang, bis man zu einem Gletscher kommt. Den erwarteten Zeltplatz, der im Ort ausgeschildert war, haben wir schnell wieder verlassen, denn das, was dort zwei deutsche Aussiedler betreiben, kann man schlecht in Worte fassen. Ich kann bestimmt einiges vertragen, aber da war der Ekelfaktor deutlich überschritten. Also wieder zurück nach Puerto Tranquilo und

schlafen in 80*80cm Boxen - das rollende Hotel

schlafen in 80*80cm Boxen – das rollende Hotel

dort eine Cabana genommen. So standen dann am Ende des Tages 320 km auf der Uhr, 220 davon auf Schotter. Dementsprechend gut paniert waren wir und unser Moped. Man darf aber nicht denken, daß wir die einzigen Verrückten sind, die sich sowas freiwillig antuen. Es geht immer noch etwas härter. Auf der Carretera haben wir reichlich Fahrradfahrer getroffen, die ihren voll beladenen Drahtesel über den Schotter manövrieren. Wir als Mopedfahrer sind schon

verrückter geht immer ;-)

verrückter geht immer 😉

dumm dran, wenn uns auf der Piste ein Auto oder LKW entgegenkommt, aber die Fahrräder stehen dann völlig im Dunkeln. Man darf übrigens nicht glauben, daß so ein entgegenkommendes Auto in irgendeiner Weise Rücksicht nimmt, oder die Fahrt verlangsamt. Da geht es in voller Fahrt weiter. Die Kati hat übrigens bisher alles gut weggesteckt, von einem losvibrierten Fußbremshebel mal abgesehen. Das ist bei der Rappelei aber mehr als gut. Den nächsten Tag sind wir noch hier geblieben, um uns die Marmorhöhlen am Lago General Carrera anzuschauen. Dieser ist

Luft anhalten und durch!

Luft anhalten und durch!

übrigens der zweitgrößte See in Südamerika, hat eine fast unwirklich blaue Färbung und ist ringsum mit Marmorfelsen umgeben. Diese wurden während einer Eiszeit ausgehöhlt, wodurch diese “Grotten” entstanden sind. Natürlich wird das ganze touristisch feilgeboten, was sich an den Preisen im Ort deutlich wiederspiegelt. Der Bootstrip auf dem Lago war aber trotzdem sehr schön. Morgen soll es dann nach Argentinien weitergehen. Wir sind schon gespannt, wie es an der Grenze laufen wird. Da wir noch keine argentinischen Peso haben, wollen wir lieber den Grenzübergang Chile Chico/Los

die Marmor Höhlen vom Lago General Carrera

die Marmor Höhlen vom Lago General Carrera

Antíguos nehmen, denn dort ist eine Stadt, wo wir hoffen, Geld ziehen zu können. Weiter südlich ginge auch und ist wohl landschaftlich auch schöner, aber so ist es uns sicherer. Übrigens haben wir von unserem Vermieter hier erfahren, daß unsere Fähre, mit der wir nach Chacabuco fahren wollten, erst morgens um 3:00 Uhr einlief und die Passagiere erst um 8:00 Uhr das Schiff verlassen durften. Also, alles richtig gemacht! 🙂

20.01.13 Puerto Tranquilo – Los Antiguos

So, nun haben wir Argentinien auch erreicht. Zwar einen Tag später als geplant, aber dazu gleich mehr. Am Abend nach unserem “Höhlenausflug” ging es mir schon nicht mehr so richtig gut, und am nächsten Morgen ging gar nichts mehr. Fieber, Schüttelfrost, Kreislauf

da fällt es schwer auf die Piste zu achten

da fällt es schwer auf die Piste zu achten

– das volle Programm! An Weiterfahren war nicht zu denken. Wir haben zuerst auf Sonnenstich getippt und die alten Hausmittelchen wie kalte Wadenwickel probiert. Dazu ein paar Ibuprofen eingeworfen, um das Fieber in den Griff zu kriegen. Nach einem Tag Ruhepause sah es dann auch erst mal ganz gut aus und ich dachte schon, der Kelch sei noch mal an mir vorbeigegangen. Also rauf auf die Mopete und immer am Lago General Carrera entlang. Unsere Entscheidung, diese Route zu nehmen, sollte sich als gute Wahl herausstellen. Die Landschaft war einfach toll,

kurze Pause um die Aussicht zu genießen

kurze Pause um die Aussicht zu genießen

man hätte alle paar hundert Meter anhalten können, um neue Fotos zu schießen. Zwar hätte uns nach nur 10 km beinahe ein Pickup Fahrer abgeschossen, der uns in einer Kurve voll auf unserer Seite entgegen kam, aber wir haben noch mal Glück gehabt. So gesittet die Chilenen sich auch im Straßenverkehr benehmen – wenn sie auf der Piste unterwegs sind, scheinen sie ihr Gehirn auszuschalten. Gegen Mittag haben wir dann die Grenze nach Argentinien erreicht. Etwas Bedenken hatten wir schon, wie gut es laufen würde. Es war Sonntag, dazu noch Siesta Zeit – wir waren gespannt. Aber all unsere Sorgen waren umsonst. Nach einer knappen halben Stunde hatten wir die Aus- und Einreise erledigt. Alle Stempel waren an der richtigen Stelle, auch das Zolldokument für´s Moped war kein Problem. Vielleicht lag es auch mit daran, daß der argentinische Zollbeamte etwas von Motorrädern verstand. Hat er doch sofort erkannt, daß wir mit großen Fernreisetanks unterwegs sind. Damit war das

in Chile heißt der See noch "Lago General Carrera"

in Chile heißt der See noch „Lago General Carrera“

Zolldokument erledigt. 🙂 So waren wir am frühen Nachmittag in Los Antiguos, der ersten Stadt auf argentinischer Seite. Zum Weiterfahren hatten wir keinen Bock mehr, denn die nächste Etappe war noch 430 km lang. Erst da kommt die nächste Tankstelle. Außerdem waren wir von der Hitze wieder ganz schön geschafft. Die 30° Marke war auch heute wieder kein Thema.

21.01.13 Los Antiguos

Unsere Weiterfahrt wurde heute erneut unterbrochen. Ich weiß nicht, was mich erwischt hat, aber auf jeden Fall ist es mit ein paar Ibu´s nicht getan. Das Fieberthermometer stand fast auf 39° und ich war fertig, wie selten zuvor. Jetzt gab es nur zwei Möglichkeiten. Entweder das Antibiotikum aus der Reiseapotheke ziehen, oder hier zu einem Arzt gehen. Nach kurzer Rücksprache mit der heimatlichen Notseelsorge haben wir uns für die erste Möglichkeit entschieden. Erstens, weil es sich wohl doch um eine Art Infekt handelt und

Rien ne va plus!

Rien ne va plus!

zweitens, weil der Gang zum Arzt ohne Dolmetscher mir nicht ganz sinnvoll erscheint. Wie auch immer, nach den ersten 24 Stunden mit den “Drogen” geht es mir schon wieder besser. Das Fieber ist weg und leichte Kost läßt sich auch schon wieder aufnehmen. Vielleicht liegt es auch an Rolf´s moralischer Unterstützung. Er meinte “Einen KTM-Fahrer bringt nix um, und wenn doch, dann steht er halt wieder auf!” 🙂 Zum Glück hat auch die Temperatur etwas nachgelassen, wir haben jetzt nur noch 26° ;-). Zu erwähnen wäre noch, daß die Argentinier sehr hilfsbereit sind. Unsere Wirtsleute helfen gleich mit Magnesiumpulver, damit ich wieder auf die Beine komme.

24.01.13 Los Antiguos – Gobernador Gregores

Das mit dem “Auf die Beine kommen” hat dann doch drei Tage gedauert. Meine Fresse, weiß der Teufel, was ich mir da für einen Mist aufgesackt habe. Aber wenigstens 90 %-ig wollte ich schon fit sein, bevor es weiterging. Denn die nächste Etappe war gleich mal über

Plattfuß Nr.3

Plattfuß Nr.3

400 km lang, davon 100 auf Piste – so sagte es jedenfalls die Karte. Wie fit ich wirklich sein mußte, sollten wir dann heute schon nach gut 30 km sehen. Denn da meldete sich Plattfuß Nr. 3 an. Natürlich wieder hinten – es könnte ja auch mal einfach sein! Zwar  war heute das Wetter zum Glück nicht so heiß, dafür zierte sich der Reifen umso mehr, bis er endlich von der Felge sprang. Das hat uns dann genauso zum schwitzten gebracht. Aber mit Hilfe der weltbesten Co-Mechanikerin haben wir das Drecksding dann doch in die Knie gezwungen. 🙂 So hat

Straße ohne Ende

Straße ohne Ende

uns diese Aktion glatt zwei Stunden gekostet, bis wir weiter konnten. Ursache war übrigens ein Riß im Schlauch, der durch den Reifenhalter verursacht wurde (Erinnerungen an Asien werden wach). Also gleich raus mit dem Miststück – wir wollen ja schließlich keine Sandetappen fahren. Auf den weiteren 400 km merkten wir dann, daß wir in Patagonien angekommen sind. Die Straße schnurgerade bis zum Horizont, links und rechts nichts und natürlich der patagonische Wind. Der war zum Glück nicht so stark, daß er uns von der Straße geweht hätte, aber

Guanakos - laufen auch gern mal quer vor´s Moped

Guanakos – laufen auch gern mal quer vor´s Moped

immerhin haben wir unsere Regenjacken übergezogen, weil es ordentlich gezogen hat. Ach ja, und die ersten typischen südamerikanischen “Viecher” konnten wir sichten. Nandus und Guanakos waren ab und zu am Straßenrand zu sehen. Die Strecke hatte dann doch weniger Pistenanteil als vermutet. Das lag aber u.a. daran, daß wir kilometerlang auf der eigentlich noch gesperrten neu asphaltierten Strecke gefahren sind, die parallel zur alten Piste verläuft. Auch stimmten die Kartenangaben wieder mal nicht. Da, wo Asphalt sein

Nandus - Strauße im Kleinformat

Nandus – Strauße im Kleinformat

sollte, war Piste und umgekehrt. Aber wenn Piste, dann war sie meistens mit Vorsicht zu genießen. Immer wieder war loser Schotter dabei, bei dem man verdammt auf seine Spur achten mußte. Nach insgesamt 8 Stunden haben wir dann aber unser heutiges Etappenziel wohlbehalten erreicht.

26.01.13 Gobernador Gregores – El Chalten

Weiter Richtung Südwesten führte uns die nächste Etappe, 300km bis nach El Chalten. Diesmal sollte auch die Karte Recht behalten. Von den eingezeichneten 115km Piste war

so werden hier Straßen gesperrt

so werden hier Straßen gesperrt

noch nichts weiter asphaltiert. Also Augen zu und durch. Es wurde zwar überall auf der Strecke gebaut, aber so wie sonst, daß wir uns auf schon fertig gestellte Teilstücke mogeln konnten, das gab´s nur ganz kurz zu Anfang der Strecke. Dabei stellt sich aber immer die Frage, kommt man am anderen Ende auch wieder an der Absperrung vorbei – zurück auf die Piste? Aber wir fahren ja schließlich eine Enduro, nicht wahr!? Wie es Guanakos ergeht, die es nicht auf „die andere Seite“ schaffen, konnte wir heute auch öfter sehen. Da die Landschaft hier links und rechts der Piste fast

Verluste gibt´s überall

Verluste gibt´s überall

ausnahmslos eingezäunt ist, müssen die armen Viecher immer über die Zäune springen. Das klappt aber anscheinend nicht immer. Als wir in dem Kaff Tres Lagos endlich die Piste hinter uns hatten, warteten nur noch 120 km Asphalt auf uns. Aber auch die hatten es diesmal in sich. Der patagonische Wind brachte sich mal wieder in Erinnerung und bließ rechtordentlich von der Seite. Aber mit dem Ziel vor Augen, welches sich in Form des Mt. Fitz Roy am Horizont abzeichnete, konnte uns der Wind auch diesmal nichts anhaben. Unser „Dampfer“ lag gut auf der Strecke und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Abends aber dann doch noch eine böse

der Mt. Fitz Roy von vorn und der patagonische Wind von der Seite

der Mt. Fitz Roy von vorn und der patagonische Wind von der Seite

Überraschung. Der Infekt, der mich seit ein paar Tagen in Schach hält, hat jetzt anscheinend auch bei Gina zugeschlagen. Also noch schnell in die Farmacia gelaufen und ´ne Familienpackung Antibiotika geholt. Die gibt´s hier wie Hustenbolchen ohne Rezept. Jetzt  muß das Zeug nur noch bei Gina so helfen wie bei mir.

29.01.13 El Chalten – El Calafate

Nach einem weiteren Tag “Zwangspause” waren wir heute wieder soweit reisetauglich, daß

immer dabei - der patagonische Wind

immer dabei – der patagonische Wind

wir die 220 km bis nach El Calafate abspulen konnten. Dort noch schnell ein Zimmer gesucht und noch 75 km weiter zum Perito Moreno Gletscher. Den wollten wir uns auf jeden Fall ansehen. Die Fahrt dorthin und den unverschämt hohen Eintritt von ca. 15 € Euro pro Nase haben wir allerdings nicht bereut. Von allen Gletschern, die wir bis jetzt gesehen haben, ist dieser hier wirklich der Oberknaller! Überall knirscht es im Eis und ständig bricht ein mehr oder weniger großes Stück vom

der Perito Moreno - ohne Worte!

der Perito Moreno – ohne Worte!

Gletscher ab und stürzt ins Meer. Das ist schon ein einmaliges Schauspiel, welches man da erleben kann.

30.01.13 El Calafate – Comandante Luis Piedra Buena (ich hab mir den Namen nicht ausgedacht)

Durch unsere vielen Pausen, die wir zwangsläufig in den letzten Tage einlegen mußten, ist unser Zeitplan etwas durcheinander geraten. Aber Gesundheit und Sicherheit gehen nun mal vor, da gibt´s keine Kompromisse! So haben wir dann – nach einigem hin und her-

die Ruta 3 - nothing!

die Ruta 3 – nothing!

beschlossen, unseren Trip hier umzukehren und nicht mehr bis Ushuaia weiter zu fahren. Schließlich müssen wir in drei Wochen wieder in Valparaiso sein, um unser Moped zu verladen. Bis dahin sind es zwar nur noch gut 3.000 km, aber die letzten Tage haben uns gezeigt, wie schnell mal was dazwischen kommen kann. Aus diesem Grund nehmen wir auch den Weg über die “langweilige” Ruta 3 entlang der Ostküste. Diese hat den Vorteil, daß sie durchgängig asphaltiert ist. Dafür kommt unterwegs wirklich nichts. Auf die Frage, die ich neulich einem argentinischen Motorradfahrer nach dem Unterschied zwischen Ruta 40 und Ruta 3 stellte, sagte dieser “Ruta 40 – there´s nothing, Ruta 3 – there´s nothing nothing!” Dies hat sich heute schon mal bestätigt. Aber dafür sind wir schon mal 500 km weiter gekommen. Bei gemischten Strecken, mit Pistenanteil ist das nicht so einfach zu schaffen.

