Der Harzer Försterstieg

harzer-foersterstieg-LoIrgendwann kam Anfang letzter Woche mein Kollege Matthias an und meinte: „Am Samstag fahr ich den Harzer Försterstieg, willst Du mitkommen?“ Ja, toll! Äh, wo läuft der eigentlich genau lang? Ich hatte das Hinweisschild, ein kleines grünes Eichenblatt, auf meinen Touren zwar schon x-mal gesehen, aber mehr wußte ich darüber nicht. Also schnell mal gegoogelt. Aha, von Goslar nach Riefensbeek, knapp 60km und 1.561HM, ups! Soviel Höhenmeter bin ich noch nie am Stück gefahren. „Du kannst ja unterwegs dazustoßen!“ hatte Matthias noch gesagt, aber das sind dann ja wieder nur halbe Sachen. Na ja, bis Samstag ist ja noch ein bisschen Zeit – mal sehen, wie das Wetter bis dahin wird.

Start an der Kaiserpfalz in Goslar

Freitag Nachmittag. Die Wetteraussichten sind super, jedenfalls für Mitte November. Trocken, knapp zweistellige Temperaturen und ab und zu soll sogar mal die Sonne durchkommen. Jetzt gilt es also. Aus dem Netz noch schnell einen track auf´s Navi geladen, natürlich ohne diesen genau zu prüfen. Dazu aber später mehr. Von meiner besseren Hälfte habe ich mich dann am Samstag Vormittag nach Goslar bringen lassen. In der Hoffnung, daß Matthias, der natürlich schon von Förste bis dahin mit dem Rad gefahren ist, schon etwas ausgepowert ist. 😉 Aber der war natürlich gerade erst warm gefahren. Knapp 800HM hatte er beim gemeinsamen Start schon auf der Uhr, kein Problem für ihn. Start war an der Kaisepfalz in Goslar. Dort beginnt der Försterstieg also. Das kleine grüne Eichenblatt war auch an jeder Ecke zu sehen – los geht´s!

Ich hatte noch keine zwei Kilometer auf dem Tacho stehen, da kam auch schon der erste deftige Anstieg. Mit 10% Steigung war das schon mal gar nichts für mich. Der „Motor“ noch völlig kalt, da war gleich mal die erste Schiebeetappe angesagt. „Na das kann ja heiter werden!“ habe ich mir da gedacht. Ich hatte am Abend vorher zwar mal einen flüchtigen Blick auf das Höhenprofil des tracks geworfen, danach sollte der steilste Anstieg erst nach ca. 17km kommen. Wenn das gleich zu Anfang so losgeht… Jedenfalls rückte das Ende der Tour für mich schon mal in weite Ferne.

Blick auf den Innerstestausee

einfach genial, die Aussicht!

Km 10, 295HM Nach dem ersten fiesen Anstieg zum Goslarer Steinberg ging es dann aber erst mal wieder kurz bergab – Zeit zu verschnaufen. Okay, schieben wir es darauf, daß ich vorhin noch nicht warm gefahren war 🙂 Inzwischen waren wir am Granestausee vorbeigefahren und wie angekündigt, ließ sich sogar mal kurz die Sonne blicken. Jo, so kann es weitergehen! Die nächsten Kilometer ging es dann etwas entspannter voran, in Gedanken hatte ich aber dieses verfluchte Höhenprofil vor Augen. Das sagte mir, daß nach dem Innerstestausee dieser fiese Anstieg begann. Mit knapp 10% Steigung ging es von da an die nächsten 2,5km den Berg hoch. Prima! Also flux den kleinsten Gang eingelegt und weiter. Erstaunlicherweise ging es besser als gedacht. Vielleicht hat auch dieses geile Panorama etwas Anschub gegeben, das wir bei der Auffahrt hatten. Durch die dicke Nebelsuppe, die über dem See lag, quälte sich langsam aber sicher die Sonne hoch. Quasi so, wie ich mich den Berg hochquälte. Aber die Aussicht von hier oben war warscheinlich die Belohnung für die Mühen. Was mir allerdings etwas zu denken gab, war der Blick auf´s Navi. Dort wurden nur lausige 10-11km/h im Schnitt angezeigt. Ohne Pausen, versteht sich! Wenn das so weitergeht, wird das wohl heute nichts mehr werden, ging es mir ein paar mal durch den Kopf.