01.02.13 Comandante Luis Piedra Buena  – Comodoro Rivadavia – Esquel

Die letzten 1.600 km waren blanke Kilometerfresserei. Im nachhinein frage ich mich, ob es richtig war, über die Ruta 3 einen Teil des Rückweges anzutreten. Wenn es hunderte von

hier wird in der Pampa gegen das Verdursten Wasser geopfert

hier wird in der Pampa gegen das Verdursten Wasser geopfert

Kilometern nur geradeaus durch öde Pampa geht, dazu ein fieser Wind immer von der Seite weht, kommt man sich manchmal ganz schön verlassen auf dem Moped vor. Da hört man auf jedes noch so kleine Geräusch am Moped – sofern man bei dem Wind überhaupt was hören kann – und betet, daß nichts kaputt gehen möge. Besonders auf dem Stück der Ruta 3, das direkt am Atlantik verlief, gab es zwei drei Situationen, auf die ich gut und gern verzichtet hätte. Wenn der Wind eh schon heftig von links weht, die Steilküste zum Atlantik 10 bis 20 m rechts von Dir beginnt, die Straße gut mit Spurrillen durchzogen ist und Dir dann ein Sattelzug entgegen kommt, der Dir noch mal extra eins in die Fr…. gibt, dann fängt man das beten unweigerlich wieder an. 😉 Aber was soll´s, wir haben die Strecke gut

argentinische Luftprüfstation

argentinische Luftprüfstation

gepackt und dem Wind haben wir gezeigt, daß eine KTM nicht so leicht von der Straße zu pusten ist. Der Einzige, dem das Ganze nicht so gut bekommen ist, ist unser Hinterreifen. Der Heidenau K60, der eigentlich für 10.000 km gut ist, hat jetzt -nach gerade mal 6.000 km – noch ca. 1 mm in der Mitte stehen 😦 Entweder habe ich einfach mal daneben gegriffen, oder es liegt daran, daß ich die letzten 2-3.000 km nie mit genauem Luftdruck gefahren bin. Dieses Thema wird nämlich in Deutschland völlig überbewertet. Wenn man in Argentinien überhaupt mal eine Tankstelle mit funktionierender Luftstation findet, dann hängt meistens nur ein Stück Schlauch in der Gegend rum, mit dem man nach Gefühl aufpumpen kann. Druckanzeige ist dabei völliger Luxus! Wie auch immer, die letzten 2.000 km wird unser Reifen wohl noch mitspielen müssen. Ich glaub nicht, daß ich hier so ruck zuck was passendes als Ersatz finden werde.

auf dem Weg zum Cerro la Cruz

auf dem Weg zum Cerro la Cruz

Der Gastwirt, bei dem wir gerade hier in Esquel sind, fährt eine BMW K1200 (komisch, daß die Argentinier alle BMW bevorzugen). Auf die Frage, wo er denn seine Reifen kauft, sagte er mir “in Buenos Aires!” Na prima, das liegt nun nicht gerade auf unserem Weg. Apropos Weg, jetzt wo wir uns wieder der Andenkette genähert haben, ist die Landschaft gleich um einiges interessanter geworden. Es gibt wieder Kurven und Berge und wir werden unseren weiteren Weg nach Norden wohl in gemischter Weise auf kleineren Straßen sowie der Ruta 40 fortsetzen. Wir hoffen mal, daß die Nationalparks, die auf der argentinischen Karte eingezeichnet sind, noch einige interessante Landschaften zu bieten haben. Heute konnten wir schon mal die Aussicht vom Cerro la Cruz genießen, der hier in Esquel zu befahren ist. Ja befahren. Wir konnten auf

Blick auf Esquel

Blick auf Esquel

einer kleinen Schotterpiste bis zum Gipfel fahren und dort die auf die Stadt runter blicken. Ohne lästigen Touristenrummel – versteht sich! Ganz zufällig lag hier oben auch noch ein Cache versteckt. Da konnte man mal wieder Angenehmes mit Angenehmem verbinden 😉

03.02.13 Esquel – San Carlos de Bariloche

Der 03.02. war natürlich wieder ein besonderer Tag. Wieder mal feiert meine Frau Ihren Geburtstag auf einem anderen Kontinent. Der Tag ging prima los. Nicht nur, daß wir hier in Esquel seit langem ein richtig gutes Frühstück genießen durften, auch Gina´s beste Freundin

Alles Gute zum Geburtstag

Alles Gute zum Geburtstag

hat per Mail für eine kleine Überraschung zum Frühstück gesorgt. Die Wirtin kam mit einer Rose und ausgedruckter Karte zum Frühstück und überbrachte die Glückwünsche persönlich. Da sind schon ein paar Tränen geflossen… Da wir an diesem Tag noch bis San Carlos de Bariloche weiter wollten, ging´s dann doch irgendwann los. Von mir gab´s deshalb als Geburtstagsgeschenk 70 km Schotterpiste mit dem Prädikat “extra staubig”. 😉 Wir wissen nicht woran es lag, aber auf dieser Piste war

im Naturpark unterwegs

im Naturpark unterwegs

unheimlich viel Verkehr. Die Autos kamen uns im Minutentakt entgegen, dementsprechend gut gepudert waren wir danach. Und gerade als wir glaubten, es geschafft zu haben, gab´s nach der nächsten Ortschaft noch mal 40 km Schotter als “Zugabe”. So mußten wir uns ganz schön lang machen um nach weiteren 260 km Asphalt endlich in Bariloche anzukommen. Die Ankunft dort war jedoch mehr als ernüchternd. Oft hatten wir schon von dem “schönen” Bariloche gehört. Unser Urteil lautete jedoch einstimmig “was für ein Drecksnest!” Wenn nicht der See und die Berge ringsum wären, könnte man dieses Nest glatt zusch….!

04.02.13 San Carlos de Bariloche – Villa La Angostura

Daß Gina sich nicht mit einem Geburtstagsgeschenk zufrieden gibt, wußten wir beide bei unserer Abfahrt heute morgen noch nicht. Endlich froh, wieder auf schönen Straßen

da war die Welt noch in Ordnung

da war die Welt noch in Ordnung

unterwegs zu sein, sollte es heute eigentlich bis San Martin de los Andes gehen. Durch den Nationalpark “Nahuel Huapi” wollten wir endlich mal wieder Berge, Kurven  und  Seen genießen. Das ging die ersten 100 km auch ganz gut.  Und gerade, als ich zu Gina sagte “was haben wir für ein Glück, das die vermeintliche Piste doch schon asphaltiert ist…” gab´s einen Mordsknall. Die ganze Fuhre schlingerte drei mal hin und her, links, rechts, links, gerade… Ich weiß jetzt nicht mehr wie,

Excel Felgen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren

Excel Felgen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren

aber irgendwie haben wir die Karre zum stehen gebracht, ohne dabei einen Abflug zu machen. Das Navi, das ich heute Abend ausgelesen habe, zeigte eine Geschwindigkeit von 80 km/h an, als es knallte. Beim Absteigen dachten wir beide noch an einen plötzlichen Reifenplatzer, aber schon der erste Blick verriet Schlimmeres. Die Hinterradfelge war gebrochen! So ein verdammter Mist!!! Erst jetzt wurde uns langsam klar, was wir heute für ein Glück gehabt haben und quasi gleich noch mal Geburtstag feiern durften. Während ich mit dem ersten Auto, das wir angehalten hatten, zum nächsten Parkranger

Absicherung auf südamerikanisch ;-)

Absicherung auf südamerikanisch 😉

fuhr, sicherte Gina schon mal den Ort des Geschehens mit einem selbst gebasteltem Warndreieck ab. Ansonsten hätten die vorbeifahrenden LKW´s der KTM wohl den Rest gegeben. 🙂 Auch bei diesem “Test”, den uns unser Reisegott auferlegt hat, haben wir anscheinend wieder eine Menge Glück. Nicht nur, daß wir unversehrt geblieben sind, beim Ranger war grad Jemand zu Besuch, der englisch sprach. So konnten wir die Abschleppaktion schon mal vernünftig klären. Nach – für südamerikanische Verhältnisse – unglaublich kurzer Zeit stand die KTM  90 Minuten nach

da ist er schon, der argentinische ADAC ;-)

da ist er schon, der argentinische ADAC 😉

dem Knall fertig verzurrt auf dem Abschleppwagen. Zum Glück lag auch die nächste Stadt nur 20 km entfernt, so daß wir uns sofort um ein Hostel und unser Moped kümmern konnten. Auch hierbei scheint uns das Glück nicht im Stich zu lassen. Nach etwas Sucherei haben wir hier im Ort eine kleine Motorradbude gefunden. Der Chef meinte, er könnte uns eine 2,15” Felge einspeichen, wenn nur die Anzahl der Speichen paßt. Das ist zwar nicht ganz genau das, was wir brauchen, aber hier darf man halt nicht so wählerisch sein. Das fertige Rad sollen wir sogar schon am nächsten Abend abholen können. Na ja, wir lassen uns überraschen. Wenn das klappt, wäre es natürlich die schnellste und günstigste Lösung, die wir kriegen können. Alles andere würde viel mehr kosten und/oder wesentlich länger dauern. Wir werden berichten, wie es weiter geht…

06.02.13 Villa La Angostura – Zapala

Natürlich waren wir am nächsten Abend überpünktlich bei der Mopedbutze um zu sehen, ob alles geklappt hat. Am Morgen haben wir allerdings nochmal angerufen, um uns nach der “Gebrauchsfähigkeit” unseres alten Reifens zu erkundigen. Aber dieser hatte bei unserem “Stunt” wohl den Gnadenschuß abbekommen und war nun echt nicht mehr zu

der "Reifenbringdienst" is da!

der „Reifenbringdienst“ is da!

gebrauchen. Recht erstaunt waren wir, als uns der Chef einen Metzeler Karoo in der passenden Größe auf den Tisch legte. Damit hätten wir in so einem kleinen Laden nun wirklich nicht gerechnet. Der Preis ließ mir zwar das Blut in den Adern gefrieren, aber was soll´s, ein neuer Schlappen mußte sein. Wie besprochen, war um 19:00 Uhr alles fertig. Dann ging´s ab zum Abschleppdienst, wo wir unser Moped solange parken durften. Das Rad war ruck zuck eingebaut und nach einer kurzen

noch schnell die Bremsscheibe dran

noch schnell die Bremsscheibe dran

Probefahrt auf der staubigen Dorfstraße haben wir unsere Sachen wieder aufgerödelt und sind ins Hostal gefahren. So stand uns unsere LC8 nach nur 31 Stunden wieder gebrauchsfertig zur Verfügung – wär hätte das gedacht. Zwischenzeitlich haben wir natürlich noch ein paar andere Optionen durchgespielt, falls das mit der Felge nicht geklappt hätte. Ganz besonderen Dank an dieser Stelle an Henning, Inge & Manfred, Saskia & Marcus, Ariel, Marisa & Federico, die uns mit Rat und Tat zur Seite standen. Schön, wenn man merkt, daß man am A….. der Welt nicht

Probefahrt gehört natürlich dazu ;-)

Probefahrt gehört natürlich dazu 😉

vergessen wird! Allerdings müssen wir eingestehen, daß uns auch heute, zwei Tage später, der Schreck noch ganz schön in den Knochen sitzt. Gegen diese Aktion war der patagonische Wind ein “Kindergeburtstag”! Heute ging es dann weiter Richtung Norden bis nach Zapala. Nachdem wir unsere Route noch kurzfristig auf “pistenfrei” geändert hatten, fuhren wir vorwiegend auf der Ruta 40 weiter. Pistenfrei deshalb, weil wir der neuen Felge, die nun mal keine Originale ist, nicht gleich das volle Programm zumuten wollen. Unser Gesamtgewicht dürfte als

on the road again

on the road again

“Erstbelastung” sicher erst mal ausreichend sein. 😉 Durch die etwas schmalere Breite der Felge fährt sich das Moped im Moment noch etwas “kippliger” als vorher. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein, da die Straßen hier von Spurrillen und Bitumenschmierereien nur so übersät sind. Das trägt auch nicht unbedingt zur Laufruhe bei. Enttäuschend war allerdings wieder mal die Landschaft. Kaum aus dem Naturpark raus, verwandelte sich die Gegend wieder in öde Pampa – und das auf ca. 350 km. Da war unterwegs nichts, keine Tanke, kein Restaurant – nothing, nada, niente! In Zapala angekommen, welches auch nicht gerade zu den Glanzlichtern argentinischer Städtebaukunst zählt, haben wir beschlossen, nun auf direktem Weg nach Valparaiso zurückzukehren. Der ursprünglich geplante Weg über Mendoza sieht zumindest auf der Karte genauso aus, wie der heutige. Darauf haben wir keinen Bock mehr! Und sollte wirklich noch irgendwas mit dem Rad sein, dann gibt´s in Chile hoffentlich mehr Möglichkeiten, was zu richten. Also, back to Chile!

7.02.13 Zapala – Victoria

Der Weg über die Grenze verlief völlig problemlos. Die Ausreise aus Argentinien war in 10 Minuten erledigt, dann ging´s zum chilenischen Grenzposten. Wenn er denn bloß kommen

man beachte die losen Felsbrocken ganz oben

man beachte die losen Felsbrocken ganz oben

würde. Nach sage und schreibe 30 km kam dann endlich der Posten mit einer einer ziemlich langen Schlange Autos davor. Da haben wir gleich mal mit einer längeren Einreisedauer gerechnet. Aber wie das auch bei Ampeln so üblich ist – Motorräder dürfen bis vorn vorfahren. 😉 Also, bis vor zum Häuschen und da waren dann gar nicht so viele Leute am Schalter. Nach 20 Minuten waren die Stempel, wo sie hingehören, das neue Einreisedokument für´s Motorrad war ausgefüllt – welcome back

im "Niemandsland" zwischen Argentinien und Chile

im „Niemandsland“ zwischen Argentinien und Chile

to Chile! Kaum waren wir übrigens in den Bergen zwischen Chile und Agentinien angelangt, wurde die Landschaft deutlich grüner und abwechslungsreicher. Kein Vergleich mehr zu den langweiligen Strecken in Argentinien. Man merkt eben gleich, daß hier vor den Bergen mehr Regen runterkommt, als dahinter. Auf dem Weg nach Victoria gibt´s einen 4,5 km langen Tunnel, der nur einspurig befahren wird. Da trafen wir in der Warteschlange auf Gustavo und seine Freundin, die auch auf einer LC8 Adventure unterwegs waren. Prima, gleich mal etwas Benzin reden unter KTM Fahrern. Daß uns Gustavo, der Chilene ist, in perfektem Deutsch ansprach, hat uns dann schon sehr

KTM Adventure Treffen in Südamerika ;-)

KTM Adventure Treffen in Südamerika 😉

überrascht. Aber das hat die “Völkerverständigung” natürlich erheblich erleichtert. Nachdem wir von den Beiden noch einen Tip für ein nahegelegenes Restaurant bekommen hatten, wurde sich verabschiedet. Natürlich wurden vorher noch ein paar Fotos zur Erinnerung geschossen. Die KTM läuft übrigens weiterhin ganz gut auf der neuen Felge. Allerdings fährt sie jeder Spurrille nur so hinterher – und davon gibt´s hier reichlich! 😉 Aber was soll´s, Hauptsache die Karre rollt!

09.02.13 Victoria – Curico – Valparaiso

Die Rückfahrt nach Valparaiso haben wir dann auf der Ruta 5, der Autobahn von Nord nach Süd in Chile, gemacht. Fahrerisch jetzt nicht gerade anspruchsvoll, aber das waren die

kurzer Fotostop auf der Autobahn - in Chile kein Problem :-)

kurzer Fotostop auf der Autobahn – in Chile kein Problem 🙂

endlosen Straßen in Argentinien auch nicht. Dafür gab´s auf der Pan Am ´ne Menge lustige Sachen zu sehen. Wir sind aus dem Lachen manchmal gar nicht mehr rausgekommen. Da laufen Kühe und Hühner direkt neben der Fahrbahn. Radfahrer und Fußgänger gibt´s in beide Richtungen (je Fahrspur wohlgemerkt). Der Bus hält direkt an der Autobahn, und und und. Jede deutsche Autobahnpolizei würde hier sofort ´nen Herzkasper kriegen. 😉 Als wir den Wegweiser mit der Aufschrift “Los Angeles” lasen, dachten wir schon, wir wären zu weit nach Norden gefahren. 😉 Aber diese Städte gibt´s hier unten auch. Man

ham´wir  uns jetzt verfahren?

ham´wir uns jetzt verfahren?

muß deswegen also nicht unbedingt in die USA. Nach einem Zwischenstop in Curico sind wir dann am nächsten Tag weiter nach Valparaiso gefahren. Dabei sind wir gleich mal über den Airport in Santiago gefahren, um unsere Rückflugangelegenheiten zu klären, aber es gibt tatsächlich Airlines, die am Wochenende nicht arbeiten. Dumm gelaufen für uns, denn es war ausgerechnet Samstag. Diese Angelegenheit konnten wir dann aber, Gott sei Dank, mit freundlicher Unterstützung aus der Heimat regeln. Dank der modernen Technik war die

dann doch lieber mir der KRM über die Piste :-)

dann doch lieber mir der KRM über die Piste 🙂

Umbuchung dann kein Problem mehr. Vielen Dank an dieser Stelle noch mal an Iris! Nachdem wir noch einen Tag im wunderschönen Valparaiso 😉 verbracht und uns im Hafenviertel über die Touristen amüsiert  haben, blieb uns heute nur noch der Weg zum Zoll übrig. Das ist ja immer so eine Sache mit den Behörden, man weiß nie, wie gut sie drauf sind und wie schnell es geht. Noch dazu hatten wir hoch gepokert, denn unser Flug geht morgen. So hatten wir nur diesen einen Tag um alle Formalitäten – einschließlich verpacken des Motorrades – zu erledigen. Aber auch diesmal hatten wir Glück. Bis auf ein bißchen Warterei beim Zoll verlief alles wie am Schnürchen. Dann ab zum Lagerhaus und das Moped einpacken. Nach nur 1,5 Stunden hatten wir unser KTM wieder verpackt – das will was heißen – mußten wir doch alles in der prallen Mittagssonne bei über 40° machen. Schatten gab´s hier nirgends! Damit ist nach ziemlich genau 8.000 km unser kleiner Trip zu Ende. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen Lesern und für die Kommentare. Es hat wieder Spaß gemacht mit Euch!

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Game over!

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Baltikum 2012

Im Sommerurlaub soll es dieses Jahr mal wieder nach Norden gehen. Aber nicht, wie schon so oft versucht, nach Norwegen, sondern Richtung Baltikum. Drauf gebracht haben uns Ute & Rolf, als wir an einem Wochenende im Frühjahr über das Reisen philosophiert haben. Wir haben die Entscheidung allerdings ewig hinausgezögert – unsere Erfahrungen mit dem Norden sind wettertechnisch ja nicht gerade die Besten. So haben wir dann erst am Montag die Fähre nach Helsinki gebucht – gerade mal vier Tage vor Urlaubsbeginn. Damit die Fahrt nach Rostock nicht so eine Hetzerei wird, sind wir Freitag nach Feierabend schon mal losgeschüsselt, um auf kleinen Straßen durch die Lüneburger Heide Richtung Norden zu fahren. Unterwegs haben uns in der Lüneburger Heide diese tollen Kirchen aus Naturstein fasziniert. Da haben wir dann auch gleich mal angehalten, um uns noch den Segen für die Reise geben zu lassen. 😉 Die Fahrt auf kleinsten Straßen hier oben war recht entspannt, nur die Gewöhnung an die Fahrerei mit voll beladenem Moped in Verbindung mit neuen Stollenreifen hat mich etwas Nerven gekostet. Die ersten hundert Kilometer bin ich gefahren, wie auf Eiern. Danach habe ich dann das richtige Setup für´s Fahrwerk gefunden und hatte keine Mühe mehr, der DR von Gina zu folgen. 🙂 Die Zimmersuche hatten wir uns am Abend etwas entspannter vorgestellt. So hat es dann eine Stunde gedauert, bis wir etwas nach unseren Vorstellungen gefunden hatten. Das geht bei uns im Harz wesentlich einfacher und günstiger.

18.08.12 Lüchow – Rostock

Die weitere Anreise zum Hafen in Rostock verlief relativ entspannt. Es ging weiter über kleine Straßen Richtung McPomm. Das Navi routete uns sogar einige Kilometer offroad über sogenannte “Promille Schnellwege”. Sowas geht auch nur im wilden Osten. Da waren wir über unsere aufgezogenen Stollenreifen gar nicht so unglücklich. 🙂 Kurz vor Rostock wurde es dann zwar etwas voller auf den Straßen, aber es ist schließlich Wochenende , super Wetter und Ferienzeit – was will man da erwarten. Auf die Fähre ging es dann ruck zuck. So schnell ging es eigentlich noch nie – ohne Wartezeit. Dann schnell die Mopeds verzurren und schon konnten wir unsere Kabine beziehen. Über das kleine Zimmer waren wir recht erfreut, es ist zwar keine “Fürstenschlucht”, aber allein die Dusche und der Internetanschluß sind das Geld wert! 😉 Und nachts in Ruhe ein paar Stunden “knacken” ist ja auch nicht ganz verkehrt. Nach einem reichhaltigen Abendessen gab´s dann  noch den obligatorischen sundowner auf dem Oberdeck. So einen Tagesausklang haben wir uns natürlich gewünscht! Jetzt haben wir noch über einen Tag auf dem Dampfer Zeit uns etwas über das Baltikum schlau zu machen. Die Reisevorbereitung ist diesmal etwas knapp ausgefallen. Aber wie schon so oft, heißt es auch diesmal “no plan is a good plan!”

20.08.12 Rostock – Helsinki

Die Überfahrt nach Helsinki verlief ganz entspannt. Das Wetter war gut, die See ruhig und die Fähre nicht mal halb voll – so hatten wir uns das gedacht. Mit ein paar anderen Mopedfahrern, die wir beim einchecken kennen gelernt hatten, haben wir noch reichlich “Benzin” geschwätzt –von langer Weile war also keine Spur. Erst nach dem Zwischenstop in Polen wurde es etwas voller auf dem Kahn. Die Zahl der russischen Kennzeichen auf dem Autodeck und die Anzahl der Männer, die ihre bierbäuchigen Adonisprachtkörper ohne Bekleidung zur Schau stellten, nahm direkt proportional zu. 😉 Aber das konnte unsere gute Laune nicht schmälern, da haben wir schon größeres Elend gesehen. 🙂 Die Einfahrt nach Helsinki verlief pünktlich und genau mit unserem Einlaufen riß auch zur Begrüßung der Himmel auf und die Sonne zeigte sich noch den ganzen Tag. So konnten wir den Rest des Tages bei bestem Wetter durch Helsinki schlendern. Vorher war aber noch die Zimmersuche fällig. Was dabei rausgekommen ist, lohnt allerdings keiner näheren Beschreibung. Ein Hochhauszimmer mit dem Charme eines 70er Jahre Plattenbaus aus der  DDR  zu einem völlig überzogenen Preis – natürlich ohne Frühstück, das kost`noch mal extra! Naja, “that´s life!” Ansonsten ist Helsinki eine nette Stadt – was man halt so von ein paar Stunden sightseeing sagen kann. Die Leute sind freundlich und hilfsbereit. Die Verständigung ist kein Problem – fast jeder spricht englisch. Da kann sich Berlin mal ´ne Scheibe von abschneiden! Die Fährtickets für die Überfahrt nach Tallinn haben wir auch noch gleich besorgt, so daß es morgen weiter nach Estland gehen kann.

22.08.12 Helsinki – Tallinn – Pärnu

Die Überfahrt nach Tallinn dauerte nur 2,5 Stunden. Allerdings können wir die Viking Line, mit der wir gefahren sind, nicht unbedingt für Motorradfahrer weiterempfehlen. Zum Sichern der Mopeds gab es weder vernünftige Anschlagpunkte, noch konnte man das, was uns da an Gurten angeboten wurde, als Sicherungsmaterial bezeichnen. Das war der letzte Sch…. 😦 Auch ansonsten kann man diese Fähre nur als schwimmende Partymeile bezeichnen. Wie man auf der kurzen Strecke so viel saufen und fressen kann, bleibt uns verschlossen. Sogar eine Tanzmeile gab es. Fehlt nur noch, daß die Kabinen stundenweise vermietet werden. In Tallinn angekommen haben wir uns ein kleines Hotel gegönnt – nach dem Trauma von Helsinki hatten wir uns das verdient. Bis in die Altstadt von Tallinn waren es nur ein paar Minuten zu Fuß, so daß wir am Nachmittag noch einen Rundgang unternehmen konnten. Was es da zu sehen gab, war wirklich schön. Viele gut erhaltene Gebäude, kleine Gassen usw. Dazwischen jede Menge Kneipen und Souveniershops – alles, um dem geneigten Touristen die Kohle aus der Tasche zu ziehen. 🙂 Nach zwei Tagen Großstadt hintereinander hatten wir allerdings erst mal genug von Kulturprogramm und emsigem Treiben. Die Mopeds wollten auch wieder mal richtig bewegt werden, nicht nur von einer Fähre zur andern. So ging es dann auf den Spuren von Georg und Micha, die uns Ihre tracks freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben, weiter Richtung Pärnu. Vielen Dank nochmal dafür an dieser Stelle! Über größtenteils sehr gute Schotterpisten und ein paar Waldabschnitte kamen wir gut nach Süden voran. Kaum aus Tallinn raus sahen wir aber auch, wie außerhalb der Vorzeigestadt gewohnt wird. Das erinnert schon sehr an die Plattenbauten der ehemaligen DDR. Unterwegs waren wir allerdings überrascht, wie gepflegt die Höfe auf dem Land aussahen. Viel Grün, überall Blumen, das hat uns gut gefallen. Ganz im Gegensatz dazu der Einzug nach Pärnu. Meine Fresse, da glaubt man echt, die DDR ist wieder auferstanden. So viel Tristesse haben wir lange nicht mehr gesehen. Wie man eine Stadt so häßlich gestalten kann, bleibt uns ein Rätsel. Allerdings sind wir ganz gut untergekommen, im “Rocker Milieu” der Stadt sind wir im Alexandri abgestiegen. Eine Kneipe mit Guesthouse – alles sehr auf Motorradfahrer ausgerichtet. Ich glaube, hier brauchen wir uns um die Sicherheit unserer Mopeds keine Sorgen machen. Letzte Nacht in Tallinn waren wir uns da nicht ganz so sicher, als wir die Motorräder vor dem Hotel geparkt hatten.

23.08.12 Pärnu – irgendwo an der Ostsee 😉

Leider spielt auch auf dieser Tour der Wettergott nicht ganz nach unserer Musik. So war heute Morgen erst mal das Regenzeug wieder gefragt. Nachdem wir im Alexandri zum Frühstück erst mal ordentlich Hardrockmusik serviert bekommen hatten, konnte uns aber nichts mehr aus der Fassung bringen. So ging es weiter Richtung Süden, bei dem Wetter aber meistens auf Asphalt. Irgendwann kam dann die lettische Grenze, die wir fast übersehen hätten, wenn nicht eine Gruppe Radfahrer dort gehalten hätte. So konnten wir noch das obligatorische Foto machen und ruck zuck waren wir im nächsten Land. Lettland hat uns bis jetzt angenehm überrascht. Gina gefällt es hier sogar besser als in Estland. Ich kann mich da nicht so richtig entscheiden – für mich sind beide Länder gleich gut zu bereisen. Vor allem, weil hier der Sprit so schön günstig ist. Endlich mal wieder volltanken für unter 30€. 🙂 Hier in Lettland wird übrigens mit Lat bezahlt. Bis jetzt brauchten wir aber nicht umtauschen – die Kreditkarte macht´s möglich. Auf unserem Weg entlang der Ostsee haben wir immer wieder Kitesurfer am Strand gesehen. Für die Jungs war heute das richtige Wetter. Eine ordentliche Brise, die uns manchmal etwas genervt hat, war für sie wie geschaffen. Für uns hieß es dann heute “…und am Ende des Tages steht mein Haus am See…” Nach etwas Suchen haben wir ein schönes Hotel am See gefunden und konnten den Tag angenehm ausklingen lassen. Morgen geht´s dann weiter Richtung Litauen – der “Berg der Kreuze” ist dort unser Ziel. Vor der Einreise nach Polen muß ja noch was für die Religion getan werden 😉 Außerdem haben wir irgendwo gehört, daß es frisch Vermählten Glück bringen soll, dort ein Kreuz aufzustellen. Dann sind wir ja noch „fast rechtzeitig“ dran! 😉

23.08.12 Ostsee – Jurbarkas

Die baltischen Lsänder fliegen nur so unter den Reifen durch. 🙂 Nachdem wir heute morgen noch schnell durch Lettlands Hauptstad Riga gefahren sind, befinden wir uns heute Abend schon kurz vor der polnischen Grenze. Die Einfahrt nach Litauen war diesmal zwar etwas deutlicher gekennzeichnet, wenn auch der Grenzübergang genau so verwaist war, wie der vorherige. Das vereinte Europa läßt grüßen . Riga hätten wir uns eigentlich sparen können. Da hat nichts unsere Aufmerksamkeit so richtig erregt. Der Weg außen rum war uns allerdings zu lang, so haben wir uns dann dieses triste Stück Plattenbauarchitektur angetan.  Auf dem weiteren Weg durch Lettland waren wieder einige Schotterpisten zu befahren. Auch diesmal haben uns diese Strecken am besten gefallen. Da kann man kilometerlang nebeneinander her fahren, ohne daß einem ein einziges Auto entgegen kommt. Manchmal meint es das Navi aber wirklich zu gut. Da werden dann Wege vorgeschlagen, die mit einem leichten Crosser schon gutes Fahrkönnen erfordern, mit einer gut beladenen LC8 aber einfach nicht drin sind. Also mußten wir ein-/zweimal umdrehen und eine Alternative nehmen. Nach gut 200 km standen wir dann vor dem Berg der Kreuze. Mein Gott, das müssen zigtausende  sein, die dort schon stehen. Auch wir haben für ein paar Litas (so heißt die Währung hier) so ein Kreuz gekauft und uns dort mit unseren Namen verewigt. Mal sehen, ob unsere Wünsche in Erfüllung gehen. Danach haben wir noch mal gute 100 km draufgelegt, um weiter Richtung Polen zu kommen. Die 15 km weiche Schotterpiste kurz vor Ende des Tages hätten dabei wirklich nicht mehr sein brauchen. Die haben noch mal ganz schön genervt.

24.08.12 Jurbarkas – Wegorzewo

Das fünfte und letzte Land steht seit heute auf unserer Liste. Wir sind in Polen angekommen. In der Nähe der Stadt Wegorzewo haben wir unser Zelt in mitten der Masurischen Seenplatte aufgeschlagen. Hier wollen wir ein, zwei Tage bleiben und uns ein bißchen an den Seen erholen, bevor die letzten ca. 1.000km bis nach hause in Angriff genommen werden. Das Piste fahren hielt sich heute auch in Grenzen, außer ein paar Kilometer Schotter war nichts aufregendes dabei. Gleich hinter der Grenze haben wir auf einem polnischen Rastplatz Pause gemacht, der mit dem @-Zeichen geworben hat. Hier gibt´s tatsächlich WIFI auf den Parkplätzen – natürlich umsonst. Wenn ich da an unsere erste Übernachtung in Lüchow zurückdenke, da wollte man im Hotel noch richtig Geld für diesen Service haben. Morgen wollen wir uns ein paar “Altlasten” aus der deutschen Geschichte anschauen. Mal sehen, was unsere Vorfahren da für einen Mist verzapft haben.

25.08.12 Wegorzewo

Schon in der Nacht kündigte sich das Mistwetter mit ordentlich Regen an. Dieser hielt dann auch bis zum nächsten Mittag an. Prima, Ausflug in  die nähere Umgebung geplant, keine vernünftigen Räumlichkeiten auf dem Zeltplatz und “draußen” regnet es munter vor sich hin. So haben wir uns das nicht gerade gedacht. Nicht mal das Wlan reichte bis zu  unserem Zelt – wahrscheinlich hat es bei dem Wetter auch keinen Bock, durch den Äther zu schwirren. 😉 Gegen Nachmittag kommen wir dann doch noch dazu, die Umgebung etwas zu erkunden. Nachdem wir uns das “Schloß Steinort” angesehen haben, welches aber nur eine abgesperrte Ruine ist, sind wir zur Wolfsschanze gefahren. Dieser Ort deutschen Wahnsinns mutet schon unheimlich an. Noch dazu, wenn man wie wir, an so einem trüben und regnerischen Tag durch die zerfallenen Bunkeranlagen geht. Was wir aber nicht in unsere Köpfe kriegen ist, daß polnische Kinder und Erwachsene an diesem Ort in SS-Uniformen vor altem Kriegsgerät posieren und lachend Fotos schießen. Da läuft für unseren Geschmack ganz gehörig was falsch. Das der Staat sowas überhaupt toleriert, ist uns unverständlich. Na ja, morgen werden wir wieder Richtung Westen weiterfahren, so toll, wie wir gedacht hatten ist die Gegend hier auch wieder nicht. Vielleicht liegt es auch nur am trüben Wetter…

28.08.12 Wegorzewo – Grudziadz – Miedzyrzecz

Die Ortsnamen hier in Polen, wie auch im restlichen Baltikum, sind eine echte “Herausforderung”  in Wort und Schrift. Wir wollen auch keinem zumuten, diese auszusprechen. 😉 Deshalb nur soviel zu unserer Richtung: straight west! Dabei ist es schwierig, sich zu entscheiden wo man fahren soll. Auf größeren Fernstraßen ist es eine echte Zumutung – aber man schafft etwas an Stecke. Auf kleinen Nebenstraßen ist auch der Wahnsinn, denn die fahren hier echt wie die letzten Henker – besonders die LKW-Fahrer. Der Verkehr hat seit Litauen deutlich zugenommen wobei die Straßen meist schlechter sind. Und fährt man offroad macht es zwar den meisten Spaß (na ja, mit dem ganzen Gepäck auf der Karre nicht immer), aber man kommt nicht wirklich voran. So versuchen wir, einen gesunden Mix aus allem zu machen. Ansonsten reißt uns in Polen nicht wirklich was vom Hocker. Die Landschaft ist teilweise sehr schön, die Städte und Dörfer werden mit zunehmender Westausrichtung proportional ansehnlicher 😉 Die Menschen sind größtenteils freundlich. Für Enduristen ist es hier sicher ein Eldorado – wenn man die Touren mal ohne Gepäck macht, ist das bestimmt ein riesen Spaß. Obwohl hier hin und wieder schon mal ein Verbotsschild im Wald zu sehen ist. Die Partnerstadt von Osterode, das polnische Ostroda, lag auch noch auf unserem Weg. Eine Augenweide ist es aber nicht gerade, so haben wir hier nur einen kurzen Boxenstop eingelegt. Morgen geht es wieder zurück in die Heimat – die letzten knapp 500 von insgesamt ca. 2.600 km auf kleinen Straßen und Wegen.