km 20, 685HM Nach knapp 20km war also das steilste und schwierigste Stück geschaft – so dachte ich mir zumindest. Also mal eine kurze Pause eingelegt und ein trockenes T-Shirt angezogen. Beim umziehen muß Matthias wohl gedacht haben, es brennt irgendwo – so habe ich gedampft! Allerdings habe ich auf den letzten zwei Kilometern auch gemerkt, daß es kälter geworden ist. Mittlerweile waren wir auch auf 520 müN. Da waren es bestimmt keine zweistelligen Temperaturen mehr. Also noch schnell den Nierengurt angelegt und weiter gings.

der mit dem Wolf tanzt…

Unterwegs waren übrigens immer wieder Holzfiguren zu sehen. Warum dieser Wolf hier so am heulen war, konnte ich mir denken. Der ist bestimmt auch den Försterstieg gelaufen 😉 Von jetzt an ging es wenigstens einigermaßen auf gleichem Höhenniveau weiter. Immer so zwischen 500 und 600 müN kamen wir einigermaßen gut voran (jedenfalls für meine Verhältnisse). Bei km 30 ging es dann noch mal 120HM am Stück hoch. Inzwischen standen 928HM auf dem Navi. Persönlicher Rekord! Allerdings hatten wir ja gerade erst mal die Hälfte der Strecke geschafft. Inzwischen war es schon halb drei und wir waren genau drei Stunden unterwegs. Meine Hochrechnung sagte mir, daß es wohl richtig dunkel werden würde auf den letzten Kilometern. Aber wozu haben wir schließlich Licht dabei? Als wir, immer unserem track auf dem Navi folgend, schließlich am Albertturm ankamen, sagte Matthias: „Ich glaube, wir sind falsch!“ Der Albertturm liegt gar nicht auf dem Försterstieg. Zum Glück hatte Matthias kurz vorher noch ein Schild mit dem Hinweis zum Försterstieg gesehen. Also wieder gut einen Kilometer zurück und auf das grüne Eichenblatt geachtet. Soviel dazu, wenn man sich auf fremde tracks verläßt, die man aus dem Netz runterlädt.

kurzer Boxenstop unterwegs

Nach 40km und 1.129HM waren wir am Taternplatz vorbei und der Gewitterplatz lag kurz vor uns. Jetzt kannte ich mich wieder aus. Hier begannen meine Hausstrecken. Die langsam einsetzende Dämmerung war dadurch nicht mehr so schlimm. Schlimmer war allerdings, daß jetzt für mich die kleinste Steigung zur Qual wurde. Nach ca. 45 Kilometern wurde es echt hart für mich. Matthias fuhr inzwischen „Achten“ um mich, um immer mal wieder zu schauen, ob es noch geht. Aber so kurz vor dem Ziel war an aufgeben nicht zu denken! Nach dem Prinzenteich mußte ich feststellen, daß es auch in meiner Heimatgegend trails gibt, von denen ich bislang nichts wußte. In der Hoffnung, daß es von jetzt an auf guten Schotterwegen bis zum Ende gehen würde, fuhren wir gleich mal einen netten trail an besagtem Teich entlang. Mit eingeschaltetem Licht war es dann aber doch kein Problem. Kurz nachdem wir die B241 überquert hatten, waren 50km und 1.325HM geschafft. Jetzt mußte es doch langsam mal wieder bergab gehen. Aber dazu mußte erst noch das „Mangelhalber Tor“ erreicht werden. Von hier aus ging es dann im „Leerlauf“ in Richtung Sösestausee. Allerdings nicht, ohne vorher noch einen unbekannten trail zu „erkunden“. Ich wußte zwar, wo der Försterstieg hier heraus kommen sollte, aber gelaufen, geschweige denn gefahren, war ich hier noch nie. Aber bei gutem Licht und trockenem Untergrund war auch dieser trail kein Problem. Jetzt nur den „Verlobungsweg“ bis Riefensbeek, dann war der Försterstieg geschafft. Vorher mußte ich aber noch mein Taxi anrufen. Die restlichen 10-15km bis nach Osterode konnten mir heute gestohlen bleiben. Nach ein paar Minuten waren wir in Riefensbeek angekommen. Just in time kam Gina mit dem Auto um die Ecke, um mich einzuladen. Für mich standen am Ende des Försterstieges 61km und 1.469HM auf derUhr. Das reicht für heute!

Von Matthias, der natürlich auch den Rest bis nach Hause gefahren ist, habe ich heute erfahren, daß er am Ende 125km und 2.075HM abgerissen hat. Respekt! Für alle, die mal ähnliches vorhaben, gibt es hier Informationen zum Harzer Försterstieg.

unser track vom Försterstieg

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Eine Antwort zu Der Harzer Försterstieg

  1. maecces schreibt:

    *hui*… ist ja mal ne Ansage…
    …und schön geschrieben.
    Gruß Olli

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