30.08.12 Miedzyrzecz-BRB-Osterode

Die Kilometer in Polen haben sich ganz schön hingezogen. Aber die Fahrt über die kleineren Straßen ist natürlich die bessere Wahl gewesen. So sind wir dann gegen Mittag am Grenzübergang Slubice/Frankfurt angekommen. Dort wurden noch schnell die letzten Zloty´s in Hot Dogs verwandelt – den „Tanktourismus“ hatten wir schon ein paar Kilometer früher absolviert und das letze mal für 1,50 €/ltr aufgefüllt. Danach hatte uns die Heimat wieder. Unser Ziel hieß für heute Brandenburg. Dort wollten wir noch auf einen Kaffee bei Martina und Ulli – Bekannten aus dem LC8 Forum – vorbeischauen. Auf dem Weg dorthin dachten wir schon, wir hätten uns derb verfahren. Stand doch auf einem Ortsschild auf einmal „Philadelphia“. So weit vom Kurs kann man selbst mit unserem Navi nicht abkommen. Aber wie es aussieht, gibt´s diese Stad nicht nur in Pennsylvania. Auf der weiteren Strecke kamen wir noch durch Beelitz bzw. die verfallenen Heilstätten. Es war natürlich Pflicht, daß wir uns die Gebäude mal etwas aus der Nähe anschauen mußten. Ein Jammer, wie dort alles dem Verfall preisgegeben wird. Bei Ulli angekommen, wurde natürlich erst mal ein bißchen Benzin geredet. Das Ganze bei lecker Kaffee und Kuchen.
Eigentlich wollten wir noch einen Tag länger in Brandenburg bleiben, um ein bißchen am See zu relaxen. Allerdings spielte das Wetter mal wieder nicht so ganz mit. So beschlossen wir beim Frühstück, die letzte Etappe bis Osterode heute doch noch in Angriff zu nehmen. Natürlich ging dieses Stück nicht ohne die Regenkombis von statten – wäre ja auch zu schön gewesen! Aber bei den Aussichten, die für morgen drohen, können wir nur sagen: „Alles richtig gemacht!“ So sind wir nach 2.675 km wieder gut in Osterode angekommen. Keine technischen oder sonstigen Probleme gehabt – das ist ja auch schon was! 🙂 Unser Fazit zum Baltikum lautet kurz und knapp: Muß man schon mal gesehen haben, schreit aber nicht unbedingt nach baldiger Wiederholung (außer zum reinen offroaden).

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Bis an’s Ende der Welt…

…oder jedenfalls bis kurz davor soll es dieses Mal gehen. Nachdem wir es auf den letzten beiden Reisen immer mit Temperaturen deutlich über 30 Grad zu tun hatten, dachten wir uns, auf der nächsten Reise darf es ruhig mal etwas ziviler zugehen. Was lag also näher, als einen Abstecher nach Neuseeland zu planen. Gesagt getan, aber so einfach ging es dieses Mal nicht. Mit dem Motorrad war das so eine Sache. Da wir von unserer Verschiffung nach Thailand immer noch leicht „traumatisiert“ waren, wollten wir erst eine Maschine mieten. Aber für knapp drei Monate ist das einfach nicht finanzierbar – jedenfalls nicht, wenn man ein anständiges Moped vom Schlag einer KTM fahren will. Dann dachten wir an kaufen und wieder verkaufen. Da war uns das Risiko des Wiederverkaufs dann doch zu groß. Außerdem stand fest, daß wir auf dieser Reise wieder zu zweit auf einem Moped unterwegs sein wollten, was an die Gepäckunterbringung wieder höchste Herausforderungen stellt. Bei einer gekauften Maschine wären wir da nicht so sicher gewesen, ob wir alles untergebracht hätten. Also blieb wieder mal nur der Transport des eigenen Mopeds übrig. Und wieder kommt die KTM in die Kiste und geht auf Seereise – per Flieger kostet es fast das Doppelte.  Bevor es losgeht, ist aber erst mal eine penible Säuberung des Mopeds notwendig. Die Neuseeländer nehmen es da ganz genau. Haben sie doch ungeheure Angst davor, sich irgendwelches Ungeziefer ins Land zu holen. Also ging es an einem schönen Wochende im Oktober daran, eine Enduro von den Überresten mehrerer Offroadeinlagen zu befreien. Man glaubt gar nicht, wieviel Verstecke es an einem Motorrad für Dreck jeglicher Art gibt. Einfach unglaublich, wo sich der Mist überall festsetzt. Mittels Hochdruck wurden dann reichlich Wasser und Luft verwendet um in die letzten Ritzen zu gelangen. Bei dieser Aktion hat sich dann leider auch herausgestellt, daß unsere LC8 etwas inkontinent geworden ist (der Simmering vom Gangsensor hat anscheinend das Zeitliche gesegnet). Nach über 60.000km darf er das zwar auch, aber dennoch bin ich für solche Überraschungen kurz vor der Verschiffung nicht unbedingt zu begeistern. Also schnell noch bei Bräuer in Hildesheim angerufen, um diesen vermaledeiten Dichtring zu bestellen.  Aber als wenn das noch nicht genug an Überraschungen wäre, hat sich an diesem Wochenende auch noch unser Navi in die ewigen Jagdgründe verabschiedet. Ersatz von Garmin wurde zwar gleich zugesagt, aber da das Teil nach 3 Jahren sooo veraltet ist, daß nur noch das Nachfolgemodell geliefert werden kann, muß natürlich auch die komplette Stromversorgung und Halterung am Motorrad getauscht werden. Hoffentlich kommt noch alles rechtzeitig an, bevor es in die Kiste geht!

28.10.11 und ab damit…

…zuerst einmal wieder in die Kiste. Nachdem der Simmering und das neue Navi noch rechtzeitig eingetroffen sind, wurde alles ruck zuck angebaut. Große Testfahrten waren allerdings nicht mehr drin, da das Moped ja schon blitz blank geputzt war. So konnte nur in der Garage alles geprüft werden.

Letzte Woche wurde dann nach Feierabend das Moped verpackt. Ein bißchen Sorge hatten wir schon, ob wir das ganze Gepäck auch unterkriegen. Schließlich mußten neben der KTM noch 2 Koffer und 3 große Gepäckrollen mit in die Kiste. Beim letzten Mal konnten wir das ganze Zeug bequem auf zwei Kisten verteilen. Aber mit ein bißchen quetschen und schieben haben wir dann doch noch alles verstaut. Von Vorteil war diesmal, daß wir alles in der Firma machen konnten. So war das Anheben der Maschine mit dem großen Flaschenzug ganz easy. Da konnte das Moped dann mit einer Hand an die richtige Position gebracht werden. Beim Kiste zusammenbauen hatten wir ja inzwischen schon Übung. So war der ganze Spuk nach knapp drei Stunden vorbei und die Kiste war fix und fertig gepackt. Das nächste Wochenende sollte es dann nach Hamburg zum Hafen gehen. Anders als beim letzten Mal haben wir die Kiste diesmal selber transportiert. Das Wetter war uns wohl gesonnen, Ende Oktober bei 16 Grad und Sonnenschein war es kein Problem, alles trocken nach Hamburg zu bringen. Im Hafen ging dann alles ganz easy. Anlieferschein abgeben, ein paar Minuten warten und schon kam der Staplerfahrer und hat sich der Kiste angenommen. Man kommt sich zwar ein bißchen winzig vor zwischen den ganzen Trucks, aber die Jungs waren alle gut drauf und man konnte auch gleich noch etwas „Benzin“ quatschen. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, daß unser Moped dieses Mal pünktlich ankommt und wir nicht wieder zwei Wochen warten müssen, wie in Bangkok. Gute Reise! Wir sehen uns im neuen Jahr.

04.01.12 Neuseeland – here we are!

Nach insgesamt 37 Stunden auf  Achse, davon 21 in den beiden Fliegern, sind wir total geschafft in Neuseeland angekommen. Gott sei Dank lief alles ohne Probleme ab. Keine Verspätungen oder sonstige Zwischenfälle. Die kann man bei so einem Trip auch wirklich nicht gebrauchen. Nach einem kurzen Zwischenstop in Singapore ging`s gleich in den nächsten Flieger weiter nach Auckland. Dort angekommen wurden alle Fluggäste gleich durch die Biosecurity (in Form eines Beagel´s) beschnüffelt. Der arme Köter konnte eigentlich gar nichts mehr riechen – bei hunderten verschwitzten Touris muß auch die beste Nase kapitulieren. Aber alles lief ruck zuck ab, sogar unser Koffer kam diesmal als erster vom Band. Am Flughafen haben wir uns dann noch kurz mit Linna getroffen, für die wir ein Notebook “importiert” hatten. Nach kurzem Smaltalk ging´s dann per Sammeltaxi weiter in unsere Unterkunft. Heute morgen beim Frühstück klingelte auch schon das Telefon. Graham, unser Agent in Auckland, meldete sich wegen dem Import des Motorrades. Für Mittag war ein Termin bei der Biosecurity und beim Zoll angesetzt. Prima, so hatten wir uns das vorgestellt. Dort angekommen gab´s eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute war, daß alles ohne Probleme importiert werden konnte. sowohl das Motorrad als auch unsere persönliche Ausrüstung wurden nicht beanstandet. Die schlechte Nachricht war, zumindest für uns, daß dafür schon unsere Kiste geöffnet war und unsere Kisten und Gepäckrollen entnommen wurden. Dabei gehen die Jungs hier recht schmerzfrei vor. Unsere Kiste wurde anscheinend mit einem Brecheisen geöffnet. Daß man dafür auch einen Akkuschrauber benutzen kann, ist Ihnen anscheinend entgangen. Jedenfalls sah unsere Kiste ganz schön ramponiert aus. Wir woll´n mal hoffen, daß sie dabei keinen weitern Schaden am Moped angerichtet haben. Das wird sich allerding´s erst morgen rausstellen, denn dann können wir unser Moped in Empfang nehmen und zusammenbauen. Der Stempel vom Zoll für unser Carnet de Passage war eigentlich nur noch Formsache. Das alles so schnell und reibungslos lief, haben wir nicht zuletzt Graham zu verdanken, der uns überall hingebracht und alles in die Wege geleitet hat. Am Abend konnten wir dann noch einen ersten Stadtbummel durch Auckland machen. Erster Anlaufpunkt war dabei der Skytower, der nur knapp zwei Kilometer v0n unserem Quartier entfernt ist. Eins der Wahrzeichen von Auckland – ganz Verrückte springen gleich mal zur Begrüßung vom Turm runter. Ansonsten ist Auckland zwar eine Großstadt, aber trotzdem recht angenehm, was die Architektur angeht. Hier kann man´s aushalten!

05.01.12 Jetzt kann´s losgehen

So hätten wir uns das bei der letzten Tour auch gewünscht. Wie abgesprochen wurde heute morgen unsere Kiste in ein anderes Depot gebracht, da wir da auch die zerlegte Kiste bis zu unserer Rückreise lagern können. Nachdem wir gestern ja ein bisschen angesäuert waren, wie diese Experten bei der MAF (Manual Biosecurity Authority) mit unserer Kiste umgegangen sind, war heute aber Entspannung angesagt. Bis auf die Kleinigkeit, daß irgendein Vollpfosten von denen die Handbremse gezogen hat, um dort einen Aufkleber anzubringen. Bei ausgebautem Vorderrad macht sich das natürlich besonders gut.  So mußte ich die Bremsbeläge erst mal wieder in Position bringen. Ansonsten lief aber alles wie geschmiert. Nach knapp drei Sunden hatten wir das Moped zusammengebaut, die Kiste verstaut, waren beim neuseeländischen TÜV und haben die oversee´s visitors registration gemacht. So langsam kriegen wir Übung in diesen Dingen. Das Beste waren aber die Jungs vom TÜV.  Da wurde erst mal erzählt woher, wohin, was man selber für Mopeds fährt usw. Am Ende haben wir dann die WOF (warranty of fitness) bescheinigt bekommen. Aber nicht, daß das so ein Geplänkel gewesen wäre, so eine Kontrolle habe ich beim deutschen TÜV selten erlebt. Da wurde alles penibel gecheckt. Vom Licht über Radlagerspiel bis Bremsen war alles dabei. Aber an der KTM gab´s nichts zu meckern, sogar vom Xenon-Licht waren sie begeistert. 😉 Der Haken bei der Geschichte war natürlich, daß wir am Ende gut 80 NZ$ ärmer waren, aber dafür braucht man nicht bei jeder Kontrolle ins schwitzen zu kommen. Jetzt kann es am Samstag Richtung Nordkap losgehen. Morgen wird noch ein wenig sightseeing in Auckland gemacht, dann geht´s los!

07.01.12 on the road again

Bevor wir nun endgültig aufbrechen, wollten wir uns noch ein bisschen in Auckland umsehen. Vor allem das schöne Wetter noch ausnutzen, das gerade angesagt war. Aber dazu später. Wenn man in Auckland ist, gehört ein Besuch des Sky Towers zu den “must have do”. Also nichts wie los. Mit dem Bus in die City und rauf auf den Turm. Aus 220m Höhe hat man einen phantastischen Blick über die Stadt. Aber die Kiwis bieten nicht nur Aussicht sondern auch noch Action ohne Ende. Für ein “geringes Entgelt” von 90 bzw. 135€ kann man entweder den Skywalk (auf einem schmalen Steg in 200m Höhe außen um den Turm laufen) oder den Skyjump (am Seil vom  Turm runterspringen) machen. Beides nichts für schwache Nerven. Wir haben den Adrenalinjunkies aber lieber bei einem Cappuccino von innen zugesehen. Ansonsten ist Auckland zwar eine multikulturelle Großstadt, aber dennoch recht angenehm zu erkunden. Die Hochhäuser beschränken sich nur auf einen kleinen Bereich in der City, ringsherum ist aber alles mit viel Grün durchsetzt. Auch unsere Unterkunft liegt direkt am Western Park, so daß man immer ein paar Pflanzen im Blick hat. Heute ging es dann auf in Richtung Nordkap. Als wenn Neuseeland gleich mal unsere Ausrüstung auf Wetterfestigkeit testen wollte, fing es am Morgen pünktlich an zu regnen. Nach 140km im Dauerregen hatten wir die S….. gestrichen voll. Die Regenklamotten haben zwar dicht gehalten und der neue Heidenau K60 konnte mal zeigen, was er auf nasser Straße so drauf hat, aber Spaß ist was anderes. Auf einem Campingplatz in der Nähe von Ruakaka haben wir dann eine kleine Hütte gemietet. Zum Zelten hatten wir heute beide nicht mehr die geringste Lust. Das Schlimme daran ist, daß wir schon in der Zeitung von den Wetterkapriolen der letzten Wochen gelesen hatten, und daß der Sommer bis jetzt noch nicht so richtig in Neuseeland angekommen sein soll. Heute konnten wir uns jedenfalls davon überzeugen, daß die Zeitungen ab und zu auch mal die Wahrheit schreiben. Na ja, hoffen wir mal, daß sich das bald ändert. Ansonsten ist das Fahren in Neuseeland relativ entspannt. Von Auckland mit seinen geschätzten tausend Ampeln mal abgesehen kommt man ganz gut klar. An den Linksverkehr gewöhnt man  sich recht schnell – je mehr Verkehr, desto einfacher “schwimmt” man im Strom mit.

11.01.12 Ankunft am Ende Neuseelands

Die Fahrt Richtung Norden gestaltet sich schon mal sehr abwechslungsreich – in jeder Beziehung. Die Landschaft ist mal wie in Deutschland, mal wie im Dschungel – mit vielen Farnbäumen. Das gefällt uns schon mal sehr gut. Was uns weniger gefällt, ist nach wie vor das Wetter. Unsere Regenkombis sind und bleiben unsere besten Freunde. Sie machen ihren Job zwar gut, aber bei Regen fahren macht nicht wirklich Spaß. Wenigstens kommt ab und zu mal die Sonne raus, so daß wir die vielen Kurven etwas genießen können, die die neuseeländischen Straßen zu bieten haben. Gleich am Ende des ersten Tages kommen wir sacknaß nach 140km Dauerregen in Ruakaka auf dem Zeltplatz an. Zum zelten fehlt uns aber jegliche Motivation, so daß eine kleine Hütte gemietet wird, in der wir wenigstens etwas unsere nassen Klamotten ausbreiten können. Die nächsten Tage sind schon etwas durchwachsener. Die Fahrt nach Russel, in die Bay of Islands, wird zum reinsten Kurvenspaß, der nur durch das zu frühe Aufsetzen des Seitenständers begrenzt wird ;-). Hier können wir auch die ersten Kilometer auf Gravelroads fahren, die aber gut in Schuß sind, so daß es keine Probleme gibt. Probleme gibt es aber nach ein paar Tagen mit meinem Rücken. Wir haben zwar eine gut sortierte Reiseapotheke, aber bei den Schmerzen muß was stärkeres her. Also bleibt mir der Gang zum neuseeländischen Doc nicht erspart. Nach kurzem Smaltalk mit dem Arzt schreibt der mir dann auch gleich ein paar Hammertabletten auf, die auch, Gott sei Dank, nach einem Tag anfangen zu wirken. Campen mit Hexenschuß – das geht eigentlich gar nicht. Nach einem Tag Zwangspause konnten wir dann heute weiter in Richtung Cape Reinga – natürlich wieder mal im Regen. Wenigstens hat der Wettergott bei unserer Ankunft ein Einsehen mit uns gehabt und schickt zur Begrüßung mal die Sonne raus. Also schnell das Zelt aufgebaut und eben noch in den Pazifik gesprungen. Hier sind wir wirklich so ziemlich am Ende der Welt, zumindest am nördlichen Ende Neuseelands, angekommen. Am nächsten Morgen sind wir dann etwas hastig in Richtung Cape Reinga aufgebrochen –aus zwei Gründen. Erstens sah das Wetter wieder mal be….. aus, zweitens waren hier am Wasser jede Menge Moskitos, und diese kleinen Biester haben einen nicht mal in Ruhe einen Kaffee trinken lassen. Also aufgerödelt und los zur nördlichsten Spitze Neuseelands. Dort angekommen dachten wir schon, wir bekommen gar nichts zu Gesicht – alles im Nebel. Aber wie auf Bestellung hat sich das Wetter kurzzeitig gebessert und wir konnten die Grenze zwischen Tasmanischer See und Pazifik in Augenschein nehmen. Ein schönes Fleckchen Erde, aber eigentlich ein Touri-Ausflugspunkt, an den jede Menge Busse gekarrt werden. Bloß gut, daß wir schon früh morgens da waren, da hatten wir die Aussicht fast für uns allein.

15.01.12 Ninety Mile Beach, Kauri Wälder und Gravel roads

Auf unserer Rückfahrt vom Cape Reinga Richtung Süden führt der 90 Mile Beach die komplette Westküste entlang. Es sind zwar keine 90 Meilen, sondern nur gute 100km, aber was soll´s. Das für deutsche Verhältnisse unvorstellbare ist, daß dieser Strand mit allen möglichen Kraftfahrzeugen befahren werden darf. Da fahren dann auch mal Busse entlang, um den Touris etwas Action zu bieten. Sogar im Navi wird der Strand als offizielle Straße angezeigt. Bei unserem ersten Strandkontakt hat es natürlich wieder mal geregnet –was sonst! aber da wir noch in der Nähe geblieben sind, konnte am nächsten Tag bei bestem Wetter endlich die KTM zum Strand geführt werden. Ist schon nicht schlecht, den V2 mal über den Sand zu scheuchen. Trotz dem der Sand recht fest ist, muß man doch aufpassen, daß man nicht zu sehr in die weichen Bereiche abdriftet, da braucht man dann schon besser richtige Stollenreifen. Unseren Spaß hatten wir aber nicht nur beim fahren, sondern auch dabei, den jungen Greenhorns zuzusehen, wie sie Ihre Autos im Sand eingraben. Tja, entweder man kann es, oder man läßt es! Nur gut, daß unsere Campingplatz gleich mit Waschplatz ausgerüstet ist. Denn sonst hätte das Salzwasser sicher einigen Schaden am Moped angerichtet. Aber so konnte die Salzbrühe gleich wieder abgespült werden. Auf der Fahrt Richtung Süden haben wir uns immer an der Westküste entlang geschlängelt. Die Strecken waren wunderbar kurvig und der Asphalt richtig griffig – so soll´s sein! Auf unserer Strecke sind wir immer wieder auf Kauri Wälder gestoßen. Die Kauribäume sind wahre Giganten der Wälder. Der älteste noch lebende Baum dieser Art ist schätzungsweise 2.000 Jahre alt und hat einen Durchmesser von über 4 Metern. Das sieht schon gigantisch aus, wenn so eine riesige Säule mitten im Wald vor einem emporragt. Leider wurde auch hier in Neuseeland eine riesige Holzindustrie geschaffen, die diese Giganten der Wälder bis in die 70er Jahre gnadenlos umgehauen hat. Heute versucht man durch Naturreservate die letzten Exemplare so gut wie möglich zu schützen. Weiter ging es entlang der Westküste bis kurz vor Dargaville. Hier waren auf unserer Garminkarte jede Menge Gravelroads im Hinterland verzeichnet. Die wollten wir uns dann mal bei einem Tagesausflug etwas genauer ansehen. Wie meistens bei solchen Touren fing es ganz harmlos an. Nach dem Motto “hier kannst Du locker ein bisschen offroad fahren”. Je weiter wir in die Berge kamen, desto anspruchsvoller wurde die Strecke. Aber nichts, was für die KTM nicht machbar wäre, auch zu zweit. Gina ist zwar zwischendurch mal abgestiegen, aber das war wohl mehr, um den Allerwertesten zu schonen 😉 . Dann kam es aber richtig dick. Nach 30 km offroad haben wir ein Schild mit dem Hinweis “locked gate ahead” gesehen. Ja ja, Tor wieder zu machen dachten wir, so wie immer. Aber “locked” heißt nun mal nicht geschlossen, sonder abgeschlossen. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. So kamen wir dann an ein Tor, das richtig massiv und mit einem Schloß für Männer gesichert war. Was tun? Nach der Strecke wieder umdrehen? Nicht mit uns! An der linken Seite vom Tor ging gar nichts, an der rechten waren noch ca. 60-70cm Platz, vor dem Abhang. Also, Koffer links abbauen “Luft rauslassen” und gaaaanz schlank machen. Moped vorn und hinten festhalten und dran vorbeimogeln. Uff, das hat geklappt. Nach einigen Ungenauigkeiten der Karte haben wir dann auch endlich wieder den richtigen track aus dem Wald in Richtung Zivilisation gefunden. Wer aber schon mal offroad unterwegs war, kann sich denken, daß nach einem gesperrten Tor auch ein zweites kommen muß – quasi als Ein- bzw. Ausgang. Wie wir da durchgekommen sind, erzähle ich aber erst, wenn wir wieder sicher deutschen Boden erreicht haben 😉 Auf jeden Fall hatten wir einen schönen Tag mit bestem Wetter, reichlich Action, 40 km offroad und ich hatte wieder mal die beste Sozia der Welt! Was will man(n) mehr?!

19.01.12 just married down under

Jetzt wird unser Blog auch noch etwas romantisch. Nachdem Gina und ich uns fast auf den Tag genau 19 Jahre kennen, wir schon in einigen Ecken der Welt waren und dabei immer wieder festgestellt haben, daß wir ein perfektes Team sind, habe ich mir am Cape Reinga gedacht, frag Sie doch, ob Sie Dich heiraten will. Die Gegend war auch grad so schön einsam – wie geschaffen für einen Heiratsantrag. Und was soll ich sagen, Sie hat “ja” gesagt. Ganz zufällig hatte ich auch gerade ein paar Ringe dabei ;-), so daß Gina auch sieht, daß ich es ernst meine. Und wenn wir uns mal zu was entschließen, dann wird nicht lange gefackelt und noch gewartet, bis wir wieder zu hause sind. Tja und so haben wir uns dann heute in der Nähe von Auckland das Jawort gegeben. Wie sich das für Endurofahrer gehört, natürlich nicht auf irgendeinem Standesamt, sondern “offroad”. Genauer gesagt, an den Karekare Wasserfällen. Die liegen ca. 50 km südwestlich von Auckland. Hier in Neuseeland ist sowas eben kein Problem. Standesgemäß wurde natürlich mit der KTM vorgefahren, die gehört schließlich zur Familie. Ein bisschen “Baustellenvorbereitung” habe ich im Vorfeld natürlich schon betrieben. Schließlich ist Neuseeland nicht Las Vegas, wo man eben mal heiratet und einen Tag später sagt “was interessiert mich mein Geschwätz von gestern”. Zu der Standesbeamtin hatte ich im Vorfeld von Deutschland aus schon Kontakt aufgenommen und alle erforderlichen Unterlagen ausgefüllt und zugemailt. Das hielt sich aber auch ehrlich gesagt in Grenzen. Jedenfalls hat Sie bloß noch auf “Grünes Licht” von mir gewartet und dann konnte es losgehen. Nachdem wir unsere Heiratslizenz gestern in Auckland abgeholt hatten (ganz ohne Bürokratie geht es auch hier nicht), und wir am Abend noch mit Angelika, unserer Standesbeamtin, ein paar Gespräche geführt hatten, konnte es dann heute losgehen. Der Wettergott war auch voll auf unserer Seite, so daß wir bei schönstem Sonnenschein und einer phantastischen Kulisse die Heiratszeremonie durchführen konnten.

24.01.12 Coromandel, Rotorua,Taupo

Bevor wir hier weiter von unserer Reise berichten, möchten wir uns erst mal bei Euch Allen für die vielen Glückwünsche bedanken. Mit so viel Anteilnahme haben wir nun wirklich nicht gerechnet. Egal ob als Kommentar hier im Blog, als email oder per Skype-Liveschaltung, Danke für die guten Wünsche! Unser Blog hat in den letzten Tagen neue Rekordwerte bei Zugriffszahlen aufgestellt. Dafür wollen wir uns auch weiterhin mit ein paar Bildern und Berichten aus NZ bedanken.

Nachdem wir uns bei unserer Standesbeamtin Angelika und ihrem Mann John mal zwei Tage so richtig verwöhnen lassen haben – schlafen in  richtigen Betten, Frühstück wie es sein muß, und abends ein gutes Restaurant – hat uns nun der Bikeralltag wieder. 😉 Von Auckland aus ging es auf die Halbinsel Coromandel an der Ostküste. Landschaftlich sehr schön, führt eine Art Ringstraße um die Insel, die wir am ersten Tag bis zur gleichnamigen Stadt gefahren sind. Besonders für Motorradfahrer ist diese Strecke ein Genuß. Vor lauter Kurven wird einem ganz schwindelig. Der Asphalt ist schön griffig, da macht das Fahren Spaß. Schade nur, daß unser Dampfer so schwer beladen ist, da mußte ich mich so manches mal bremsen oder besser gesagt bremsen lassen, wenn von hinten die Ermahnung kam. Fehler oder Unkonzentriertheit darf man sich hier aber wirklich nicht erlauben, so was wie Schutzplanken gibt´s in NZ nur ganz selten, und wenn, dann haben sie eher hinweisenden Charakter. Am nächsten Tag sind wir dann auch erst mal quer über die Insel auf Schotter weitergefahren. An sich kein Problem, aber Schotter im Serpentinenstil mit voller Beladung fordert noch mehr Aufmerksamkeit als Straße. Dafür wird man aber auch mit besonders schöner Landschaft belohnt. Wir wären gern noch einen Tag länger hier in der Gegend geblieben, aber die Kiwis kennen die schönen Strände natürlich auch und so war gerade am Wochenende hier entsprechend viel los. Am Hot Water Beach ging es zu, wie an der Copacabana zum Karneval. Also haben wir noch ein paar Kilometer drauf gelegt und sind weiter bis Rotorua gefahren – in die Gegend von heißen Quellen und Geysieren. Nachdem wir, wie meistens, auf einem Top 10 Holiday Campingplatz untergekommen sind, haben wir am nächsten Tag unsere müden Knochen in einem Schlamm- und Schwefelbad erst mal wieder auf Vordermann gebracht. Das ist sozusagen das Aushängeschild dieser Gegend. An allen Ecken dampft und brodelt es, und der Schwefelgeruch steigt einem sofort in die Nase. Die Kiwis vermarkten das natürlich entsprechend und das ganze läuft dann unter dem Namen geothermale Spa-Einrichtungen. Unser Bad hatte den passenden Namen “Hells Gate”. Als wir nach dem zweistündigen Aufenthalt wieder rauskamen, haben wir tatsächlich gerochen, wie Luzifers neueste Jünger. Aber es hat zumindest für den Augenblick richtig gut getan. Beim abendlichen Check des Mopeds habe ich dann leider festgestellt, daß am Hinterrad eine Speiche das zeitliche gesegnet hat. Dummerweise ist sie mitten im Gewinde gebrochen, so daß auch ein neuer Speichennippel her mußte. Dazu aber mehr bei unserer nächsten Station. Diese hieß dann Taupo. Am gleichnamigen See gelegen, welcher der größte Neuseelands ist, haben wir nach nur knapp 100km wieder einen Stop eingefügt. Auch hier wird noch viel Geld mit “heißer Luft” verdient, aber noch mehr steht hier der Wassersport und das Angeln im Vordergrund. Ich glaube jeder Kiwi hat als erstes Fahrzeug in seinem Leben ein Boot mit entsprechender Angelausrüstung. Wir haben uns aber lieber über den Lake Taupo  schippern lassen um uns ein paar Skulpturen der Maoris anzuschauen, die in die Felsen gemeißelt wurden. Beim Gespräch am Hafen sind wir dann auch zufällig auf´s Motorrad zu sprechen gekommen (der Mann der Ticketverkäuferin fährt auch eine 990er KTM) und so wurde uns der Tip für eine Werkstatt gegeben, in der wir unsere kaputte Speiche reparieren lassen konnten. Die Jungs dort haben sich auch sehr bemüht, das passende Material rauszusuchen und haben während unserer Bootstour für einen mehr als fairen Preis die Speiche gewechselt, inkl. Reifen ein- und ausbauen. Als wir zurück kamen war alles fix und fertig, sogar der Preis war noch geringer als vorher angekündigt. Überhaupt können wir sagen, daß die Kiwis sehr freundlich und hilfsbereit sind. Wir haben zwar bei dem einen oder anderen etwas Schwierigkeiten mit der Verständigung, da der Slang, der hier gesprochen wird, doch teilweise sehr gewöhnungsbedürftig ist, aber das macht den Leuten hier gar nichts aus, dann wird eben 2-3 mal wiederholt, bis wir es kapiert haben. Nur zu den neuseeländischen Motorradfahrern haben wir bisher noch nicht den richtigen Draht gefunden. Vielleicht liegt das daran, daß wir bisher nur auf Harleyfahrer und ähnliche Rocker gestoßen sind. Jedenfalls konnten wir nach der Reparatur auch noch den geplanten Ausflug zu den nahe gelegenen Huka Falls machen. Diese glänzen zwar nicht gerade mit großer Höhe, aber immerhin schießen 200.000 Liter pro Sekunde ganze halsbrecherische 9 m in die Tiefe. Das brodelt schon ganz ordentlich. Diese Wasserfälle sind übrigens ein Ablauf aus dem Lake Taupo, den wir morgen nun Richtung Westen verlassen werden. Unser Ziel ist der “Forgotten World Highway”. Na mal sehen, wie vergessen der wirklich ist.

28.01.12  Taupo-New Plymouth-Whanganui-Wellington

Den Tip mit dem “Forgotten World Highway” hatten wir noch von Angelika bekommen. Also haben wir diese Strecke mal als willkommene Alternative zu den normal befahrenen Highways genommen. Erst dachten wir, daß der Name ein Werbegag sei, aber als wir in Taumarunui , dem Starpunkt des Highways ankamen, staunten wir nicht schlecht, als auf allen Wegweisern tatsächlich “Forgotten World Highway” ausgeschildert war. Die Strecke führt über 150 km von TTaumarunui bis Stratford, auf für unsere Begriffe Kreisstraßen, von unterschiedlicher Qualität entlang. Teilweise ist auch mal etwas Gravelroad dabei. Eins aber ist auf der ganzen Strecke gleich, fast kein Verkehr und das ganze in sehr schöner Landschaft. Genau so wollen wir unterwegs sein. Bei der ersten Pause treffen wir einen Triumph Fahrer aus Auckland. Er kann uns eine Menge über die Gegend erzählen – natürlich erst nachdem die Vor- und Nachteile der eigenen Bikes ausgiebig diskutiert wurden. Ein paar Kilometer später treffen wir ihn noch einmal in der “Republik” Whangamomona. Ja richtig, eine eigene Republik, in der man sogar einen Stempel in den Paß bekommen kann. Ob mit Whangamomona die vergessene Welt gemeint ist, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen. Der Besitzer des dortigen Hotels wäre aber heilfroh, wenn er seinen Laden verkaufen und seine Koffer packen könnte. Nachdem unser Pässe gestempelt waren sind wir weiter Richtung Stratford. Die Straße wurde immer schlechter aber als Belohnung bekamen wir kurz vor Ende des Highways den Mt. Taranaki zu sehen.  Ein erloschener Vulkan von 2.518 m Höhe, der zum letzten Mal 1854 ausgebrochen ist. Unser Quartier haben wir dann nach über 300 km endlich in New Plymouth gefunden. Die Strecke war zwar nicht so lang, aber es hat doch eine Weile gedauert, da wir durch die vielen Kurven und die Schwätzerei unterwegs etwas die Zeit vertan haben. Diesen Abend blieb die Küche kalt. Noch schnell mit der KTM in die Stadt, eine Pizza hinten auf´s Moped geschnallt und zurück zum Campingplatz, wo Gina schon gewartet hat. Die Gegend, in der der  Mt. Taranaki steht, ist ein Nationalpark. den haben wir am nächsten Tag erst mal etwas erkundet. Hier müßte man jetzt die richtige Ausrüstung dabei haben – da könnte man tagelang wandern. In den Bikerklamotten waren leider nur kurze Ausflüge drin, aber auch die haben uns eine tolle Landschaft mit noch interessanterer Flora gezeigt. Von nun an ging es weiter Richtung Süden über Whanganui nach Wellington. Im Ralleysport würde man hier von einer Verbindungsetappe sprechen. Nachdem wir anfangs noch auf einer etwas weniger befahrenen Küstenstraße unterwegs waren, ging es irgendwann auf den Highway 3. Eine recht langweilige Strecke ohne Kurven oder landschaftliche Reize. Das Einzige, was hier für “Abwechslung” sorgte, war der ständige Seitenwind. Eigentlich haben wir bis jetzt nur sehr wenige Tage hier erlebt, an denen nicht “der Fuchs pfeift”, aber auf dieser Strecke war es doch recht heftig, vor allem böig. Unser Reisedampfer liegt mit seiner knappen halben Tonne Kampfgewicht allerdings gut im Wind, so daß uns das nicht aus der Ruhe bringt. Gina ist jedoch recht froh, daß Sie nicht selber fahren braucht. Hatten wir doch anfangs noch darüber nachgedacht, ein Moped für Sie in Auckland zu kaufen, ist das der Hauptgrund, warum wir diese Idee verworfen haben. Nach zwei Tagen Fahrt sind wir dann in  Wellington, der Hauptstadt Neuseelands, angekommen. Hier wollten wir eigentlich einen Tag sightseeing machen, da wir eine “verträumte” Kleinstadt erwartet hatten. Unsere Begeisterung hielt sich allerdings in Grenzen. Ganz Wellington ist von vielen Vororten umgeben, die mehr oder weniger an Industriegebiete erinnern. Schon bei der Zeltplatzsuche ging uns das auf die Nerven. Auch ein Abstecher in die City konnte unsere Laune nicht bessern, so daß wir beschlossen, schon am nächsten Tag auf die Südinsel überzusetzen. Davon dann mehr beim nächsten Mal.

01.02.12 Wellington-Blenheim-Hanmer Springs

Die Fähre von Wellington nach Picton, der Hafenstadt auf der Südinsel, verkehrt mehrmals täglich und wird von zwei Fährgesellschaften betrieben. Wir hatten also die Wahl, wann wir übersetzen wollten. Da uns keiner hetzt, haben wir die zweite Fähre am Vormittag genommen. Die Überfahrt war recht kurzweilig. Erst haben wir ein paar Biker aus Süddeutschland getroffen, die auf geliehenen Mopeds unterwegs waren, dann haben wir uns mit einem Ehepaar aus der Nähe von Christchurch über Gott und die Welt unterhalten. Ist schon interessant, was man von den Leuten erfährt, wenn man erst mal ins Gespräch kommt. Selbst hier, am Ende der Welt wird sich dafür interessiert, was in Europa, speziell in Deutschland so passiert.  In Picton angekommen, hatten wir schnell die örtlichen Zeltplätze abgecheckt, allerdings hat uns keiner so richtig gefallen. Da es noch recht früh war, hieß unsere nächste Station Blenheim, ca. 30 km weiter südlich. Hier war der Campground ganz ordentlich und wir beschlossen, die nächsten beiden Tage hier zu verbringen. Da wir auf unserem Weg Richtung Süden möglichst auf viel befahrene Straßen verzichten wollten, haben wir uns für die Weiterfahrt auf der Molesworth Road entschieden. Diesen Tip hatten wir noch von dem Triumph Fahrer aus Auckland bekommen, den wir vor ein paar Tagen getroffen hatten. Die Strecke von Blenheim nach Hanmar Springs ist gut 200 km lang, von denen der größte Teil durch pure Natur oder Farmland geht. Nach 20 km ging´s dann auch runter vom Highway und rauf auf die Molesworth Strecke. Nach weitern 30 km war Schluß mit Asphalt, von nun an war Gravelroad angesagt. Die Strecke ließ sich auch ganz gut fahren, ab und zu ein bisschen Wellblech und die Autos, die einem entgegenkamen, konnte man an einer Hand abzählen. Alles ging soweit gut, bis uns in einer Linkskurve plötzlich ein Campervan auf unserer Seite entgegen kam. Da der Bursche nicht gerade langsam unterwegs war, blieb mir nur die Wahl, ins Bankett auszuweichen. Das ausgerechnet an dieser Stelle Ausspülungen von ca. 40-50 cm Tiefe waren, war schon etwas Pech. So lag die ganze Fuhre ruck zuck auf der Seite. F….!!! Da wir nicht schnell waren, ist Gott sei Dank keinem von uns was passiert, nur der rechte Seitenkoffer hat uns die Aktion recht übel genommen. Von einer Quaderform war nach dem touchdown nicht mehr viel zu erkennen. Na ja, bei der Beladung kann man ihm das auch nicht mal übel nehmen. Einem Pferd hätte man wohl jetzt den Gnadenschuß gegeben, aber wir müssen die nächsten sieben Wochen noch was zum einpacken haben. Doch selbst in dieser Situation hatten wir wieder mal Glück im Unglück. Ein paar Kilometer weiter war die Molesworth Station, bei der die gleichnamige Farm beginnt. Der Farmer zeigte sich als echter Kumpel. Sein Englisch war zwar echt schwer zu verstehen, aber was uns fehlte, war auch ohne Sprache eindeutig zu erkennen. Jede Menge Werkzeug, und davon hatte er reichlich. Schließlich waren wir zufällig auf der größten Rinderfarm Neuseelands gelandet. Mit über 180.000 ha ein nicht gerade kleines Anwesen. Über die Hilfsbereitschaft der Neuseeländer können wir gar nicht genug des Lobes sagen. Wir haben zwar schon einige Leute unterwegs getroffen, die uns alle freundlich entgegen getreten sind, aber das heute war sicherlich die Krönung. Nicht nur, daß uns Hammer, Bohrmaschine, Nieten und Silikon überlassen wurde, natürlich gab´s auch Kaffee dazu. Da der Farmer mittendrin dringend weg mußte, hat er uns seine Werkstatt allein überlassen. Nach dem Motto: “Wenn ihr was braucht, bedient euch einfach!” Wir sind uns nicht so wirklich sicher, ob das in Deutschland auch so gelaufen wäre. Nach zwei Stunden hämmern und dengeln war der Koffer wenigstens wieder als solcher zu erkennen. Trotz allem Werkzeug war aber einfach keine völlige Wiederherstellung möglich, dafür war der Einschlag zu heftig. Seine Wasserdichtigkeit hat er jedenfalls für immer verloren. Dafür muß jetzt eine Rolle Tape herhalten, die wir schon auf drei Kontinenten mit dabei hatten. Mal sehen, wie sich das die nächsten Tage so macht. Zur Weiterfahrt hatten wir jedenfalls keine Lust mehr und so haben wir unser Zelt an dem nahegelegen DOC Campingplatz aufgestellt. Darunter muß man sich eine Wiese mit einem Wasserhahn und einem Dixiklo vorstellen. Der Ranger kommt irgendwann vorbei und kassiert 6$ von jedem. Wofür, wissen wir auch nicht so genau, aber wenigstens hat er Gina noch ein kühles Bier in die Hand gedrückt – das konnte sie nach der Aufregung heute auch gebrauchen! Am nächsten Tag haben wir dann die restlichen 80km Gravelroad bis Hanmer Springs abgespult. Die Landschaft war wieder mal großartig das Wetter hat auch mitgespielt, was will man mehr!? Als wir endlich wieder Asphalt unter den Reifen hatten, waren wir schon ganz froh. Nach 180km Schotter, von denen die letzten 10km über den Jolliepaß führten, hatten wir für´s erste erst mal genug. Morgen geht es wieder an die Küste nach Kaikoura. Dort soll man gut Wale beobachten können. Vielleicht haben wir ja diesmal Glück, nachdem sich die Kiwis schon nicht gezeigt haben.

08.02.12 Hanmer Springs-Kaikoura-Christchurch-Lake Tekapo

Die Fahrt von Hanmer nach Kaikoura verlief, bis auf ein bisschen Benzinroulette, recht unspektakulär. Das Zelt mußten wir bei einsetzendem Regen abbauen, der sich aber, Gott sei Dank, recht schnell wieder beruhigte. Mit dem letzten Tropfen Sprit sind wir dann in Kaikoura angekommen. Diese Stadt lebt quasi von Whalewatching, Robben und Delphinen. So haben wir dann auch gleich noch für den nächsten Tag eine Tour zu den Walen gebucht. Das ganze läuft richtig professionell ab. Unsere Gruppe von ca. 50 Mann wurde dann mit dem Bus abgeholt und zum Boot gebracht – ein Katamaran. Das Teil sah auch schon ganz schnittig aus. Bei der Einweisung durch die Crew wurde was von Seekrankheit gefaselt und daß man sich ruhig melden sollte, wenn es einem schlecht ginge…, ja, ja ist doch bloß ´ne Bootsfahrt, wann geht´s endlich loß? Kaum hatten alle Platz genommen ging´s auch schon mit ca. 40-50 Sachen übers Wasser. So ein Katamaran hat die schlechte Angewohnheit vorn recht gut hoch und runter zu hüpfen. Bei Wellen von 1-2 m macht sich das ganz ordentlich bemerkbar. Was soll ich sagen, ca. die Hälfte der Fahrgäste hat sich ihr Frühstück noch mal durch den Kopf gehen lassen. Ich muß mich leider auch dazu zählen.Gina, als alte Seemannstochter, hat das bisschen Schaukelei natürlich locker weggesteckt 😉 Aber das muß wohl der Preis dafür sein, wenn man so ein gigantisches Tier sehen will. Nach einigen Wendemanövern hat der Kapitän dann auch die Stelle gefunden, an der ein Wal aufgetaucht ist. Einfach gigantisch, so was mal in freier Wildbahn live zu erleben. Nach ein paar  Minuten hat sich der Koloß dann zum Tauchgang bereit gemacht und sich sogar mit seiner imposanten Schwanzflosse von uns verabschiedet. Ich glaube, die meisten Fahrgäste waren trotzdem froh, nach ca. 2 Stunden Fahrt wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Der Kotztütenabnehmer (kein Witz) hatte jedenfalls ordentlich zu tun. Da Kaikoura sonst nicht wirklich viel zu bieten hat, sind wir am nächsten Tag weiter Richtung Christchurch gefahren, wo wir uns bei Carmen und Carsten angemeldet hatten. Die beiden kannten wir bis jetzt nur aus dem LC8-Forum bzw. via email. Aber die Chemie stimmte, so daß wir uns dort 3 Tage verwöhnen ließen. Mal wieder in richtigen Betten schlafen, kein Zelt aufbauen müssen usw. so kann Reisen Spaß machen. Ein Rundgang durch Christchurch stand natürlich auch auf dem Programm. Die Stadt ist von den vergangenen Erdbeben wirklich stark getroffen. Einige Stadtteile sind total abgesperrt und werden wohl dem Erdboden gleich gemacht. Wer in der Nähe ein Geschäft hat, hat die Gegend – wenn irgend möglich – verlassen, vielen ist das aber nicht möglich, so daß teilweise in Containern weiterverkauft wird. Wir können nur hoffen, daß die Gegend von weiteren Beben verschont bleibt und die Leute hier einem geregelten Leben nachgehen können. Am letzten Tag haben wir noch eine gemeinsame Motorradtour mit Carmen und Carsten über die Halbinsel Banks Peninsula gemacht. Vor lauter Kurven fahren ist uns ganz schwindelig geworden. 😉 Allerdings ist diese Gegend im Südwesten von Christchurch auch der einzige Fleck, wo man mit dem Moped richtig Spaß haben kann. Der Rest ist ziemlich flach und unspektakulär. Nachdem wir es uns drei Tage gut gehen lassen haben, wollten wir die Gastfreundschaft von Carmen und Carsten nicht überstrapazieren und sind weiter ins Landesinnere gefahren. Eigentlich wollten wir schon in Fairlie Station machen, aber nachdem wir vom dortigen Zeltplatzbetreiber sooo herzlich empfangen wurden, sind wir noch bis zum Lake Tekapo weiter gefahren. Eine weise Entscheidung, wie sich rausstellte. Der See beeindruckt mit einem Panorama und Farbenspiel, daß man sich gar nicht dran sattsehen kann. So beschlossen wir denn auch, noch einen Tag länger dort zu bleiben und bei bestem Wetter den nahegelegenen Mt. John per pedes zu erkunden. Von dort hat man eine grandiose Aussicht auf den See und die umliegenden Berge. Beim Abstieg vom Berg haben wir allerdings die Sonne etwas unterschätzt, so daß wir uns etwas den Pelz verbrannt haben. Aber das Panorama war es allemal wert. Der nächste Anlaufpunkt ist dann der Mt. Cook – der höchste Berg Neuseelands. Dort soll das Panorama angeblich noch schöner sein. Ob das stimmt, erfahrt ihr dann beim nächsten Bericht.

13.02.12 Lake Tekapo-Mt. Cook-Queenstown-Te Anau

Die paar Kilometer bis zum Mt. Cook waren recht schnell vergessen. Unterwegs haben wir noch zwei Oldies auf ihren Oldies getroffen. Die beiden kamen aus Christchurch und waren auf ihren Mopeds Bj. 1952 und 1957 unterwegs. Darauf konnte ich nur entgegnen, daß ich mir nicht sicher wäre, ob unsere KTM mit 60 Jahren auf dem Buckel auch noch so durch die Gegend fährt. Auf jeden Fall war die Unterhaltung mit den Beiden recht interessant, einer fuhr sogar mal ´ne ETS250, die er in Großbritannien gekauft hat. Da kamen natürlich Erinnerungen hoch und es wurden gleich mal ein paar Geschichten über “Honni´s Zonenfeile” ausgetauscht. Der Mt. Cook wollte uns leider die letzten paar hundert von seinen insgesamt 3.754m nicht zeigen. Wir haben dann eine Nacht gewartet, um am nächsten Tag den geplanten Heliflug zu machen, aber da sah es auch nicht viel besser aus. So muß der Berg eben auf unseren Besuch verzichten. Vielleicht klappt es ja auf dem Rückweg über die Westküste noch mal. Der Aufbruch am nächsten Morgen verlief übrigens ähnlich wie am Cape Reinga. Vor lauter Sandflies haben wir beim Packen sogar schon die Sturmhaube von den Mopedklamotten übergezogen. Diese Biester können einem aber auch gewaltig auf den Zeiger gehen. Auf Queenstown waren wir schon mächtig gespannt. Die Reiseberichte von anderen Reisenden waren nicht immer so vielversprechend. Unsere Zeltplatzsuche verlief dann auch alles andere als erfolgreich. Mitten in der Stadt, knallvoll mit Campervans und zu einem horrenden Preis – das war nun gar nichts für uns. Also sind wir noch 5km weiter gefahren und haben ein ruhigeres Plätzchen gefunden. Das hat nur den Nachteil, daß man immer mit dem Moped in die Stadt muß. Ansonsten hat uns Queenstown sehr gut gefallen. Eine schön gemachte Stadt vor einem faszinierenden Panorama. Natürlich kann man, wie überall beschrieben, jede Menge Geld für Action ausgeben. Von Jetboot fahren über Bungeejumping oder Paragliding, da ist alles dabei. Natürlich lassen sich die Anbieter diesen Spaß fürstlich vergüten. Aber man muß ja nicht alles mitmachen. Die Stadt selber hat einen tollen Park und vom nahe gelegenen Aussichtspunkt hat man einen tollen Blick über die Stadt und den Lake Wakatipu. Nach zwei Tagen sind wir dann weiter nach Te Anau gefahren. Das sollte unser Ausgangspunkt für einen Besuch des Milford Sounds werden. Leider war die Wettervorhersage nicht ganz so toll, so daß wir den ersten Tag lieber vor Ort geblieben sind als die 120km evtl. im Regen nach Milford zu fahren. Wie sich hinterher herausgestellt hat, war es die falsche Entscheidung. Das Wetter wurde immer besser, man hätte ruhig fahren können. Aber so ist das nun mal hier in NZ mit dem Wetter – es ist immer alles möglich! So werden wir morgen einen neuen Versuch unternehmen, diesmal aber mit dem ganzen Gepäck.

16.02.12 Te Anau-Milford Sound-Invercargill

Der nächste Morgen sah noch schlechter aus, als der davor, zumal es in der Nacht noch geregnet hatte. Aber wir haben mal auf das Gesetz der Serie gehofft, haben unser Zeug zusammengepackt und sind in Richtung Milford aufgebrochen. Mit jedem Kilometer, den wir weiter voran kamen, wurde das Wetter besser, sogar die Sonne ließ sich irgendwann blicken. Also, alles richtig gemacht!Die Strecke wurde ungefähr nach der Hälfte der insgesamt 120 km richtig kurvig und landschaftlich immer schöner. Wir haben uns Zeit gelassen, so daß wir erst gegen Mittag dort waren. Da war dann noch genug Zeit das Zelt aufzubauen und die letzte Fähre durch den Fjord für diesen Tag zu buchen. Die Fahrt durch den Milford Sound war wirklich sehr schön, allerdings waren wir uns beide einig, daß etwas zu viel Wirbel darum gemacht wird. Es ist eben ein Fjord, nicht mehr und nicht weniger. Jeder,  der schon mal in Norwegen war, kennt das, und dort werden nicht ganze Busladungen voll Touristen zu den Fjorden gefahren, nur um dann mit ´nem Schiff einmal ringsrum zu fahren. Hier werden dafür die Touris sogar mit Flugzeugen und Helikoptern massenweise durch die Gegend geflogen. Jedenfalls hat der Aha-Effekt für unseren Geschmack gefehlt. Am nächsten Morgen sind wir recht früh aufgebrochen. Einmal, um die 300 km nach Invercargill gut zu schaffen, aber vor allem wollten wir den Sandflies nicht die Chance geben, wieder richtig aktiv zu werden. Diese kleinen Mistviecher hatten uns am Abend zuvor ganz schön genervt. Trotz Moskitospray beißen diese kleinen Biester, was das Zeug hält. Ich glaube, die nehmen dieses Spray noch als Doping. Die “ruhige Nacht”, die wir uns auf dem Zeltplatz am Milford Sound erhofft hatten, war auch alles andere als ruhig. Der letzte Campervan kam gegen Mitternacht auf den Platz. Ich glaube, ich muß dem Lonley Planet Reiseführer mal ein paar aktuelle Informationen zukommen lassen. 😉 Die Fahrt nach Invercargill ist zwar als Scenic Route ausgeschildert, aber bis auf eine alte Hängebrücke, die angeblich die längste Neuseelands sein soll, haben wir keine besonderen landschaftlichen Höhepunkte festgestellt. Allerdings sind die Nebenstrecken immer noch besser als die State Highways zu fahren. Invercargill ist quasi der “Vorposten” zum südlichsten Punkt Neuseelands, jedenfalls des südlichsten, der von den meisten Touris mit einem Fahrzeug angefahren wird. Ein paar Kilometer weiter südlich liegt das kleine Örtchen Bluff. Hier beginnt der Highway 1 und es gibt wieder den offiziellen Wegweiser in alle Himmelsrichtungen. Bis zum Südpol sind es von hier aus nur noch schlappe 4.800 km. Das haben wir in den letzten Tagen auch beim Wetter mitbekommen. Manchmal war auch tagsüber die Regenjacke gefragt, allerdings nicht wegen Regen, sondern wegen der eher mäßigen Temperaturen in Verbindung mit einer steifen Brise. Das Beste an Invercargill ist allerdings die direkte Zufahrt zum Sonnenuntergang. Mit dem Bike direkt an den Oretistrand und der Sonne zusehen, wie sie im Meer versinkt – das hat schon was! Auf unserer weiteren Fahrt entlang der Südküste, den sogenannten Catlines, mußten wir natürlich noch am geografisch südlichsten Punkt vorbeischauen, unserem “Point of Return” sozusagen. Dafür mußten ein paar Kilometer Gravelroad und ein kurzer Fußmarsch absolviert werden. Bei der Gelegenheit haben wir auch noch schnell einen Geocache geloggt – weiter südlich werden wir so schnell wohl nicht wieder kommen. Nach bisher knapp 6.000km war bei               S 46°40´40´´ und E 169°00´11´´  endgültig Schluß! An dieser Küste ist neben der rauhen Landschaft Neuseelands auch einiges an Tieren zu sehen. So haben wir hier das erste Mal Seelöwen in freier Wildbahn gesehen. Von den angekündigten Pinguinen war leider nichts zu sehen – wer weiß, wo sich die Burschen gerade wieder rumgetrieben haben. 🙂 Unser nächstes Ziel heißt jetzt Dunedin an der Ostküste. Dort soll die angeblich steilste Straße der Welt sein. Mal sehen, ob wir die schaffen!

21.02.12 Invercargill-Dunedin-Wanaka-Haast

Die steilste Straße der Welt haben wir geschafft – für unsere KTM natürlich kein Problem 😉 Dafür schafft uns so langsam das Wetter! Aber der Reihe nach. In Dunedin sind wir wieder mal auf einem Top 10 Campingplatz abgestiegen. Der hatte, zumindest noch am ersten Abend, eine tolle Aussicht auf die Stadt. Draußen sitzen, bei Kerzenlicht und über die unwichtigen Dinge des Lebens philosophieren – sehr schön! In der nächsten Nacht fing es dann an mit regnen, den ganzen darauffolgenden Tag auch und die ganze nächste Nacht immer noch. Da kann dann schon irgendwann Frust aufkommen. So viel kann man gar nicht im Netz surfen, um die Zeit tot zu schlagen. Bloß gut, daß der Campingplatz einigermaßen ausgerüstet war und wir nicht im Zelt rumsitzen mußten. Was so ein Mistwetter meistens mit sich bringt, sind auch niedrige Temperaturen – ideal geeignet um sich ’ne Erkältung aufzusacken. Das habe ich dann auch gleich mal getan 😦  Tja, die wilden Jahre, wo man mit freiem Oberkörper durch den Schnee stiefeln konnte sind anscheinend vorbei. 🙂 Irgendwann kam dann auch endlich wieder mal die Sonne raus und wir konnten unsere Tour in die Umgebung von  Dunedin starten. Die erste Fahrt ging an´s Ende der Halbinsel. Dort sollen angeblich Albatrosse und Pinguine zu sehen sein. Na ja, wenn man durch die Unmengen von Möwen durgeschaut hat, konnte man auch endlich mal ein paar Albatrosse vorbeisegeln sehen. Das sind schon recht imposante Vögel mit einer ordentlichen Spannweite. An die Nistplätze hat man die Touris sicherheitshalber nicht rangelassen. Einerseits okay, aber wir hätten sie natürlich gern auch mal aus nächster Nähe gesehen. Zurück in der Stadt war die Fahrt zur Baldwin Street angesagt. Mal sehen, wie steil diese Straße nun wirklich ist. Mit maximal 35% ist sie wirklich schon ganz schön steil. Gina ist auch vorsichtshalber erst mal abgestiegen. Sie wollte zwar angeblich nur die Fotos machen, aber ich glaube sie hatte ein bisschen Schiß. 🙂 Also, 1. Gang rein und los, und eh man sich versieht ist man schon oben angelangt. Man muß viel mehr darauf aufpassen, nicht einen der Fußgänger zu erwischen die ständig versuchen, in neuer die Rekordzeit die Straße hochzulaufen. In der Stadt haben wir dann noch ein Fahrradfahrerpärchen aus Deutschland getroffen, die uns einen Tip für die Innenstadt gaben. Dort fand gerade ein Wettkampf im Dudelsackspielen statt. Man, wir haben noch nie so viele Säcke, äh Dudelsäcke, auf einem Haufen gesehen. Das war schon ganz nett anzuhören. Dunedin soll wohl auch eine der schottischsten Städte außerhalb Schottlands sein. Na ja, da wir noch nicht in Schottland waren, können wir das leider nicht beurteilen. Vielleicht ist das aber der Grund für das schlechte Wetter. Dort soll´s ja auch immer regnen. Von Dunedin ging unsere Fahrt weiter in Richtung Westküste, diesmal wieder etwas offroad. Von mehreren Leuten hatten wir schon etwas über die “Old Dunstan Road” gehört. Ein alter Track durch die Berge, der zu Zeiten des Goldrausches entstanden ist. Da waren wir natürlich gespannt, was uns auf den knapp 100 km Gravelroad erwartet. Die ersten 10-15 km waren eher “ernüchternd”. Ja, Gravelroad eben, und die Landschaft war auch nicht so prall. Dazu kam dann noch, daß ein Gräderfahrer  auf ca. 3-4 km Länge versuchte, die Straße auszubessern. Ich glaube, der Azubi war diesmal am arbeiten und was dabei rauskam, ließ uns eher an einen gepflügten Acker denken, als an eine Gravelroad. Die Begeisterung meiner Sozia über das daraus resultierende Schlingern will ich hier mal nicht wiedergeben. Ab jetzt hieße das ja “Ehestreit”. 😉 Danach wurde es aber landschaftlich immer schöner. Man wußte gar nicht, in welche Richtung man zuerst fotografieren sollte.  Dazu hatten wir auch noch traumhaftes Wetter. Kaum zu glauben, daß es vor zwei Tagen noch elend kalt und naß war. Also, alles richtig gemacht! Auf dem Track lagen sogar noch ein paar Caches versteckt, so daß auch noch ein weiteres Hobby nicht zu kurz kam. Zu guter letzt haben wir dann auch noch Gold gefunden, nur leider waren die Nuggets zu groß, als daß wir sie hätten mitnehmen können. Der Ausklang des Tages wurde dann doch noch ein bisschen gedämpft. Bei der Zeltplatzsuche  wurde unser guter Geschmack wieder mal auf eine harte Probe gestellt. Der erste Versuch in Alexandra war eine volle Luftnummer, da lohnte es sich nicht mal, den Motor auszustellen. Also weiter nach Cromwell, dort sollte wieder ein Top 10 Platz sein. Dieser Platz erinnerte uns aber eher an den Film “Mad Max und das Ende der Donnerkuppel”, aber nicht, weil wir Tina Turner sahen, sondern weil es dort auch irgendwie nach Endzeitstimmung aussah. Also wieder aufgestiegen und noch mal 60 km weiter nach Wanaka. Die Stadt machte schon mal einen sehr schönen Eindruck, hoffentlich hatte der Campingplatz davon was abbekommen. Aber trotz Top 10, auch hier war der Platz nicht gerade ein Highlight. Aber inzwischen war es schon reichlich spät, so daß wir wohl oder übel unser Zelt aufschlagen mußten. Mal sehen wie es nach einer Nacht schlafen aussehen würde.

23.02.12 Wanaka-Haast-Franz Josef

Auch am nächsten Tag sah der Zeltplatz in Wanaka nicht wirklich besser aus. Auch der Himmel kündigte schon mit ein paar Tropfen an, daß wir heute noch den A…. voll kriegen würden. Also erst mal alles zusammenpacken, damit wenigstens noch alles trocken in die Packrollen kommt. Da die winzige Küche auf dem Platz nicht gerade der Burner war und auch noch total überfüllt, haben wir uns ein Frühstück in der Stadt gegönnt – mit Blick auf den Lake Wanaka. Wenigstens was! Dann ging es auf in Richtung Haast. Über den gleichnamigen Paß (zwar nur gut 500 m hoch) fuhren wir der Westküste entgegen. Ich sollte wohl besser schreiben, der Wetcoast – denn nach der Hälfte der Strecke ging der Regen los. Hunderte von tollen Kurven und die Straße patschnaß! Da nützt der beste Reifen nichts, da hilft nur Speed weg und äußerste Vorsicht. In Haast angekommen hatten wir erst mal die Nase voll. Der Campground hatte schöne Cabins zu bieten – an Zelten war bei dem Wetter nicht zu denken. Bei dem Preis, der uns dafür genannt wurde, brauchten wir zwar erst mal einen Kaffee lang Bedenkzeit im Ort, aber die Alternativen waren nicht wirklich vorhanden. Also haben wir mal wieder in richtigen Betten schlafen können und auch eine Dusche für sich allein zu haben ist nicht ganz verkehrt. Am Abend kamen dann noch ein paar Harley Fahrer ins Nachbarzimmer, die auch einigermaßen redselig waren. Es wurden natürlich erst mal Mopedinfos ausgetauscht. Bei der Antwort auf ihre Frage nach Kilometerleistung und bisherigen Defekten unserer KTM sind wir, glaube ich, in Ihrer Wertschätzung ein paar Punkte emporgestiegen. Dafür sahen Ihre Mopeds aber wesentlich gepflegter aus. 🙂 Am nächsten Morgen sah der Himmel auch nicht gerade einladend aus, aber es war wenigstens trocken. Von jetzt an ging es mehr oder weniger dicht an der Küste entlang. Man denkt aber, man fährt durch den Regenwald. Die Vegetation an der Westcoast ist schon toll – ist aber auch kein Wunder bei dem Niederschlag, der hier fällt. Im Jahr sind es so ca. 2-3 m Regen, die hier fallen. Da ist es eigentlich schon Glückssache, wenn man mal ein paar trockene Momente erwischt. Bei uns ging nach ein paar Kilometern auch gleich wieder der Wechsel zu den Regenklamotten los. Gina hat immer ein gutes Gefühl dafür, wann es Zeit wird, die “Kondome” überzuziehen. Bevor wir dann weiter sind, haben wir uns noch an einem der vielen Strandabschnitte „verewigt“. Irgendwann wird wohl mal jemand damit angefangen haben, eine Nachricht auf einen Stein zu schreiben. Inzwischen liegen an diesem Stand hunderte von Steinen mit mehr oder weniger sinnvollen Texten rum. Jedenfalls konnten auch wir nicht wiederstehen.Bis zum Fox-Gletscher sind wir die Regenkombis auch nicht wieder los geworden. Dann muß der liebe Gott aber ein Einsehen mit uns gehabt haben und hat für zwei Stunden mal den Hahn zugedreht. Genau in  dieser Zeit konnten wir zum Gletscher und zurück laufen und hatten wenigstens dieses Naturschauspiel im Trockenen. Der restliche Weg bis Franz Josef war dann natürlich wieder Regenfahrt angesagt. Hier wurde es dann schon etwas komplizierter mit der Suche nach einer Unterkunft. Bei dem Wetter wollten wohl noch ein paar andere Touris ein festes Dach über dem Kopf haben. Nach vier erfolglosen Anfragen haben wir dann doch noch ein Motel aufgetan, das ein  Zimmer frei hatte. Bei dem Preis dafür ist uns aber fast die Luft weg geblieben. Na ja, wenigstens war der Kaffee umsonst und ein paar MB freies Internet konnten wir dem Manager auch noch aus dem Kreuz leiern. Weniger schön ist, daß wir heute, 24h später, immer noch hier sind. Der Regen hat bis jetzt nicht aufgehört und laut Wetterbericht soll es auch erst in zwei Tagen besser werden. Aber der neuseeländische Wetterbericht ist genau so zuverlässig, wie der deutsche. Hier kann man erst das glauben, was man morgens draußen sieht. Das Einzige, was man an so einem verregneten Tag hier machen kann, ist sich im 40 Grad heißen Spa Pool aufwärmen. Das tat unseren müden Knochen und auch meiner Erkältung ganz gut. Also, schaun wir mal, wie es an der Wetcoast weitergeht…

28.02.12 Franz Josef-Greymouth-Hanmer Springs-Nelson

Ein “must have seen” der Westküste sind mit Sicherheit die Pancakerocks bei Punakaiki. Dabei handelt es sich um Felsformationen, die wie aufeinandergeschichtete Pfannkuchen aussehen. Um diese Pfannkuchen zu sehen, sind wir von Franz Josef erst mal weiter bis Greymouth gefahren. Auf dem eigentlich ganz schönen Campingplatz direkt am Meer haben wir allerdings auch lieber eine Cabin genommen. Die Temperaturen waren nicht weit vom einstelligen Bereich entfernt – da war uns ein Dach über dem Kopf dann doch lieber. Daß wir die richtige Entscheidung getroffen hatten, sollte sich in der Nacht rausstellen. Da ging so ein Unwetter runter, wie wir es in den ganzen letzten Wochen nicht erlebt haben. Am nächsten Morgen sah es  dann gar nicht soo schlecht aus (zumindest bei uns im Zimmer) . Also auf zu den “Pfannkuchen”. Gut 40km nördlich von Greymouth kann man diese Felsen besichtigen. Alles ist sehr touristenfreundlich ausgebaut, nicht mal Eintritt muß man bezahlen. Zwischen den Felsen bläßt aus den sogenannten “Blowholes” bei Flut auch noch Wasser an die Oberfläche. Alles sehr schön anzusehen. Bei blauem Himmel kommt das Ganze sicher noch einmal besser. Aber wir woll´n mal nicht meckern, wir konnten zumindest unseren Rundgang im Trockenen machen und haben die Regenkombis erst auf der Rückfahrt rausholen müssen. 🙂 Von der Westküste hatten wir nun aber endgültig genug. Nicht nur, daß wir fünf Tage Mistwetter hatten, dadurch waren wir auch gezwungen, in die teureren Cabins bzw. Motels auszuweichen. Das hat dann gleich mal mit 400-500$ extra zu Buche geschlagen.  😦  Also, rüber an die Ost- bzw. Nordküste in der Hoffnung, daß dort das Wetter etwas besser ist. Eigentlich wollten wir dazu den Arthurspaß fahren, da dieser Weg der angeblich schönere sein soll, aber in  Anbetracht der Wetterlage haben wir uns entschieden, über den Lewispaß auf kürzestem Weg nach Hanmer Springs zu fahren. Diesen Ort kannten wir ja schon von der Herfahrt. Von dort aus sollte es dann noch mal offroad über die sogenannte “Rainbowroad” in Richtung Nelson gehen. Dazu waren 100 km Gravelroad zwischen Hanmer und St.Arnaud zu bewältigen. Den Regenbogen haben wir dabei zwar nicht gesehen, aber immerhin eine einigermaßen schöne Landschaft. Wobei man aber sagen muß, daß diese in keiner Weise mit der Dunstan Road mithalten kann. Außerdem war die Strecke zum größten Teil fieses Wellblech, was höchstens mit einem leichten Einzylinder Spaß bereiten kann, nicht aber mit unserer voll beladenen LC8. So waren denn meistens nur Geschwindigkeiten zwischen 30 und 50km/h drin. Mehr habe ich mir echt nicht getraut, da auch gern mal ein Schlagloch unverhofft auftaucht, was dann nicht so gut kommt. Neben ein paar kleineren und zwei etwas größeren Wasserdurchfahrten gab´s aber keine größeren Herausforderungen, so daß wir nach ca. 4-5  Stunden gut durchgeschüttelt in der Nähe von St. Arnaud angekommen sind. Bei den Bächen waren wir jedenfalls froh, daß unsere Stiefel wasserdicht sind, mußten wir doch einmal erst zu Fuß durchwaten, um zu sehen, wie der Untergrund beschaffen ist. Der letzte Teil der Piste ist auch noch mautpflichtig, da er über Privatland führt. So mußten wir dann zum Schluß auch noch 15 $ für den Spaß abdrücken. In Nelson hat uns der Wettergott auch nicht gerade verwöhnt. Die Temperaturen sind von der 20°  Wohlfühlgrenze gefühlte Lichtjahre entfernt, es ist trist und grau und der Regen grüßt auch immer wieder mal. Die Aussichten versprechen auch nicht viel Besserung für die nächsten Tage, so daß wir morgen die Südinsel verlassen und uns weiter an der Ostküste Richtung Auckland emporschlängeln werden. Für dieses Mistwetter hätten wir nun wirklich keine 18.000 km weit fliegen brauchen, das gibt´s in Deutschland gratis! Aber wie heißt es so schön “Mal verliert man, mal gewinnen die Anderen!”

05.03.12 Nelson-Martinborough-Carterton-Napier-Gisborn-Ohope Beach

Bevor wir die Südinsel verlassen, haben wir noch gut 100 km bis zur Hafenstadt Picton zu fahren. Auf dem Navi geht´s dazu eigentlich immer auf dem Highway 6 entlang – keine aufregende Strecke. Wenn man aber etwas weiter rein zoomt, kommt auf halber Strecke eine Abkürzung zum Vorschein, der sogenannte “Queen Charlotte Drive”. Die Strecke sah auf dem Display schon aus, als wenn man in einen Topf voll Spaghetti’s schaut. In Wirklichkeit war´s noch viel besser. 🙂 Immer an der Küste entlang ging´s nur links-rechts-links…eine Kurve nach der anderen. Gina war etwas weniger amused von der Queen´s Drive. 😉 – kann ich gar nicht nachvollziehen. In Picton ging alles ohne Probleme weiter. Tickets kaufen, auf die Fähre warten, übersetzen. Am Hafen konnten wir noch etwas Smalltalk mit einem Goldwing- und einem Harleyfahrer halten, die hinter uns auf die Fähre warteten. In Wellington angekommen, mußten wir uns erst mal durch den Feierabendverkehr schlängeln. Mit vollem Gepäck mußten wir uns meistens genauso hinten anstellen, wie die Autos. Durchmogeln war nur bedingt möglich. Wir sind dann noch bis Martinborough gefahren, wo wir sicherheitshalber eine Cabin auf dem Zeltplatz genommen haben, denn der Himmel versprach wieder mal nichts Gutes. In der Nacht hat sich unser Verdacht dann natürlich auch bestätigt. Es goß wieder mal aus Kübeln. Unser Plan, dort noch einen Tag zu verlängern, ging dann leider nicht auf. Der Manager sagte nur: “Sorry, we´re fully booked.” Daß ausgerechnet an diesem Wochenende die Meisterschaften im “Goldenen Schaf scheeren” stattfinden, konnte wir nun wirklich nicht ahnen. Also diesmal bei Regen aufsatteln und ganze 30 km weiterfahren bis nach Carterton. Mit Glück fanden wir auch schnell ein Motel, denn auch hier war alles auf das “Goldene Schaf” ausgerichtet, so daß wir nur für eine Nacht bleiben konnten. Da die Gegend auch sonst, außer Wein, nicht sonderlich viel zu bieten hat, sind wird dann an der Ostküste weiter bis Napier gefahren. Ach ja. Auf dieser Strecke kommt man noch an dem Ort mit dem längsten Namen der Welt vorbei. Dieser lautet:“Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu”. 🙂 Um es kurz zu machen. An diesem Ort hat sich ein Typ namens Tamatea mit ein paar anderen ordentlich auf die Birne gehauen. Dabei ist sein Bruder leider über die Klinge gesprungen, und deshalb hat Tamatea dort immer auf einem Hügel rumgesessen und seinem Bruder gedacht (warum der Name deshalb so lang werden mußte hat sich mir allerdings nicht erschlossen). Außer diesem ellenlangen Schild gibt es aber hier nicht viel zu sehen.  Das Wetter wurde aber auch hier an der Ostküste nicht wirklich besser. Wohin man auch schaute, überall war Regen angesagt. Selbst wenn der ausblieb, war der Regenkombi beste Wahl, um die Temperaturen von 12-14 Grad etwas erträglicher zu gestalten. Von Napier aus ging es dann an der Ostküste entlang zum östlichsten Punk Neuseelands. Kein aufregender Ort, aber die Fahrt war recht schön. Haben wir beim losfahren noch die Regenklamotten übergezogen, riß nach einer Stunde der Himmel auf, als wäre nie was gewesen. So konnten wir die 200 km bis zum Eastcape bei trockener Fahrbahn und blauem Himmel fahren. Das war wieder mal ein ganz neues Gefühl. Dafür pfiff uns am Kap der Wind nur so um die Ohren. Bei einer Pause habe ich unvorsichtiger Weise meinen Helm auf einen Tisch gestellt. Das hätte ich besser nicht machen sollen – ruck zuck war das Teil runter gefegt. Zum Glück ist nichts passiert – bei solchen Aktionen geht das Visier gerne mal flöten. Bei E178° 32.634´war dann Schluß mit lustig. Weiter nach Osten geht´s in Neuseeland mit einem Fahrzeug nicht, jedenfalls nicht mit einem Motorrad. Allerdings konnten wir beim Blick über den Pazifik noch keine Spur von Südamerika entdecken. 😉 Zum Übernachten lud die Gegend hier allerdings nicht wirklich ein, so daß wir noch weiter bis zum Ohope Beach gefahren sind. Endlich konnten wir wieder mal das Zelt vorholen, da sich das Wetter offensichtlich mal eine Auszeit vom Regen genommen hat. Mal sehen, wie lange es anhält. Eins haben wir nämlich in Neuseeland gelernt. Der Wetterbericht hier ist alle paar Stunden ein anderer.

08.03.12 Ohope Beach-Auckland

An der Ostküste ging´s noch ein paar Kilometer entlang, bevor wir Richtung Auckland wieder ins Landesinnere abgebogen sind. Als wenn der Wettergott unseren Blog gelesen hätte, wurde die letzten Tage noch mal alles an Sonne aktiviert, was da war. Gute 20 Grad,  blauer Himmel, so hätten wir das gern die letzten beiden Wochen auch gehabt. Aber so eine Reise ist nun mal kein Wunschkonzert. Bei den Temperaturen konnten wir an der Küste sogar wieder unser Zelt auspacken und uns am Strand noch mal so richtig die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Die Gegend um Tauranga ist so eine richtige Beachgegend. Feine Häuser, alles ein bißchen teurer als sonst, halt so richtig auf Touris eingestellt. Das ist zwar sonst nicht so unser Ding aber auf dem Rückweg führte unser Weg nun mal hier entlang. Aber wenigstens haben wir hier mal richtige Kiwis gesehen. Nicht die Neuseeländer, nein, die grünen Dinger am Baum. Oder besser gesagt am Strauch. Die Kiwipflanzen erinnern so ein bißchen an Weinreben, viel höher sind sie auch nicht. Die restlichen Kilometer bis Auckland waren dann auch schnell abgespult. Nach 9.461 km standen wir dann wieder in unserer Backpackerlodge auf der Matte. Bedingt durch das schlechte Wetter der letzten Wochen sind wir ein paar Tage früher, als geplant, wieder hier aufgeschlagen. Dazu kommt noch, daß mich mein Weisheitszahn in den letzten Tagen ordentlich auf Trab gehalten hat und ich schon die Antibiotika aus der Reiseapotheke vorholen mußte. Aber da ich diese Sache lieber in Deutschland erledigen möchte, haben wir mal eben Kontakt zu Singapore Airlines aufgenommen und unseren Flug etwas vorverlegt. Das geht hier alles ganz easy per Telefon. Jetzt blieb uns nur noch, die Vorbereitungen für den Rücktransport des Motorrades zu treffen. Mit unserem Agenten hatten wir schon alles besprochen, die erforderlichen Unterlagen gab´s per Mail. Wenn ich da noch an das Chaos in Asien denke…hier lief alles, wie am Schnürchen. Der Zoll wußte, was er tat. Die Abstempelung des Carnets hat keine 10 Minuten gedauert. Das Motorrad war in zwei Stunden wieder in der Kiste verpackt, die ordentlich zwischengelagert wurde. Nur der Wettergott war wieder mal kein Biker. Pünktlich am Morgen, als wir das Motorrad zum Depot bringen wollten, setzt wieder mal leichter Regen ein. Ungünstiger ging es ja nun wirklich nicht!!! Ein nasses Motorrad in die Kiste packen wäre ja fast vorsätzliche Zerstörung des Motorrades. So mußten wir die KTM und unsere Sachen erst noch “trockenlegen”, bevor alles eingepackt wurde. Die restliche Zeit bis zum Abflug werden wir unsere Kreditkarten noch ein wenig strapazieren und uns noch das eine oder andere in Auckland anschauen. Das war:

Unser Fazit zu Neuseeland wollen wir auch diesmal wieder in ein paar Stichpunkten zusammenfassen. Speziell für Leute, die wie wir, vielleicht auch mal individuell mit dem Motorrad hier her fahren wollen. Zuerst mal die Neuseeländer selbst. Unsere Erfahrungen sind durchweg positiv. Anders kann man das nicht sagen. Wo immer wir mit unserem deutschen Kennzeichen auftauchten, wurden wir interessiert “ausgefragt” und es wurde uns immer eine gute Zeit in Neuseeland gewünscht. Im Vorbeifahren wurde oft der Daumen nach oben gezeigt oder an der Ampel auch schon mal Smalltalk gehalten. Auch bei unserem kleinen Crash auf der Molesworthroad wurde die Hilfe völlig selbstverständlich und uneigennützig gegeben. Da kann man den Kiwis nur ein dickes Lob aussprechen. Die andere Seite von Neuseeland ist leider, daß hier alles sauteuer ist. Das war uns zwar vorher bekannt, aber wenn man dann im Supermarkt 1,90 € für den Liter Milch berappt, und sich das in fast allen Bereichen fortsetzt, ist das schon recht heftig. Vor allem die Übernachtungskosten haben ordentlich reingehauen. Die Campingplätze hier sind zwar meistens sehr gut ausgestattet (Mikrowelle, Herd, Internet, Waschmaschine, Kühlschrank…), es ist fast alles da, aber mit durchschnittlich 13,00 € pro Person und Nacht ist es dennoch ziemlich heftig für unseren Geschmack. Zumal die Qualität zwischen den Plätzen auch teilweise erheblich ist. Von Übernachtungen in Cabins, Motels oder B&B will ich gar nicht erst anfangen. Kein Preis-/Leistungsverhältnis, wie man es aus Deutschland kennt. Es gibt zwar auch recht einfache und billige DOC-Plätze (Department of conservation), aber da ist dann außer einem Wasseranschluß und einem Dixi meist nicht mehr vorhanden. Bezahlt wird übrigens fast überall mit Kreditkarte. Selbst an der Eisbude steht der Kartenleser bereit. Das Fahren im Land ist völlig entspannt. An den Linksverkehr gewöhnt man sich ruck zuck und auch die “chaotische Fahrweise” der Kiwis, von der wir im Vorfeld oft gehört hatten, konnten wir nicht feststellen. (Vielleicht lag das aber auch an unserer guten Anpassungsfähigkeit) 😉 Lediglich die LKW-Fahrer sind mit Vorsicht zu genießen. Meistens viel zu schnell unterwegs, haben sie doch das eine oder andere Mal unseren Puls etwas auf Drehzahl gebracht. Einmal kam uns ein Holzlaster mit schlingerndem Anhänger aus einer Kurve entgegen – da habe ich echt gedacht “Game over!” Auch in Neuseeland war unser Navi von Vorteil. Man braucht es zwar nicht zwingend, aber auch wenn man nur die nächste Tanke oder den nächsten Supermarkt finden will, ist es schon recht hilfreich. Eine kostenlose Karte gibt es übrigens hier. Ansonsten hat man manchmal das Gefühl, ganz Neuseeland besteht nur aus Campervans. Mein Gott! Diese Dinger fahren zu Tausenden hier durch´s Land, und auf den Zeltplätzen ist zu 90% alles auf diese Art von Urlaub ausgerichtet. Der große Vorteil von denen ist natürlich, daß sie das Wetter schon mal kalt läßt. Darüber muß man sich auf dem Motorrad im klaren sein. Ohne gute Regenklamotten geht gar nichts. Das hatten wir zum Glück ja auch berücksichtigt und so sind wir zwar des Öfteren naß geworden, aber immer nur von außen. Unsere Klamotten haben jeden Regenguß überstanden. Allerdings macht es trotzdem keinen Spaß, bei Mistwetter durch die schöne Landschaft zu fahren. Bei Wetter fällt mir natürlich auch die Sonne ein. Wenn sie denn scheint, dann ordentlich. Guter Sonnenschutz ist enorm wichtig. Wir haben ein- zweimal vergessen, uns rechtzeitig einzucremen und haben sofort die Quittung dafür bekommen. Bei “Witterungseinflüssen” fallen mir unweigerlich auch die Sandflies ein. Diese kleinen Mistviecher gibt es vorwiegend an der Westcoast, aber auch sonst schwirren sie überall rum, wo Wasser in der Nähe ist. Die Bisse von den Plagegeistern gehen einem richtig auf die Nerven. Da hat man dann gleich 1-2 Wochen was davon. Mückenspray hat nach unserer Erfahrung nicht viel geholfen. Ich glaube, die Biester dopen sich mit dem Zeug noch. Aber gerade da, wo Wasser mit im Spiel ist, ist die Landschaft ja meistens besonders reizvoll. So ist es auch in Neuseeland. Das Land hat unglaublich viel verschiedene Ansichten zu bieten. Mal denkt man, man ist im Allgäu, mal am Amazonas unterwegs. Besonders die riesigen Farne und Kauriwälder fanden wir ganz toll. Ob Süd- oder Nordinsel schöner ist, kann man so pauschal sicher nicht sagen. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Allerdings sollte man nicht meinen, ganz Neuseeland ist eine einzige paradiesische Landschaft. Wir haben auch viele trostlose Orte gesehen, wo ich um Himmels Willen nicht tot über´n Zaun hängen möchte. Gerade viele kleinere Ortschaften sind mehr oder weniger lieblos in die Landschaft gesetzt. Da gibt es dann eine Hauptstraße und ein paar mehr oder weniger intakte Häuser und das war´s. Für Wanderer ist Neuseeland sicher ein Eldorado. Geführte Touren gibt es massenweise. Nur sollte man da auch die richtige Ausrüstung dabei haben. Ansonsten werden bei den Touriaktivitäten immer wieder adrenalinfördernde Sportarten wie Speedbootfahren, Bungeejumping, Quadfahren usw. angeboten. Natürlich nicht gerade im Sonderangebot. Für den, der´s mag… sicher das Größte. Wir hatten auf unserem Motorrad genug Adrenalinausstoß. Das Verschiffen hier her war völlig problemlos. Wir hoffen mal, daß die Rückreise auch so verläuft. Vielen Dank an dieser Stelle an die Spedition intime aus Hamburg. Bedenken muß man allerdings, daß das Motorrad blitzsauber sein muß, wenn man es hier importiert und daß sich der Transport des eigenen Bikes nur rechnet, wenn man länger als 3-4 Wochen hier unterwegs ist. Unsere KTM hat uns wieder mal sicher durch´s Land gebracht. Von 2 gebrochenen Speichen im Hinterrad mal abgesehen, die aber sicher der hohen  Beladung geschuldet waren, gab es keine Probleme. Nicht mal einen Tropfen Öl hat sie während der fast 10.000km gebraucht. (wozu habe ich das teure Zeug bloß mitgeschleppt?). Als Reifen haben wir dieses mal den Heidenau K60 Scout als 140/80 probiert. Nach 9.500km ist er hinten so ziemlich fertig und höchstens noch für ein paar zahme Straßenkilometer zu gebrauchen. Bei ca. knapp 10% Gravelroadanteil und ansonsten schonender Gangart hat er seinen Job aber ganz gut gemacht. Für den Fall der Fälle gibt es aber hier genügend Motorradwerkstätten, bei denen man sich Hilfe oder Ersatzteile beschaffen kann. Tankstellen gibt es reichlich im Land. Manchmal sollte man aber vorher durchrechnen wie weit man fahren will und wo die nächste Säule ist. Gerade wenn es offroad oder in weniger dicht besiedelte Gegenden geht. Manche kleinere Tanken haben übrigens nur Normalbenzin und Diesel. Wenigstens der Sprit ist hier nicht teurer als bei uns (Super bleifrei so ca. 1,40 bis 1,50€/ltr.) So, mehr fällt mir im Moment nicht mehr ein. Bei Fragen: email an uns!

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